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Geräte-Vorstellungen

Jupiter

Jupiter

Gerätetyp: Saturn
Währung: 30 Pfennig
optische Animation mit LED: Nein
akustische Animation mit MP3: Nein
EZ (elektronische Zulassung): Nein

Saturn Jupiter (Stella, 1983, 30 Pf-Spiel)

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Der Saturn Jupiter ist eines der besonders exotischen Geräte aus der adp-adp-Gauselmann-Produktion Anfang der 80er. Er ist nicht nur äußerst selten, sondern steht auch für viele Spielelemente und technische Einrichtungen, die erstmalig, letztmalig oder auch nur einmalig zum Einsatz kamen. So handelt es sich beispielsweise mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um das erste Gerät des Espelkamper Unternehmens, bei welchem eine - wenn auch nur als zusätzliches Anzeigemedium für das Risikospiel - rotierende Spielscheibe Verwendung fand (also noch vor dem Merkur Disc). Gleichzeitig dürfte der Saturn Jupiter auch das erste Stella-Gerät gewesen sein, in welchem die „weiße Steuereinheit“ die Kontrolle über das gesamte Geschehen während des Spielablaufes übernahm und somit die Steuer- und Impulsnockenwalzen abgelöst hatte. Bislang war ich davon ausgegangen, dass letztere Eigenschaft dem Saturn Venus zuzuschreiben wäre. Da der Jupiter allerdings noch über die roten Saturn-Monde mit den Kleinen Merkur-Sonnen anstelle der bei Stella wenig später eingeführten Venus-Sonnen verfügt, dürfte er auf jeden Fall vor dem Saturn Venus entwickelt und wahrscheinlich auch zugelassen worden sein. Insoweit wird der Saturn Jupiter somit auch das letzte Gerät mit den roten Saturn-Monden gewesen sein. Zusammen mit dem Merkur Excellent gehört der Saturn Jupiter zu den zwei einzigen adp-adp-Gauselmann-Modellen mit „weißer Steuereinheit“, bei welchen noch auf den Einsatz von Lautsprechern verzichtet wurde. Anstelle dessen wurde allein der typische 2-Klang-Gong zur akustischen Untermalung des Spielablaufes genutzt.

Das Spielsystem ist als eine Mischung aus denen des Nova und des Merkur Excellent zu verstehen, wobei der Saturn Jupiter allerdings - so wie Merkur Komet und Saturn Uranus - ausschließlich über Direktgewinne und somit nicht über Ausspielungen von Kleingewinnen oder Sonderspielen verfügt. Als Walzenmaschine kommt eine solche mit (damals noch Stella-typischem) 3-3-1-Ableseschema (entspricht 9 Gewinnlinien) zum Einsatz. Auf der rechten Walze mit dem Einzelablesefenster gibt es neben dem Saturn-Mond auch noch einen halben Saturn. Zwar verfügt der Saturn Jupiter genau so wie der Merkur Excellent nur über eine Doppel-Risikoleiter, bei welcher der Spielgast beim Riskieren zwischen vollem Risiko und Teilrisiko wählen kann, der mathematische Ablauf des Teilrisikospiels jedoch entspricht dem des Nova. Dabei wird auch im Teilrisiko generell mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 1:1 riskiert, wobei der Gewinn je nach Stufe immer um 33 % bzw. 50 % gesteigert oder um den entsprechend selben Wert verringert wird. Genau so wie beim Nova kann nach zwei Abwärtsbewegungen in der Leiter ein noch angezeigter Gewinn nicht weiter riskiert werden und wird aufgebucht. Während des Teilrisikospiels wird in der Doppel-Risikoleiter ständig zwischen der linken und rechten Leiter hin und her gewechselt. Pfeile (in Form von kleinen weiß leuchtenden Dreiecken) zeigen auf die von einem Gewinnfeld durch Riskieren zu erreichenden Felder. Wählt der Spielgast „volles Risiko“, so bleibt das Risikospiel immer auf der selben Seite der Doppel-Risikoleiter und der Weg nach oben ist entsprechend kürzer. Dafür bedeutet aber auch jedes negative Risikoereignis den kompletten Verlust des bis dahin erzielten Gewinnes aus dem laufenden Spiel.

 

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Voll- oder Teilrisiko - der Spielgast hat die Wahl...

 

Gerade das Teilrisiko betreffend war die Variante des Saturn Jupiter und des Nova gegenüber dem des Merkur Excellent die für den Spieler gefühlt deutlich attraktivere. Beim Merkur Excellent wurde zwar auch beim Teilrisiko nicht zwischen den beiden Leitern gewechselt, was während des Teilrisikospiels immer einer Verdoppelung oder Halbierung des Gewinnes und demnach einem vermeintlich großen Vorteil für den Spielgast entsprach. Dafür aber wurde dort das Verhältnis von Gewinn zu Verlust auf 3:7 herabgesetzt. Und weil die Regel „automatische Gewinnübernahme nach zwei Abwärtsschritten im Teilrisiko“ beim Merkur Excellent nicht galt, konnte man bei diesem Gerät gut und gerne auch schon einmal von zweistelligen Sonderspielgewinnen bis hinunter zum Feld „Nichts“ ohne einen einzigen Aufwärtsschritt „durchgereicht“ werden.

Doch zurück zum Saturn Jupiter. Dass das Spiel mit der Risikoleiter seinerzeit noch sehr jung war, lässt sich aus heutiger Sicht insofern gut erkennen, dass mit dieser Thematik damals noch sehr viel experimentiert wurde. Der Jupiter liefert einen besonderes markanten Beweis dafür: Wie bereits weiter oben erwähnt kommt hier nämlich eine „Risiko-Scheibe“ als zusätzliche visuelle Hervorhebung des Risikospiels zum Einsatz. Technisch gesehen handelt es sich um eine solche Einzelspielscheibe, wie sie in die ersten Nova- und Disc-Geräten zum Einsatz kamen. Die Scheibe hat nur eine 6er-Teilung, wobei sich darauf in abwechselnder Reihenfolge drei rote Felder mit einem Pfeil nach unten und drei grüne Felder mit Pfeil nach oben befinden. Auf den grünen Feldern ist über dem Pfeil zusätzlich der Schriftzug „Gewinn“ aufgedruckt. Die Risikoscheibe befindet sich hinter einem großen unterhalb der Walzenfenster auf der Frontscheibe aufgedruckten Saturn-Mond mit einem Ablesefenster am oberen Rand. Der Blick auf den Rest der Risikoscheibe innerhalb des Saturnmondes wird von speichenartigen Linien verdunkelt. Im Bereich des Ablesefensters oben befindet sich eine Glühlampe hinter der Risikoscheibe, welche während des Risikospiels die laufende die Scheibe erhellt und nach dem Stillstand der Scheibe das angezeigte Feld beleuchtet. Der Ablauf des Risikospiels unterscheidet sich von dem des normalen Leiterrisikos allerdings nicht wirklich. Zumindest im Bereich der Geldgewinne. Denn während des Risikospiels leuchtet wie gewohnt das aktuelle Gewinnfeld auf und es blinken abwechselnd die zu erwartenden Felder nach Betätigen der Risikotaste auf. Dabei ertönt im Takt des Blinkens der Gong. Der Lauf der Risikoscheibe erfolgt somit nur als zusätzliche Anzeige, ob die Entscheidung des Spielgastes zum Riskieren von Erfolg gekrönt war oder nicht. Daher verliert die Risikoscheibe ziemlich schnell an Reiz und Bedeutung für den Spielgast. Dass während des Risikoangebotes mit Blinken der Risikofelder in Kombination mit der rotierenden Scheibe ein Feld mit dem Hinweis „Risiko Stop“ aufleuchtet, sollte dem Spielgast scheinbar suggerieren, dass er durch das vermeintlich gezielt mögliche Stoppen der Risikoscheibe positiven Einfluss auf seine Chancen beim Riskieren nehmen könnte. Verdeutlicht wird dies, wenn Sonderspiele riskiert werden können: Dann nämlich leuchtet ein Feld mit dem Hinweis „Risiko Start“ und  das Risikoangebot erfolgt nach jedem Schritt erst nach einer etwa vier Sekunden langen Wartezeit. Es sei denn der Spieler drückt vorher einmal auf die Risikotaste. An dieser Stelle befindet sich meiner Meinung nach allerdings eine Schwachstelle in der Bedienbarkeit des Gerätes: Will der Spieler nämlich genau in dem Moment das Risikospiel starten, in welchem die vier Sekunden verstrichen sind und das Risikospiel automatisch startet, dann gilt der Tastendruck bereits als Risikovorgang und bedeutet im schlechtesten Fall den kompletten Verlust seines Gewinnes. Dass die Risikoscheibe nicht tatsächlich gezielt zu stoppen ist und auch nicht den Ausgang über Erfolg oder Verlust eines Risikovorganges bestimmt, erkennt der aufmerksame Spielgast übrigens daran, dass das Resultat nach Betätigen der Risikotaste wie gewohnt sofort in der Risikoleiter angezeigt wird, während die Scheibe aber erst kurze Zeit - wenn auch nur einen winzigen Bruchteil einer Sekunde - später anhält.

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Pfeile zeigen, wo es beim Teil-Risiko lang geht...

 

Wenngleich die Risikoscheibe gute Ambitionen auf einen der oberen Plätze in der Liste überflüssiger Spielfeatures hat, ist sie vor allem vom Design des Gerätes her sehr nett anzusehen. Vor allem wenn Gewinne durch den Spielgast angenommen werden, denn dann dreht sich die Scheibe einfach weiter, damit sie nicht (dann fälschlicherweise) Gewinn oder Verlust anzeigt. Im nächsten Spiel erlischt beim Starten der Walzen zunächst die Beleuchtung der Risikoscheibe, bevor sie dann in etwa zeitgleich mit dem ersten Stopp der linken Walze angehalten wird.

Der Saturn Jupiter gehört übrigens zu der äußerst kleinen Gruppe der ersten Geräte mit Risikospiel, bei welchen in der Spielanweisung ein Hinweis darauf zu finden ist, dass durch Zitat: „Risikostrategien“ die Auszahlquote „verbessert“, aber auch unter 60 % sinken kann.

Zeitgeschichtliches zur Einführung der Risikoleitern

Das vom Spielgast wahlweise als Alternative zum Vollrisiko nutzbare Teilrisikospiel - welches übrigens neben Geräten aus adp-adp-Gauselmann-Produktion auch bei einigen NSM-Geräten, wie z. B. bei der Triomint Dallas zur Anwendung kam - , setzte sich scheinbar nicht durch und wurde noch in der ersten Hälfte der 80er Jahre wieder abgeschafft. Anstelle dessen wurde Mitte der 80er Jahre die Teilgewinnübernahme für Sonderspiel-Gewinne in den Risikoleitern eingeführt. Zwanzig Jahre später wurde mit Geräten wie z. B. Mega Texas und Mega Cinema (ebenfalls aus adp-adp-Gauselmann-Produktion) dann erneut ein derartiges Leiterspiel mit Teilrisiko eingeführt. Und das mit großem Erfolg. Das Teilrisikospiel beschränkte sich dabei zunächst auf den Risikoleiterbereich mit Sonderspielgewinnen und wird seitdem als „Fun-Risiko“ bezeichnet. Mit der Einführung der kurzen Ära der so genannten „Fun-GGSG“ mit Geräten wie Mega Blue Power und Merkur Cash Fun (beide aus adp-adp-Gauselmann-Produktion, unter Spielern gerne auch „Obstkisten“ oder „Fruchtbomber“ genannt) setzte sich das „Fun-Risiko“ endgültig durch und ist heute noch ein beliebter Bestandteil der Spielinhalte einiger Multi-Gambler auf dem deutschen Geldgewinnspielgeräte-Markt.


Sonderspiele werden bis maximal 100 aufgezählt. Eine Superchance in den Sonderspielen gibt es beim Saturn Jupiter nicht, dafür können aber von allen 3 DM-Gewinnen bei einem Zählerstand  kleiner als zehn 2,40 DM riskiert werden. Gleiches gilt auch bei jedem beliebigen Zählerstand, wenn von der rechten Walze ein ganzer oder halber Saturn angezeigt wird (solange durch erfolgreiches Riskieren 100 Sonderspiele auf dem Zähler nicht überschritten werden).

Im Praxistest (im SonderSpiel) erwies sich der Saturn Jupiter als äußerst Spielfreudig, wobei die Auszahlquote ähnlich wie beim Nova stark geglättet und Auszahlspitzen eher die Ausnahme zu sein scheinen. Im Vergleich zum Nova allerdings werden gefühlt mehr Kleingewinne gegeben. Für 10 bis 20 Sonderspiele in Folge ist der Saturn Jupiter erstaunlich häufig gut aufgelegt, wogegen große Serien eher seltener auftreten. Zur Erhöhung des Spielkomforts verfügt das Gerät sowohl über eine Start- als auch über eine Risikoautomatik, was seinerzeit noch längst nicht als Standard galt.

Ein besonderer Augenschmaus für den Freund des Münzspiels ist wie schon bei den Vorgängermodellen des Fabrikates Stella der hohe Anteil an blauer Beleuchtung. Dies wird erreicht durch Tasten und einen Münzeinwurf aus blauem Kunststoff, sowie blau gefärbte Glühbirnchen für die weißen Zählwerke mit schwarzen Zahlen. Da der in Serienspielen blinkende Schriftzug mit dem Gerätenamen „Jupiter“ mit weißen Glühlämpchen angestrahlt wird, wechselt die Farbe der Zählwerksbeleuchtung beim Münzspeicher dabei zwischen den Farben weiß und blau. In Kombination mit der schwarzen Frontscheibe entsteht dadurch ein besonders edler, sogar leicht mystischer Look. Auf letzterer kommen auch die hübsch gestalteten gelben und blauen  Risikofelder in Form von Wolken sehr schön zur Geltung.

 

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Alles blau: Die Kombi-Taste für Start, Stop, Risiko, Risiko-Automatik und Risiko-Start...

 

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...die Risikowahltaste...

 

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..und die Zählwerksbeleuchtung

 

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Sogar die Münzeinwurfbeleuchtung - alles blau...

 

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Wolken als Umrandung der Risikofelder und des Sonderspielezählers

Die Bilder unten belegen auffälligerweise, dass der Jupiter scheinbar einmal in der Version mit der Stella-typischen Lackierung mit schwarzer Kassenklappe zusammen mit schwarzer Auszahlschale und einmal in den Merkur-typischen Farben (alufarbige Auszahlschale und anthrazitfarbige Kassenklappe) ausgeliefert wurde. Besonders in Hinblick auf die schwarze Frontscheibe harmoniert die erstere Variante meiner Meinung nach erheblich besser mit dem Rest des Gerätes. Darüber hinaus hängt  in der Werkskantine bei adp-Gauselmann in Lübbecke als Wanddekoration eine Frontscheibe des Saturn Jupiter mit blauem statt schwarzem Hintergrund. Auch dieses Farbgebung sieht sehr ansprechend aus. Ob allerdings auch Geräte mit blauer Frontscheibe zur Auslieferung kamen oder nur in Prototypen eingesetzt wurde, ist nicht bekannt.

 

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Saturn Jupiter - Auszahlschale und Kassenklappe einmal im schwarz der
zuvor erschienenen Stella-Geräte und einmal in den eher Merkur-typischen Farben

 

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Jupiter-Frontscheibe in blau - möglicherweise
so nie in der Auslieferung gewesen...

Fazit: Der Saturn Jupiter ist einzigartig, selten, spielfreudig und visuell reizvoll zugleich. Worin die enorme Seltenheit des Gerätes begründet liegt, ist mir rätselhaft.

 

Sven Schreiber, 21.11.2010

 

 

Der Saturn Jupiter in der Rubrik Klassiker und Raritäten in der
Fachzeitschrift "AutomatenMarkt" (Ausgabe 07/2014)


 

 


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