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Symposium Glücksspiel 2012

Symposium_Glcksspiel_2012Am 10. und 11. Oktober fand an der Universität Hohenheim / Stuttgart das 9. Symposium Glücksspiel statt. Herr Prof. Dr. Becker hat mich als Moderator und Redner zu der Veranstaltung eingeladen, um das Objekt der ganzen Diskussionen, den Spieler, zu repräsentieren.

Für mich war es eine ungewohnte Erfahrung, sowohl mit etlichen Spitzen der Dt. Automatenwirtschaft direkt zusammenzutreffen, als auch mit maßgeblichen Politikern, Beamten sowie führenden Wissenschaftlern, die sich mit dem Automatenspiel beschäftigen. Waren die Vorträge in ganzer Bandbreite von schockierend bis aufmunternd schon interessant, habe ich vor allem die zahlreichen Diskussionen mit allen Seiten während der Pausen und bei der Abendveranstaltung sehr genossen.

Die Redebeiträge werden in naher Zukunft auf

https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/symposium2012

veröffentlicht. Ich beschränke mich auf einzelne Aussagen und Schlaglichter, die mir wichtig erscheinen, einige Fotos, und abschließend meinen Redebeitrag.

Symposium_Gluecksspiel_2012

die Veranstalter Prof. Cruzen und Prof. Becker (sitzend)

Prof. Tretter von der Uni Klinik München, Hirnforscher, zeigt in Schaubildern aufgeschnittener Gehirne, was bei Spielern anders ist als bei sonstigen Bürgern. Es gibt erhöhte Aktivitäten in verschiedenen Hirnbereichen, die identisch sind mit Heroinsüchtigen, die gerade Drogen nehmen (oder keine bekommen). Ich werde mich von dem Mann fernhalten, sonst schneidet der mich auch auf...

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Vortrag "Was macht GSG gefährlich?" von Dr. Hayer Uni Bremen. Leider erwähnt er nicht, dass ihn die Goldserie 2011 unterstützt hat, präventive Massnahmen in Spielstätten zu erarbeiten. Kernpunkt ist die Aussage, dass von allen Glücksspielen (wobei M. Gauselmann am Tag zuvor erläutert hat, dass das gewerbliche Geldspiel gar kein Glücksspiel ist) der Geldautomatenspiel das Spiel mit der höchsten Suchtgefährdung ist. Spielstättenbesucher seien zu 39% spielsüchtig. Die Automatenwirtschaft würde die wissenschaftlichen Forschungen immer wieder falsch darstellen. Mir erscheinen seine Tabellen aber auch zurechtgebogen. Eine stellt die Jugendgefährdung dar, dass 10,6% der 13-19 jährigen schon mal an Geldspielgeräten gespielt haben. Hallo? 19jährige sind erwachsen und dürfen an Automaten spielen! Hayer: Zwar gebe es bei den Betroffenen auch immer Probleme im sozialen  Umfeld, aber eine Therapie dort wäre sehr aufwändig. Viel wirtschaftlicher ist es, die Merkmale des Automatenspiels zu verändern, um Suchgefahren zu verringern. Ich habe mir gedacht "Wenn man den Spielern also nicht helfen kann, nimmt man ihnen einfach das Spiel weg. Wie kleinen Kindern. So leicht kann man es sich machen..."

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Vortrag von Michael Gauselmann "Was macht Zufallspiele um Geld für Verbraucher interessant" verglich Geldautomatenspiel mit Gesellschaftsspielen, bei denen der Spass und soziale Kommunikation im Vordergrund steht. Das Geld spielt beim Geldspiel die Rolle der Mitspieler, man spiele MIT Geld, nicht UM Geld.

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Sachverständiger Noone zu Erfahrungen bei der Prüfung von Geldspielgeräten: "Die Spielesoftware ist seitens des Aufstellers nicht manipulationssicher." M. Gauselmann: "Unsere Technik ist sicher". Noone: "Ich habe gehört, ein Pizzabäcker hat sie geknackt". Gauselmann: "ein Italiener?"

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Prof. Richter, PTB, widerspricht heftig der Aussage von Noone, dass "die Sachverständigen keine Mittel hätten, die Zulassung von Nachbaugeräten sicher zu prüfen. Es muss zur Überprüfung Software der Hersteller eingesetzt werden, die vielleicht nur eine Show liefert, statt die Software auszulesen," Richter widerspricht. "Die Hersteller-Auslesesoftware ist Bestandteil der Bauartzulassung."

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Ulrich Schmidt, Schmidtgruppe, fragt, wie viele verfälschte Geräte die SV denn nachgewiesen hätten. Noone will mit Verweis auf Datenschutz keine Aussage geben. Gauselmann verbittet sich wegen Einzelfällen Generalverdacht gegen die Aufsteller. Noone sagt, dass die Gauselmann Geräte sehr sicher wären, es würde sich um Produkte eines ausländisch kontrollierten Herstellers handeln.

Aussagen von Prof. Richter, und am 2. Tag identisch von Hr. Ministerialdirigent Schönleiter, BMWi, zur Neufassung der Spielverordnung und der technischen Richtlinie. Schönleiter sagt, sie würde nächste Woche im Bundestag behandelt und zum 1.1.13 wirksam.

Der Geldspeicher wird auf 10 € beschränkt. Steckt man einen 20er rein werden 10€ gleich wieder ausgezahlt.

Das Geldumbuchen wird auf 2,20 € beschränkt. Bspw. man steckt einen Zehner rein. Max. 2,20 € werden auf den Punktespeicher umgebucht. Dann muss man eine Taste drücken. Es werden 5Sek weise 20 Pkt. umgebucht. Nach 2,20€ stoppt der Umbuchvorgang wieder und man muss eine Taste drücken. Das soll das Vorglühen und Bespielen mehrerer Geräte erschweren. Meine Meinung: "Und die Volksgesundheit, wird man doch in den Spielstätten mehr umherlaufen müssen".

Nach drei Stunden müssen alle Zähler auf 0 gesetzt werden. Schönleiter wörtlich "Dann fällt das Hackebeil, und jeder Spieler weiß, dass hier nichts mehr zu holen ist".

Zweck? Schönleiter wörtlich: "Labilos sitzen 12 Std. an einem Gerät und lassen es sich für den nächsten Tag reservieren."

Prof. Richter: "Wird kurz vor Ablauf von drei Stunden ein grösserer Gewinn erzielt, kann sich der Eintritt der Nullstellung um bis zu 30 Minuten verzögern". Meine Meinung "Das Ende der Jackpotsysteme".

Geldspieler in Gaststätten werden auf 1 begrenzt. Außer es liegt keine unmittelbare Jugendgefährdung vor wie in Autohöfen, dort sind weiter 3 erlaubt.

Schönleiter: Würden gerne Punktespiel verbieten. Haben aber 500 Entwickler gegen uns, die sicher schon Alternativen in den Schubläden haben z.B. Sonderspiele, Action Games und Risiko. Ein Verbot von Punkten lässt sich nicht wirksam sicherstellen, daher noch keine Umsetzung. Wirksame Regeln werden aber weiter gesucht. Abstandsregelungen und Verbot Mehrfachkonzessionen werden in einigen Gemeinden bis zu 90% Geräte abbauen. Lackmustest wird in 5 Jahren sein, ob rechtlich wirksam.

Schönleiter: "Erlöse in Casinos an bespielten Geräten €120".

wörtlich "kleine Stellschrauben um Spiel zu verlangsamen"
"beunruhigt hat uns das Vorheizen durch Aufsichten. Das war schon bisher illegal. Es wird nun zusätzlich ein Ordnungswidrigkeitstatbestand."

Schönleiter: Die Manipulationssicherheit soll erhöht werden. "Nachbesserungen haben einen Hersteller viel Geld gekostet". Die Manipulation ist nicht gegen den Spieler gerichtet, sondern gegen den Aufsteller. Oder der Aufsteller ist selbst Täter zur Steuerverkürzung. Demnächst müssen Hersteller dem Zulassungsantrag ein Gutachten beifügen, das die Manipulationssicherheit bestätigt. Wenn dann doch Manipulationen stattfinden, und fehlerhaftes Gutachten nachweisbar ist, ist der Hersteller ggfs. strafrechtlich belang bar.

Es wird ein neues unabhängiges Kontrollmodul (keine Herstellersoftware) Pflicht, das langfristig alle Geldumsätze manipulationssicher für Steuerzwecke speichert.

Dr. Wild, Glücksspielreferent beim Senator des Inneren Bremen: "Auch jede Gaststätte mit nur einem  GSG muss ein individuelles Sozialkonzept erarbeiten. In großen Gebäuden, z.B. Bahnhöfen und Flughäfen nur eine Spielhalle, auch wenn Mindestabstand (länderspezifisch) erreicht wird."

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Mein Einwurf in die folgende turbulente Diskussion an Hr. Schönleiter: "Vielen Dank für die mütterliche Fürsorge: Wir werden demnächst im Internet spielen. Wenn Sie das nicht möchten, empfehle ich alle Internetleitungen ins Ausland zu kappen wie China."

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Mein Redemanuskript. Wörtlich minimal anderes vorgetragen:

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich spiele.

An Geldspielautomaten.

Und ich spiele gerne !

Es ist mir lange Zeit sehr schwer gefallen, dies im Bekannten- und Kollegenkreis zu sagen. Nach der Aussage, man wäre homosexuell, ist dies wohl die zweitbeste Möglichkeit, sich selbst blosszustellen. An der Arbeit erzählt man sich Montags beim Frühstück, was man am Wochenende Schönes erlebt hat. Der eine ist gewandert, der zweite hat gekocht, der dritte war im Kino. Wenn ich dann sage, ich habe mit Freunden zwei spannende Stunden in einer Spielhalle verbracht, wird es schlagartig still, und einer fragt „Bist Du denn spielsüchtig?“.  Ich habe genau diese Szene mehrfach erlebt. Die völlig einseitige Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen über das Automatenspiel zeigt Wirkung, beeinflusst die Meinung der Menschen, die noch nie eine Spielstätte von innen gesehen haben.

Warum werde ich als süchtig bezeichnet? Wie jemand der sich Heroin spritzt? Ich fühle mich diskriminiert, in eine dunkle Ecke der Gesellschaft gedrängt. Der gegen seinen Willen zwanghaft spielt, sich ruiniert und seine Familie in den Untergang reisst. Dem geholfen werden muss, ob er will oder nicht.

Ich zeige – glaube ich – nicht die typischen Suchtsymptome und – das weiß ich sicher- habe in 30 Jahren weder mich noch meine Familie ruiniert . Ich brauche heute abend auch nicht um die Universität zu schleichen und eine Spielstätte zu suchen, weil mich der Spieldrang überkommt. Und wenn ich das nächste Mal eine besuche, kann ich sie mit €100 im Portemonnaie betreten und mit €90 wieder verlassen.

Da stimmt was nicht mit mir ! Ich und viele meiner Freunde passen nicht in die typischen Schubladen der Spielsuchtdiskussion. Das negative öffentliche Bild der Automatenszene hat so gut wie nichts mit der Realität zu tun, wie ich sie seit Jahren erlebe.

Ich vertrete den Goldserie e.V. – Erster Deutscher Verein der Münzspielfreunde.  In unserem Internetforum treffen sich viele tausend Menschen, die gerne spielen. Zu Hause an alten ausgemusterten Geräten aus der ganzen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die ein wunderbares Zeugnis der Freizeitkultur und der industriellen Schaffenskraft unseres Landes liefern. Die wir liebevoll pflegen, restaurieren, reparieren und der Nachwelt erhalten. Auf unserer Webseite halten wir Schaltpläne und Pflegetipps parat. Eine Galerie zeigt fast alle der 2000 in Deutschland produzierten Geräte. Im Forum wird endlos über das Hobby diskutiert. Oft treffen wir uns zum gemeinsamen Spiel in privaten Hobbykellern. Manche Vereinsfreunde haben Räumlichkeiten gemietet, gemütlich eingerichtet und haben dort Dutzende Geräte in Neuzustand spielbereit. Unser Ziel ist ein öffentliches Museum der Automatengeschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Viele Freunde spielen an aktuellen Geräten in Spielstätten und der Gastronomie. Viele – dazu gehöre auch ich – machen beides: Sammeln und „echt“ spielen.

Ich spiele gerne. Spielen ist für mich Entspannung vom stressigen Arbeitstag, High-Tech Unterhaltung und ein kleiner Kick mit überschaubaren Gewinnen oder Verlusten. Nach zwei Stunden habe ich €10 mehr oder €30 weniger in der Tasche, das kann und möchte ich mir leisten. Spielstätten sind kommunikative Treffpunkte. Oft verabreden wir uns und spielen gemeinsam, wobei viel über die Spiele, Gewinne und Verluste diskutiert wird. Dies setzt sich im Forum fort, wo ständig die neuesten Spielsysteme vorgestellt und kontrovers besprochen werden.

Ich verfolge die Debatte um die Spielsucht nun seit vielen Jahren, und sie ist mir viel zu verkrampft und polarisiert. Da prallen Welten aufeinander. Einig scheint man sich zu sein, dass es Menschen gibt, die ein auffälliges Spielverhalten zeigen. Die Automatenwirtschaft spricht von weniger als 1%. Die Spielsuchttherapie und –forschung in jeder Grössenordnung bis zu 56%. Meine Damen und Herren der Forschung, ich bin von dieser Spannbreite enttäuscht. Wie wollen Sie wirksame Lösungsvorschläge machen, wenn Ihnen die Zahl der angeblich Betroffenen so ungewiss ist?

Ich habe viele Freunde, die regelmäßig spielen, und kenne hunderte andere Spieler. Fraglos sind dabei Menschen, die ernsthafte Probleme haben, zu viel und über ihre finanziellen Verhältnisse spielen. Die soziale Probleme in ihrem Leben mit übermäßigen Spiel kaschieren. Die sich magisch von den Automaten angezogen fühlen und ihr Leben verwahrlosen lassen. Denen dringend geholfen werden sollte, wenn sie es möchten.

Eine Prozentzahl der problembehafteten Spieler traue ich mir hier nicht zu sagen. Sie liegt aber deutlich näher bei 1% als bei 50%.

Ich bin für jede wirksame Maßnahme der Prävention und Hilfe. Sei es in Form gesetzlicher Vorschriften, um das Automatenspiel weniger attraktiv zu gestalten, technischen Mitteln wie Spielerkarten, oder freiwilligen Maßnahmen wie die persönliche Sperrung. Ich denke, die Automatenbranche wäre zu schmerzhaften Einschnitten ihres Geschäftsmodells bereit, würde man ihnen im Gegenzug langfristig verlässliche rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zum Fortbestand der Unternehmungen bieten. Im Augenblick scheint es aber gewollt zu sein, das sogenannte „kleine Spiel“, das eine über fünfzigjährige Tradition in Deutschland hat, von Grund auf zu schädigen. Beispiel: In den 80er Jahren kam der Unmut über innerstädtische Spielstätten auf, die angeblich das Stadtbild verschandelten. Ich kenne die kleinen dunklen Innenstadtspielstätten noch sehr gut, die Kritik war nicht unberechtigt. Mit Hilfe der liberalen Spielverordnung von 2006 baute die Automatenbranche in Industriegebieten großzügige Spielstätten, die durch eine höhere Zahl aufgestellter Automaten bessere Renditen erwirtschaften und viel aufwändigere Einrichtung und Service ermöglichen. Spielstätten wandelten sich zu modernen, hellen, freundlichen und sauberen Freizeiteinrichtungen. Ganz neues Publikum wurde gefunden. Viele Innenstadtspielstätten wurden geschlossen. Nun sollen aber binnen fünf Jahren alle Mehrfachkonzessionen verboten werden, was die Entwicklung komplett umkehren wird.

Egal, ob nun 1% oder 10% der Spieler Probleme haben, jede Maßnahme trifft auch die 90 oder 99% der Spieler, die gerne spielen und Spaß finden.

Ich betrachte mich als freier Bürger eines freien Landes, in dem der Staat so wenig wie nötig in die Privatsphäre des Einzelnen eingreifen sollte. Freiheit ist vor allem, Unvernünftiges zu tun, so lange niemand anderes dabei gefährdet oder geschädigt wird. Ich möchte weiter spielen, wann, wo und wie ich möchte. Wenn ich Hilfe brauche, werde ich Hilfsangebote gerne in Anspruch nehmen.  Aber bitte keine Zwangsmaßnahmen, die hunderttausende von Bürgern ohne Not beeinträchtigen.

Fragen Sie nicht nur, warum manche Menschen Probleme mit dem Spiel haben, sondern auch, warum viele Spieler keine Probleme haben. Ich bitte die Automatenbranche, die Spielgegner und die Politik konstruktiv zusammenzuarbeiten, um gemeinsam mit Augenmass die richtigen Lösungen zu finden.

Stefan Kruse, Vorstand des Goldserie e.V.

www.goldserie.de

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