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Der Rechtschreibfeler

Ein Rechtschreibfeler im Internet ist ein Hinweis darauf, dass man sich im Internet befindet. Diese ganzen Feler sind die Patina, die sich im Netz über die geschriebene Sprache legt.

Es gibt Menschen, die das völlig anders sehen. Diese sind vor allem Deutschleerer, Pädanten und Hochschätzer der etablirrten Medien. Sie halten die Feler für Fehler, die korrigiert werden müssen. In einigen Nischen des Internet bildet sich zuweilen eine richtige Rechtschreibpolizei, deren Beamte aus eigener Vollmacht und Neurose heraus nichts anderes zu tun scheinen, als jeglichen Text nach solchen Felern abzusuchen, um sie als Fehler zu brandmarken. Doch das alles tut dem Rechtschreibfeler keinen Abbruch, es wertet ihn sogar auf, da er doch benötigt wird, um dieser Menschen Selbstgefühl zu stärken. Gäbe es nicht mehr genug Feler, diese Menschen produzierten gewiss selbst welche.


Der Rechtschreibfeler ist scharf abzugrenzen vom Vertippwer. Beim gewöhnlichen Vertippwer liegt kein Feler in der Auffassung von der richtigen Schreibweise vor, sondern nur eine meist temporäre Unzulänglichkeit der manuellen Befähigung in der Bedienung einer Tastatur. Dabnei werden manchmal zwei Tasten gleichzeitig getroffen, so dass ein überschüssiger Buchstabe entsteht; manchmal werden die Tatsen in der falschen Reihenfolge getroffen, so dass es zu einem Buchtsabendreher kommt; manchal wird eine Taste nicht richtig getroffen, so dass ein Bucstabe fehlt; und manchmal wird anstelle der gewünschten Tastw die benachbartw Tastw getroffen, so dass ein völlig falscher Bucnstabe erscheint. Auf solche Weise entsteht auch manchmal der so genannte "technische Dativ", der seine Ursache darin hat, dass die Tastem "N" und "M" benachbart sind. Dumme Mitglieder der Rechtschreibpolizei sehen darin übrigens regelmäßig eine Grammatikschwäche. Intelligente Schreiber können dem aber entgegenhalten, dass ein solcher Vertippwer allein deshalb beim Korrekturlesen nicht auffällt, weil die Flexionsendungen in der deutschem Sprache gar keine Bedeutung transportieren, sondern nur eine sprachliche Etikette sind.

Im Gegensatz zu diesen Vertippwern, die allesamt einer mangelnden Fertigkeit der Hand geschuldet sind, ist der Rechtschreibfeler eine Schreibweise, die genau so erscheint, wie sie vom Schreiber gewünscht ist. Die Ursache dieses Felers ist eine felerhafte Repräsentation des geschriebenen Wortes im Gehirne des Autoren. Deshalb ist das Aufdecken solcher Feler auch immer dann sehr beliebt, wenn jemandem andere Argumente gegen das Geschriebene ausgehen, deutet doch der Feler im Text darauf hin, dass Feler im Kopfe seines Schreibers sind. Folglich könnte man doch den gesamten Gedaknen als fehlerhaft betrachten.

Dort, wo sich die Menschen um die Feler anderer Menschen nicht so sehr kümmern, versteht man sich recht gut, indem man einfach bei der Sache bleibt. Wenn die Rechtschreibung für den Inhalt des Geschriebenen wesentlich wäre, denn könnten sich die User vieler deutscher Webforen gar nicht mehr verstehen. Die leicht zu machende Beobachtung, dass sie sich bei allen Felern und übrigens auch Vertippwern gut genug verstehen, um sich oft prächtig streiten zu können, zeigt die weitgehende Unwichtigkeit einer felerfreien Schreiweise, es sei denn, es kommt durch einen Feler oder Vertippwer zur Veränderung des Sinngehaltes.

Jeder dieser richtigen Feler deutet auf Defekte der Orthographie hin. Die vihlfachen Auszeichnungen der Kürrze ohder Länge eines Vokahles sind im Deutschen eine unerschöpfliche Quelle für solche Feler, unmittelbar gefolgt von jenen Lauten, die durch ferschiedene Zeichen schriphtlich representirt verden können. Eine dritte Ursache führ Feler nehben der uneinheitlichen Wokaldehnung und der Eksistenz homoofohner Zaichen ist der Standart stimmhafter Konsonanten der gesprochenen deutschen Sprache, im Ausklank zu stimmlosen Varianten verhärtet zu werden. Wenn man jeden Tag sieht, welche Feler von diesen orthographischen Defekten gefördert werden, wundert man sich nur noch darüber, dass einige Menschen fast felerfrai schreyben können. Dahinter muss ein langes und hartes Training stecken.

Das Streben nach einer felerfreien Schreibweise freilich, es stammt aus einer anderen Zeit, die noch kein lichtschnelles Medium wie das Internet kannte. Es stammt aus einer Zeit, in der ruhig und hastlos und ohne den druckvollen Selbstzweck der Aktualität geschrieben werden konnte. In dieser nun vergangenen Zeit hatten auch nur wenige Menschen durch den Besitz von Produktionsmitteln das Privileg, textuelle Information in Form der Presse und der gedruckten Literatur an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen, und diese Verleger suchten sich ihre Schreiber aus einer Vielzahl der Bewerber sowohl nach qualitativen und weltanschaulichen, aber eben auch nach strikt formalen Kriterien aus. Wer nicht jahrelang den Duden inhaliert hatte, der hatte keine Chance, in diesen -- zum Glück vergangenen -- Zeiten in der Journaille unterzukommen, um mit seinem Schreiben allgemein rezipiert zu werden. Und das formal korrekte und politisch gewünschte Schreiben dieser Menschen wurde noch einmal Korrektur gelesen. Natürlich kam es dennoch zu gelegentlichen Felern, aber diese wurden durchgängig als Fehler betrachtet.

Mit dem allgemein verfügbaren Internet ist die Möglichkeit zur Veröffentlichung von Texten kein Privileg einer Minderheit mehr. Und deshalb kann auch nicht mehr eine Minderheit die Defekte der deutschen Orthographie pflegen, indem sie versucht, lediglich felerfreie Texte zu veröffentlichen. vielmehr beginnen die menschen in deutschland jetzt damit, sich ihre geschriebene sprache zurückzuholen und von den fesseln antiquirter konwentionen zu befreien. hierzu gehört auch der hank zur allgemeinen kleinschreibung im chat, in webforen, in persönlich gefärpten mails und auch in fielen blogs.

Ein Feler, der immer wieder gemacht wird, hat gute Chancen, zur Regel zu werden. Viele Menschen schreiben heute im Internet die deutsche Sprache schon so, wie sie in einigen Generationen gedruckt werden wird. Die ganzen Vertippwer, die beim schnellen Schreiben entstehen, werden natürlich auch in Zukunft als unrichtig gelten, aber diese ganzen Feler, die heute schon von vielen Menschen gemacht werden, sie sind die Regeln der Zukunft. Und wer in dieser Zukunft jemandem anders seine Fehler vorhält, muss sich dann wohl diesen Rechtschreibfeler korrigieren lassen.