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Motorkondensator wechseln bei Rotamint-Geräten

Ein bekanntes und häufig auftretendes Problem bei den Rotamint-Geräten zwischen 1969 (Goldene 7 & 8) und 1980 (Doppel-Jackpot) ist ein defekter Motorkondensator. Im Falle eines Defekts als Folge von Altersschwäche stellt das Gerät seinen Dienst komplett ein, da der Motor nicht mehr anläuft. Ein passender Kondensator als Ersatz ist an sich gegenwärtig noch zu einem recht erschwinglichen Preis zu bekommen (Preis etwa 3 EUR, Stand 2015). Das Wechseln an sich wäre eigentlich auch nicht so eine große Sache, zumal die Kondensatoren lediglich zwei Lötfähnchen haben. Also einfach zwei Leitungen von alten Kondensator ablöten und an den neuen anlöten. Wenn da doch nur nicht diese fiese kleine Mutter wäre, mit der der Kondensator am Chassis befestigt ist. Und zwar – wie könnte es anders sein – von hinten. Die Mutter könnte kaum unerreichbarer sein. Entweder, man sucht sich einfach eine Ersatzposition für den neuen Kondensator und lässt den alten einfach im Gerät (was auch ich schon mehr als einmal aus Bequemlichkeit gemacht habe). Oder aber, man macht es ordentlich. Gerade bei Geräten, die einem besonders ans Herz gewachsen sind und bei denen einem der Originalzustand wichtig ist. Ich muss zugeben, dass das auf die Mehrzahl meiner Geräte zutrifft. Als ich vor kurzem wieder einmal einen Kondensator wechseln musste, dachte ich bei mir: Jetzt oder nie. Es wird Zeit, den Ausbau des defekten Bauteils einmal bildlich zu dokumentieren.

Also, lange Rede, kurzer Sinn…

 

1.) Natürlich gilt wie bei allen Arbeiten an Netzspannung führenden Teilen: Stecker aus der Steckdose ziehen. Bei der Rotamint Doppel-Jackpot, also dem letzten Geräte aus dieser Baureihe, geht das auch im Gerät. Bei allen anderen muss der Stecker des Netzkabels aus der Steckdose gezogen werden.

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2.) Den Übeltäter kann man schon sehen, wenn man von hinten auf die Programmnockenwalze schaut, sofern die Abdeckung nicht zu sehr verschmutzt und vergilbt ist. Er befindet sich rechts (wenn man von hinten draufschaut) zwischen Programmnockenwalze und Antriebsmotor.

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3.) Um die Leitungen vom alten Kondensator ablöten zu können, muss die Abdeckung der Programmnockenwalze entfernt werden. Sie ist lediglich mit zwei Schrauben im unteren Bereich am Chassis befestigt.

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4.) Bei diesem defekten Exemplar ist zu sehen, dass er bereits ausgelaufen ist.

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5.) Das Ablöten der Leitungen an sich ist kein Hexenwerk.

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6.) Ein wenig Nervennahrung für Zwischendurch kann bei so einer Operation nicht schaden.

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7.) Erst jetzt geht es richtig los: Am Chassis muss der Bajonettverschluss unter Zuhilfenahme eines recht großen Schlitzschraubendrehers geöffnet werden. Bei älteren Geräte befindet sich hier allerdings eine größere Sechskantschraube, bei noch älteren unter Umständen auch zwei. Das Prinzip der Befestigung ist aber in allen Fällen gleich.

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8.) Nun kann man das Chassis aufschwenken, sodass man an die Spielscheiben im Innern herankommt. Als erstes kann man sich gleich heran machen, die Ableselochmaske abzuschrauben (zwei Schrauben oben). Bei älteren Geräten (vor Rotamint 7 & 8 & 9) entfällt dieser Arbeitsgang, da die Maske auf die Scheibe auflackiert ist.

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9.) Nun müssen die Spielscheiben abgeschraubt werden.

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10.) Beim Modell Rotamint Doppel-Jackpot genügt es, die Schrauben nur etwa 8 mm heraus zu drehen, da die Spielscheiben mit Langlöchern versehen sind. Bei allen anderen Modellen müssen die Spielscheiben vollständig herausgedreht werden

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11.) Nach dem Entfernen der Spielscheiben muss der obere Teil der weißen Sichtschutzblende entfernt werden (entfällt bei älteren Modellen).

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12.) Spätestens jetzt wird einmal der Blick auf die Mutter sichtbar. Wenn auch nur sehr versteckt. Man sieht sie zwischen Riemenscheibe und Chassis.

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13.) Nun wird auch erstmals der Blick auf die Riemenscheibe teilweise frei, hinter welcher die Mutter des Kondensators sitzt. Bis sie abgenommen werden kann, sind jedoch modellabhängig noch einige weitere Schritte erforderlich. Bei den Modellen Goldene 7, Goldene 7 Record, Jackpot und Doppel-Jackpot muss noch die Wechselanzeige oberhalb der mittleren Spielscheibe demontiert werden. Zunächst einmal der eigentliche Symbolträger…

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14.) …und dann die Stellmechanik mit der Magnetspule

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15.) Diese Einheit lässt sich provisorisch auf den Kontakten der Programmnockenwalze ablegen (zum Schutz der Kontakte kann die Abdeckung wieder lose aufgesetzt werden).

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16.) Bei den letzten drei Modellen der Baureihe (Goldene 7 Record, Jackpot und Doppel-Jackpot) wurden Kunststoffscheiben verwendet, welche von hinten durchleuchtet werden. Die Halterung für die Lämpchen muss bei diesen Modellen ebenfalls demontiert werden, da sie im Weg ist.

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17.) Die Lampenplatte kann während der weiteren Arbeiten einfach frei hängend im Gerät belassen werden. Je nach Modell ist die Riemenscheibe spätestens jetzt endlich freigelegt, sodass man sie von der Achse ziehen kann.

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18.) Zunächst einmal müssen hierfür der Sprengring und die dazugehörige Unterlegscheibe entfernt werden.

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19.) Nun kann man die Riemen abnehmen. Erst den inneren, der die Rutschkupplungen der Spielscheiben antreibt…

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20.) …und dann den äußeren, welcher die Riemenscheibe mit dem Antriebsmotor verbindet. Bei älteren Modellen (vor Rotamint 7 & 8 & 9) war hier kein Zahnriemen, sondern zwei kleine Rundriemen verbaut. Bei diesen Geräten ist die Ausführung der Riemenscheibe etwas anders und es muss zusätzlich noch die Anlaufpusselung abgebaut werden, damit man die Riemenscheibe von der Achse bekommt.

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21.) Hier kommt sie endlich zum Vorschein: Die Mutter des Motorkondensators.

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22.) Jetzt nur noch eine 13er Nuss und Knarre in die Hand genommen und dann ist es geschafft.

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23.) Der ausgebaute Übeltäter…

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24.) Hier aus einer anderen Perspektive, sodass man die Werte lesen kann

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25.) Der neue Kondensator (mit 1 µF anstelle von 1,2 µF)

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26.) Nachdem der neue Kondensator eingebaut und angeschlossen wurde, geht es ans Wiederzusammenbauen. Einmal alles in umgekehrter Reihenfolge. Und wenn man alles richtig gemacht hat, dann wird man anschließend mit einer wieder schnurrenden Maschine belohnt.

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27.) Ich persönlich wurde darüber hinaus am selben Abend auch noch mit einigen Serien aus dem rechten Jackpot belohnt. Erst einmal 3 Spiele…

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28.) …dann noch einmal 3 Spiele, diesmal durch die gar nicht einmal so häufig erscheinenden 80 Pf-Kombination…

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29.) …und ganz zum Schluss (die Beleuchtung im SonderSpiel war mittlerweile wieder auf „gemütlich“ umgeschaltet worden) einmal 10 Sonderspiele, weil die 80 Pf-Kombination sogar noch ein zweites Mal einlief und die 1,20 DM im richtigen Moment bei der richtigen Konstellation der erleuchteten Felder des rechten Jackpots erschien…

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Wenn Ihr also auch einmal einen Motorkondensator tauschen müsst, so hoffe ich, dass Euch diese kleine bildliche Dokumentation eine Hilfe ist.

 

Sven Schreiber, 28.10.2015