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Gauselmann, Paul


Zum 50. Geburtstag von Paul Gauselmann 1984

aus dem Automatenmarkt 5/84

Dem Feinmechaniker Paul Gauselmann hat­te sein „Erfindungsdrang" nie Ruhe gelassen. Schon in jungen Jahren ver­suchte er die Dinge immer so zu gestal­ten, daß sie auf die Praxis zugeschnit­ten waren. Neben seinem Hauptberuf tat er schon Mitte der fünfziger Jahre die ersten Schritte im Aufstellgewerbe. Eine seiner ersten Erfindungen zeigte er damals Dr. Wilhelm Foelkel, dem ehemaligen Chef des Automatenher­stellers Harting, und wollte einen Pro­duzenten finden. Foelkel fand die Er­findung sehr gelungen, doch sie paßte nicht so ganz in das Geräteprogramm der Firma. Wer jedoch prima in die Fir­ma paßte, war der Erfinder selbst. Für 600 Mark Monatslohn, damals für ei­nen jungen Mann sehr viel Geld, blieb Paul Gauselmann bei Harting, wurde führender Denker in der Entwick­lungsabteilung und meldete schon sei­ne ersten Patente zusammen mit Dr. Foelkel an. Der ehemalige Harting und spätere Wurlitzer-Chef ist heute noch froh und stolz darauf, einer der „Ent­decker" und Förderer des Erfinderta­lentes von Paul Gauselmann gewesen zu sein.

1964 legte Gauselmann dann als Unter­nehmer den Grundstein für seine heu­tige Firmengruppe. Es begann mit den Musikbox-Umbauten unter dem Mot­to „Das neue Kleid". Hinzu trat dann der Schlüsseltresor, ohne den heute kein größerer Aufstellbetrieb mehr auskommt.

Auf der Suche nach Vertriebswegen entschied sich der Espelkamper Jung­unternehmer wieder für den„ eigenen" Weg. Er gründete die Firma Automa­ten-Center und damit viele Ideen „aus der Praxis für die Praxis", die den Weg direkt zum Kunden finden konnten, folgte dann bald auch eine eigene Ent­wicklungsabteilung.

Zu dieser Zeit war Paul Gauselmann bereits zehn Jahre im Vorstand des Deutschen Automaten-Verbandes und für die Zeit von 1971 bis 1972 des­sen erster Vorsitzender. In der Zentralorganisation der Aufstellunterneh­mer war er Vizepräsident und stolz dar­auf, die Verbindung zur Basis, zum Aufstellbetrieb, in so enger Art und Weise geknüpft zu haben. Hans Rosenzweig erinnerte sich, daß sie viele gemeinsame Stunden damit verbracht haben, neue Ideen auszutüfteln, das Vorhandene zu verbessern und die Gesamtbranche ein Stück weiter zu brin­gen.

Ein markantes Jahr in der Firmenent­wicklung war dann das Jahr 1974. In diesem Jahr erfolgte der Aufbau der er­sten modernen Spielstätten nach dem Spielothek-Konzept. Hiermit begann eine neue Ära. Die Spielhallen alten Typs, sicher nicht immer ansehnlich und mit dem „Spielhöllen-Image" be­haftet, wurden abgelöst.

Viele Automatenkaufleute zogen zu Anfang erst ganz langsam mit. Völliges Umdenken war nötig, und der Wandel vollzog sich nicht immer ohne herbe Kritik. Inzwischen gibt es fast nur noch Spielhallen, die sich sehen lassen kön­nen. Auch darauf ist Paul Gauselmann stolz, denn er wollte nicht nur sein eige­nes „Schäflein ins Trockene bringen", sondern Impulse geben, ohne deren Umsetzung er wenig Chancen für die Branche sah. Anerkennend sagt er heute, daß es sogar schon hier und da Spielhallen gibt, die vielleicht besser sind als seine eigenen. Schmunzelnd schiebt er hinterher: „Fragt sich nur, wie lange noch."

altEs wird von vielen Stun­den berichtet, in denen Paul Gauselmann sich Gedanken über neue Geldspielgeräte gemacht haben. Im­mer unter dem Eindruck, daß der Markt nur sehr schwer zu knacken sei.

Seit 1950 hatte kein anderer Mitbewer­ber die beiden bis dahin größten Her­stellerfirmen gefährden können. Bis Paul Gauselmann sein Unternehmer­herz in die Hand nahm und seinem Erfindungsgeist freien Lauf ließ. Der Na­me Merkur und die Gerätereihe Komet waren bald aus der Geldspielgeräte­landschaft nicht mehr hinwegzuden­ ken und nehmen heute eine Spitzen­stellung ein.

Folge der Erfolge war naturgemäß auch eine erhebliche Erweiterung des Vertriebssystems. Im Süden der Bun­desrepublik diente die übernommene Firma Franken-Automaten als Sprung­brett für den Automaten-Südvertrieb, und im Norden wurde die renommierte Hamburger Importfirma Nova über­nommen. Gleichzeitig erfolgte die Gründung der Stella in Hannover und der Start einer zweiten Geldspielgerä­te-Serie unter dem Namen Saturn/Ve­nus.

Schon 1982 lief der 75000. Merkur in Lübbecke vom Band, die Firmengrup­pe beschäftigte bereits über 1700 Be­schäftigte, und die 100. Spielothek wurde eröffnet.

Bereits 1981 hatte Paul Gauselmann ei­ne weitere schwere Aufgabe übernom­men. Der Verband der Deutschen Au­tomaten-Industrie wählte ihn zum Vor­sitzenden der Abteilung Musik- und Unterhaltungsautomaten. Zu dieser Zeit war die Branche von vielen An­griffen aus den Medien und der Politik bereits stark verunsichert und mußte gleichzeitig verdauen, daß der große Boom der beiden vorangegangenen Jahre sich immer mehr in eine drohen­de Flaute wandelte. Auch in der Posi­tion des Verbandsvorsitzenden hat Paul Gauselmann neue Akzente ge­setzt und aus den Fehlern der Vergan­genheit gelernt. Im eigenen Unterneh­men und in der Verbandsarbeit hat er wie kein anderer enorme Mittel freige­setzt, um eine wirksame Öffentlich­keitsarbeit betreiben zu können. „Wer etwas tut, muß auch sagen warum und wieso, sonst wird er falsch verstanden und es kommt zu Mißverständnissen", sagt der Espelkamper Unternehmer heute, und die ersten Früchte dieser Einstellung zeigen sich bereits in den großen „Opinion-Leader-Medien". Dort ist die Bereitschaft gewachsen, sich auf eine faire und sachkundige Art mit der Branche auseinanderzusetzen.



Paul im Glück (1987)

„Paul im Glück" - sehen Sie sich selbst auch so, Herr Gausehnann?

Mit fünf Seiten brachte das „manager magazin" in seiner November-Ausgabe eine Re­portage über die Firmengruppe Gauselmann und ihren Grün­der. So wie es sich an der Oberflä­che darstellt. Deshalb auch ober­flächlich?

Gauselmann_1987_1Es ist noch nicht alltäglich, daß ein großes Wirtschaftsmagazin über Un­ternehmen unserer jungen Branche be­richtet. Um so sensibler wird reagiert, wenn eine Ausnahme diese Regel be­stätigt. Wurden Tatsachen richtig oder verdreht wiedergegeben? Wird auch kein Schaden angerichtet? Wo man in Branchenkreisen hinkommt, ist heftige Diskussion im Gange: „Haben Sie schon gelesen ... ?

Beispiel: „Paul im Glück", manager magazin 11/87. Der Branchenkundige entdeckt sogleich Fehlinterpretatio­nen, Oberflächlichkeiten, Effektha­scherei.

Der branchenkundige Journalist stellt aber fest: Sauber recherchiert! Kritisch, aber fair rübergebracht. Und für den branchenunkundigen Leser in­teressant!

So respektiert es im wesentlichen auch Paul Gauselmann, mit dem wir darüber sprachen. Wenngleich nicht mit allen Details einverstanden.

Aber was dürfen wir denn von einem Journalisten erwarten, der sich heute mit dieser Materie, morgen mit jener auseinandersetzen muß. Er muß sich zunächst mal aus „allgemein zugängli­chen Quellen" informieren. Als Repor­ter steigt er dann tiefer ein und macht Momentaufnahmen.

Typisches Beispiel gleich im ersten Absatz:„... In seiner Garage in Espel­kamp, einem kleinen Städtchen in der westfälischen Provinz, steht ein Merce­des 560 SEL, goldmetallic mit Autote­lefon."

Nanu, denkt der Insider. Auffallend war doch jahrelang immer derselbe alte 450er mit Merkur- statt Mercedes­Stern. Ein Chef-Fahrzeug, das gegen­über den (übrigens viel länger schon mit Telefon ausgerüsteten) Karossen seiner engeren Mitarbeiter eher etwas schäbig wirkte.

Des Rätsels Lösung: Paul Gausel­mann hatte das neue Auto gerade be­kommen, als der Reporter auftauchte. Das vorhergehende Fahrzeug hatte er acht Jahre lang gefahren. Einen Hang zum Understatement will er allerdings nicht bestätigen. „Ich bin eher konser­vativ", sagt er.

Gauselmann_1987_2Konservativ?

Das sei kein Widerspruch zu seinem stets an Zukunftsperspektiven orien­tierten Aktivitäten als Unternehmer. Vielmehr die Wurzel seiner Persön­lichkeit.

Paul Gauselmann: „Ich brauche Bo­denhaftung, Beständigkeit, Traditio­nen. Um unkonventionell zu handeln, ist der feste Halt für mich unverzicht­bar. Familie, Verband, Betrieb, da muß alles stimmen. Auch bei Risiken, die selbstverständlich jeder Unternehmer eingehen muß, setze ich die Über­schaubarkeit voraus. Deshalb bin ich auch in schwierigen Situationen nie­mals echt gefährdet gewesen."

„Power Paul" nennt ihn das manager magazin. Gauselmann mag solche Flapsigkeit nicht. Zur Ehrenrettung des Reporters sei gesagt: Er muß diesen Spitznamen im Automaten Markt ge­lesen haben. Dort wurde er wahrheits­gemäß verewigt, nachdem ihn ein Ten­nisfreund zum fünfzigsten Geburtstag von Paul Gauselmann 1984 tatsächlich verwendet hatte.

Vielleicht etwas mißverständlich, was das manager magazin richtig über die 1957 begonnene Entwicklungsge­schichte des „Groschenimperiums" schreibt: „... Bis 1970 unterschrieben 1000 Kneipiers rund um Espelkamp ei­nen Zehn-Jahres-Vertrag. Die meisten von ihnen sind noch heute Kunden."

Branchenintern gehört natürlich die Erläuterung dazu, daß Paul Gausel­mann das Aufstellunternehmen schon Anfang der 70er Jahre an seine Brüder übertragen hat und sich selbst auf der Aufstellstufe nicht mehr engagiert. Al­lerdings macht er auf direktes Befragen keinen Hehl daraus, finanziell weiter­hin auch an diesem Geschäft beteiligt zu sein.

Als echter Klopfer muß innerhalb der Branche aber dieser Absatz emp­funden werden. O-Ton manager maga­zin: „Normalerweise laufen von einem Spielautomaten nicht mehr als 2000 bis 5000 Exemplare vom Band. Die Pro­dukte sind kurzlebig. 'Manchmal ist schon nach vier Wochen Schluß', sagt Gauselmann. 'Es herrscht die gleiche Schnelligkeit wie im Showgeschäft.' Die Gewinnspannen sind saftig: Der Stückpreis liegt zwischen 4.000 und 6.000 Mark, die Herstellungskosten be­tragen rund 2.000 Mark."

Paul Gauselmann, der ausdrücklich darauf hinweist, daß die Aussage über Gewinnspannen kein Zitat ist, begeg­net dem Reporter dennoch mit Nach­sicht: „Der junge Mann hat offenbar noch wenig Industrie-Erfahrung. Er hat die reinen Materialkosten allein dem Verkaufspreis gegenübergestellt und dabei die schwerstwiegenden Ko­stenfaktoren wie Löhne, Investitionen für Gebäude und Maschinen, Vertrieb und Entwicklung völlig außer acht ge­lassen."

Aber auch einige wörtliche Wieder­gaben in der mm-Reportage sind un­korrekt. Beispiel aus der Thematik Umrüstaktionen für hackergeschädig­te Discs: „Innerhalb von 14 Tagen ha­ben wir 31.000 Austauschprogramme auf dem Markt etabliert."

Paul Gauselmann zum Automaten Markt richtig: „Es waren 61.000, und das habe ich auch gesagt."

Oder: „In Gauselmanns Firmen­gruppe, die in den letzten fünf Jahren über 200 Millionen Mark investierte, liegt die Umsatzrendite bei fast zehn Prozent. Der Automatenkönig:'Besser als bei Daimler-Benz'."

Bekanntlich sind die Renditen bei Daimler Benz oder bei Nixdorf erheb­lich höher als in unserer Branche. Paul Gauselmann: „So habe ich es auch ge­sagt!"

Noch ein falsches Zitat gleich un­term Aufmacher-Foto. „Ich bin ein Goldgräber", läßt der Redakteur den Firmengruppenchef sagen. Damit be­zieht er sich auf eine Aussage am Schluß des Artikels und wird damit zum Opfer des Druckfehlerteufels. Der Widerspruch ist nämlich offensicht­lich, wenn es da einerseits heißt „Ich bin ein Goldgräber" und dann weiter „Dem Zufall überlasse ich nicht allzu­viel." Da wurde nur ein „K" vergessen: „Ich bin k e i n Goldgräber."

So kennen wir Paul Gauselmann. Er braucht nicht besonders hervorzuhe­ben, daß für ihn das Geld nur sekundär, aber auch wichtig ist. Daß er aber in er­ster Linie die Gesamtheit der Freizeit­industrie und darin eingebettet die münzbetätigten Spielgeräte, also unse­re Branche, im Auge hat, wollen wir ihm gerne abnehmen, jedoch mit der Einschränkung, daß er mit seinem Un­ternehmen aber auch maßgeblich dort mitschwimmen will - so Paul Gausel­mann.

Trotzdem hat er gegen die Uber­schrift „Paul im Glück" im manager magazin nichts einzuwenden: „Zu je­dem Erfolg gehört auch ein Quentchen Glück. Aber Glück hat nur der Tüchti­ge!"

Allergisch allerdings reagiert Paul Gauselmann auf die immer wieder auf­gewärmt reißerischen Angriffe von Kritikern, die ungeprüft und überzo­gen die Thematik der alten Spielver­ordnung aufwärmen. Der unzutreffen­de Vorwurf, die Branche hätte die Spielverordnung dadurch unterlaufen, indem sie durch Raumteiler mit drei Automaten eigenständige Spielhallen kreiert hätte, ist eine Unterstellung, ge­gen die sich Paul Gauselmann wehrt. „Das Bundesverwaltungsgerichthat im Oktober 1984 diese Praxis für zulässig erklärt mit der Feststellung, daß die Branche legal gehandelt hat..." Dies kommt im mm-Beitrag seines Erach­tens nicht deutlich genug zum Aus­druck. Aber auch Wirtschaftsredakteu­re müssen ihren Stoff lesegerecht ver­kaufen. Da paßt es nicht so knochen­trocken. Immerhin wird jedem deut­lich, daß es sich letztlich nicht um einen Trick der Branche gehandelt hat, son­dern um höchstrichterlich bestätigtes Recht: Paul Gauselmann ist heute stolz darauf, daß das von ihm 1975 bei Profes­sor Dr. Friedrich von Zezschwitz in Auftrag gegebene Gutachten die Grundlage dafür geschaffen hat.

Doch schmückt ihn der Reporter auch mit fremden Federn. Die schüt­telt er ebenso gern ab. Beispielsweise habe er nicht als erster „Geldspeicher in die Automaten" eingebaut, die „so­gar Fünfmarkstücke für 16 Partien hin­tereinander schlucken". Die Münzvor­lage sei bereits 1968 per Gerichtsurteil von den damaligen Herstellern ver­wirklicht worden. Damals habe er selbst an eine Eigenproduktion noch nicht gedacht.

Auch als Erfinder der Risiko-Taste will sich Paul Gauselmann nicht feiern lassen. Wohl als Erfinder der Risikolei­ter, wie sie heute allgemein branchen­üblich ist. Stolz holt er ein Dokument hervor, womit das bestätigt wird: Pa­tentschrift DE 2938207 C 3. Patent an­gemeldet am 21. September 1979, Ver­öffentlichungstag des geänderten Pa­tents: 09. Juli 1987. Paul Gauselmann: „So ein Verfahren dauert manchmal lange."

Es beunruhigt ihn nicht, daß der An­trag beispielsweise für den ebenfalls zum Patent angemeldeten Kartenwen­der in Spiel- und Unterhaltungsauto­maten noch läuft: „Wenn das kopiert wird, kassieren wir eben Lizenzgebüh­ren."

Bei allen Abstrichen, die auch er an der mm-Reportage macht, steht er da­zu ebenso positiv wie zur öffentlichen Darstellung im allgemeinen: „Wer in der öffentlichen Diskussion steht, muß sich auch mit kritischen Stimmen aus­einandersetzen. Würde unsere Bran­che die Öffentlichkeit scheuen, würden wir sehr schnell übergemangelt!"


Die Welt (1994):

Paul Gauselmann (59) aus Es­pelkamp in Ostwestfalen be­stätigt mit seiner Karriere ein­drucksvoll die Volksweisheit vom Klein­vieh, das auch Mist macht: Spielauto­maten, mit Groschen gefüttert, haben den Handwerkersohn mit Volksschul­abschluß und Abendschule in den Stand des Geldadels erhoben: Forbes rückte ihn in der Rangliste der rei­chen Deutschen auf Platz 200. Der Branchentycoon mit 3500 Mitarbeitern meldete 1993 dem Finanzamt einen Jahresumsatz von 917 Millionen Mark.

Wenn irgendwo zwischen Aurich und Altötting ein Automat blinkt und rattert, wenn Scheiben sich drehen und Flipperkugeln rollen - Paul Gau­selmann ist fast immer dabei. Euro­pas Marktführer, Dritter in der Welt, produziert pro Jahr 60 000 münzbetätig­te elektronische Spielgeräte - bisher insgesamt eine Million. 380 000 Appa­rate sind derzeit in Deutschland in Betrieb - in Gaststätten, Imbißbuden und 7000 Spielhallen. 170 000 Geräte, deren Betriebsdau­er gesetzlich auf vier Jahre begrenzt ist, gehören zur Kategorie der Daddel­kisten: Bei einem Höchsteinsatz von 40 Pfennig und vorgeschriebenen 15 Sekunden Laufzeit geben sie bis zu vier Mark je Spiel heraus; mindestens 60 Prozent Gewinnausschüttung sind vorgeschrieben. Sonderspielserien, in denen häufig vier Mark gewonnen werden, sind auf 150 Spiele begrenzt. 5200 Aufsteller bestücken den Markt mit Geräten. 25 Millionen Deutsche hatten schon Kontakt mit einem Spielautomaten, sieben Millionen haben in diesem Jahr versucht, an Automaten Geld zu gewinnen. Einer von hundert spielt länger als fünf Stunden pro Woche. Diese Dauerzocker sind das Problem der Branche, deren Image oft zwi­schen Halbwelt und Rotlicht angesie­delt wird: Die Hauptstelle gegen Suchtgefahren in Hamm schätzt, daß 25 000 bis 30 000 Menschen in Deutsch­land dem Reiz der Spielkästen verfal­len sind und zum Teil in ärztliche Be­handlung gehören. Hersteller Gausel­mann korrigiert diese Zahl: „Das In­stitut für Therapieforschung hat bei zehn repräsentativen Erhebungen von 1984 bis 1990 auch im Auftrag der Bundesregierung nur 8000 belastete Vielspieler ausgemacht." Er wehrt sich gegen die Nähe zu Dealern und Fuselverkäufern, nennt diese Süchti­gen, die glauben, sie hätten mit Aus­dauer und Geschicklichkeit eine Chance gegen die Computer-Pro­gramme, „pathologische, vorbelastete Spieler, die der Faszination erliegen". Ihretwegen unterbreche eine Auto­matik die Roboter der neuen Genera­tion nach einer Stunde ununterbro­chenen Spielens; zudem trage jede Maschine den unübersehbaren Hin­weis des Familienministeriums: „über­mäßiges Spielen ist keine Lösung bei persönlichen Problemen."

„Echte Probleme" plagten Gausel­mann, der sich 1981 beim Kauf des Konkurrenten und Flipper-Importeurs Nova finanziell beinahe verhoben hät­te, bisher nur einmal: 1992 rutschte der Gewinn seiner Firmengruppe, die zur Hochzeit 5100 Menschen Arbeit und Brot gab, „wegen der doppelten bis dreifachen" Mehrwert- und der drastisch angehobenen Vergnügungs­steuer für Geldspielgeräte in den ro­ten Bereich. Der Daddelkönig zog den Stecker aus der Buchse: Er reduzierte die Belegschaft, speckte seine alko­holfreien Merkur-Spielotheken auf 150 ab und erholte sich „auch dank des guten Auslandsgeschäfts, das Umsatzverluste im Inland ausglich".   Die Erfolgsgeschichte des Hobby­Tennisspielers, Lions-Club-Mitglieds, Bundesverdienstkreuzträgers und Vor­sitzenden des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie könnte aus ei­nem Lore-Roman sein: 1956, als das Kneipenpublikum noch mit Würfeln und Skat auskam, wechselte der ge­lernte Fernmeldetechniker Paul Gau­selmann mit 21 Jahren als Service­techniker in die Automatenbranche. Er erfand Wählscheiben, mit denen Gäste, ohne vom Tisch aufzustehen, Vico Torrianis Schmalz oder Elvis Presleys Rock aus der Musikbox holen konn­ten. Ein Jahr später machte der Tüft­ler sich selbständig, „mit 2000 Mark, 100 000 Mark quergeschriebener Wechsel und 20 Musikautomaten".

„Ich habe immer den Spielern zuge­schaut", verrät der Mann mit 200 Pa­tenten seinen Wegweiser nach oben.




Zum 60. Geburtstag von Paul Gauselmann 1994.

 

Ein Artikel aus dem Automatenmarkt 9/94:

Vieles ist Paul Gausehnann schon nachgesagt worden. Doch daß er faul sei, hat bisher noch niemand von ihm behauptet. Das be­sorgt Paul Gauselmann jetzt selbst in einem Gespräch mit dem AUTOMATEN MARKT Zum besseren Verständnis fügt er jedoch hinzu, daß zwei andere Eigenschaften in seiner Persönlich­keitsstruktur sehr ausgeprägt seien: Ehrgeiz und Verantwortungsgefühl! Und wenn sich Faulheit und Ehrgeiz im Widerstreit befinden, daß dann im allgemeinen der Ehrgeiz obsiegt.

So muß es schon in seiner Kindheit gewesen sein. Jedenfalls läßt sein Schulentlassungszeugnis vom 23. März 1950, das uns in die Hände fiel, einen ehrgeizigen Jungen erkennen. Nur Einser und Zweier. Dreizehnmal gut. Fünfmal sehr gut.

Damals war der Ehrgeiz vermutlich Antwort auf seine Kindheit, die er in aller Kürze als „ziemlich turbulent"beschreibt. Paul Gauselmann, gebo­ren am 26. August 1934 in Borghorst bei Münster, ist jüngster von fünf Söh­nen. Als er gerade zwei ist, stirbt die Mutter. Sein Vater, Heizer in einer Textilfabrik, schickt ihn zu seinem Bruder nach Münster, wo er die prä­genden Teile seiner Kindheit erlebt.

„Der Onkel war ein netter Kerl", er­zählt Paul Gausehnann. „Von der Tan­te möchte ich das auch heute noch nicht sagen. Sie konnte selbst keine Kin­der bekommen. Da mußte ich für sie der große Ersatz sein. Sie beschäftigte sich rund um die Uhr mit mir, hielt mich weitgehend von anderen fern."

Mit einem angeborenen Ta­lent, selbst unter negativsten Voraussetzungen noch etwas Positives zu entdecken, sieht er auch darin noch etwas Gutes: „Allerdings habe ich dabei sehr viel gelernt."   Auch seine Leidenschaft fürs Spie­len nimmt in diesen Kindheitsjahren ihren Anfang. Ausgerechnet in den entbehrungsreichen Kriegsjahren, als Spielzeug für Kinder überhaupt nicht zu haben war.  „Wir haben in dieser Zeit mehr gespielt als irgendwann sonst", erinnert sich Paul Gauselmann. „Was sollten wir denn anderes tun! Vor allem in den Nächten, wenn wir wegen Fliegeralarm nicht schlafen konn­ten. Da haben wir uns eben die Zeit mit Spielen vertrieben." Halma und Mensch Ärgere Dich Nicht wurden im Luft­schutzkeller gespielt. Bei Skat und Doppelkopf konnte er kiebitzen.

„Mit neun Jahren war ich ja noch zu jung für die harten Zockerspiele", so Paul Gauselmann rückblickend. „Aber ich habe aufmerksam zugeguckt. Mein vier Jahre älterer Bruder konnte schon fleißig mitdreschen. Manchmal bin ich neidisch gewesen. Denn ohne Geld ist beim Spielen kein Reiz da. Geld muß dabeisein!" Als die Bombenangriffe auf Münster immer heftiger wurden, war er 1943 ins Elternhaus zurückgekehrt. Das; ließ die Zerrissenheit seiner Kindheit'' nur noch deutlicher werden. Der On­kel hatte inzwischen voll Vaters Statt angenommen. Sein wirklicher Vater war nur noch „der andere Vater". Und gegenüber den älteren Brüdern, die in tiefster bäuerlicher Provinz lebten, fühlte er sich als Großstädter anders, als Außenseiter.

„Die haben versucht, aus mir, dem Stadtei, ein Landei zu machen", be­gründet Paul Gauselmann seinen frei­en Entschluß, sofort nach Kriegsende, 1945, zu den Pflegeeltern nach Mün­ster zurückzukehren. „Die zerbombte Stadt war prägend für mein Leben", weiß er heute. „Es beeindruckt mich, wie durch Improvi­sation und Organisation der Wieder­aufbau aus den Trümmern wuchs."Der Onkelvater, Schreinermeister am Stadttheater, will, daß aus Paul et­was Besonderes wird. Kunstschreiner schwebt ihm als Ausbildungsziel vor. ­ „Ich wußte zwar nicht, was das ist", schildert Paul Gauselmann seine Ein­stellung dazu. „Aber Kunstschreiner, das klang schon mal gut."

Doch dann kommt es anders. Sein Abschlußlehrer rät ihm zum zukunfts­trächtigen Beruf des Fernmeldemon­teurs. Er stellt auch eine Verbindung zum renommierten Unternehmen „Telefonbau und Normalzeit" her. Dort macht man dem Volksschulab­gänger allerdings keine Hoffnungen. Ohne Abitur, wenigstens aber Mittle­re Reife, werde er ohne Chance sein. Eine Demütigung für den jungen Paul Gauselmann. Er aber sieht es als Herausforderung. Sein Ehrgeiz wird angestachelt. In einer Aufnahmeprü­fung setzt er sich gegen sechs Mitbe­werber durch, wird als erster Volks­schulabgänger Lehrling bei T&N.„Mit seinem Fleiß, seiner Führung und seinen Leistungen waren wir sehr zufrieden und können ihm das Zeugnis eines sehr tüchtigen Fern­meldemonteurs ausstellen", wird ihm von der Firma im Lehrzeugnis be­scheinigt. „Wegen seiner guten Lei­stungen hat er 1953 eine halbjährige Sonderausbildung im Stammhaus Frankfurt erhalten." Wieder nur Einser und Zweier im Abschlußzeugnis der Berufsschule. Diesmal im Verhältnis eins zu eins. Ähnlich die Beurteilungen im Lehrbe­richtsheft: 1,2 oder 1,4. Auch mal „nur" eine 2. Dazu Paul Gauselmann: „Das war am Anfang, als mich der Ausbilder noch nicht so mochte."

 

Gauselmann_Paul2

 

Welches Ansehen der Lehrling Paul Gauselmann am Ende der Ausbil­dung genießt, dokumentiert eine Post­karte, die der Frankfurter Ingenieur Paul Hedderich als Mitglied des Prü­fungsausschusses am 20. Oktober 1953 an ihn schrieb. Daraus wörtlich: „Im Namen der Herren des Fernmeldeprüfungsaus­schusses und des Direktors unserer Berufsschule frage ich nun an, ob Sie gewillt sind, Ihr als „sehr gut" beurteiltes Werksberichtsbuch dem Ausschuß und der Schule als vor­bildliches Muster zu überlassen. Ich hoffe, daß Sie im Interesse der nachfolgenden Fernmelder dieses Opfer bringen, zumal wir in den Nachkriegsjahren einen derartigen Fleiß und Sorgfalt noch nicht vorge­funden haben." Paul Gauselmann ist nur zu einem Kompromiß bereit. Für fünf Jahre überläßt er den Prüfern das gebunde­ne, aus 180 Wochenberichten beste­hende Buch. Ganz will er es nicht aus der Hand geben und blättert heute noch gelegentlich darin, um sowohl den eigenen als auch fremden Nach­wuchs anzustacheln.

Seine jungen Jahre sind nicht allein von Erfolgserlebnissen und Harmonie gezeichnet. So ist sein Abgang von T&N 1956 sehr abrupt. Als 21jährigen habe man ihn zum Vorgesetzten von zwei älteren Technikern gemacht und überfordert. Dann, 1956, Einstieg in die Automatenbranche bei Thesing in Coesfeld.„Mit einem Arbeitstag von 16 Stun­den und mehr", meint er schaudernd. „Das war für mich nicht das Richtige!". Auf den Einwand, daß er heute als Unternehmensgruppenchef oft sicher nicht weniger arbeite: „Das ist was an­deres. Diese Arbeit sehe ich mehr als Hobby an."

Ähnlich zieht er sich schon 1956 aus der Affäre. Trotz übermäßig langer Arbeitstage findet Paul Gausehnann noch Zeit für sein Hobby, das Tüfteln. Er entwickelt eine Fernwahlbox für Musikboxen auf Basis der Fernmelde­technik. Als er diese Erfindung dem technischen Direktor von Harting, Dr. Wilhelm Foelkel, vorstellt, findet der mehr Gefallen an dem Mann als an seinem Produkt. Von heute auf mor­gen stellt er ihn im Unternehmen ein. Im Labor für Automatenentwick­lung steigt er schnell zur Führungs­kraft auf, wird Leiter der Entwick­lungsabteilung. Nebenher baut er eine eigene Aufstellung auf. Zusammen mit seinem Bruder Willi. 1962 steigt auch Bruder Eugen ein. Auf dem Höhepunkt werden tausend Aufstell­plätze bedient.Dann stirbt 1962 der Seniorchef von Harting. Es ergeben sich Kontrover­sen. Paul Gauselmann will nicht ak­zeptieren, daß jetzt ein Zwischen­mann eingeschaltet werden soll. Man kommt zu einem Agreement. Der Neue verspricht ihm, seine Abteilung nie zu betreten. Er hält sich auch daran. Trotzdem zieht es Paul Gauselmann 1964 vor, sich voll auf das eigene Unter­nehmen zu konzentrieren, das mittler­weile bereits 15 Mitarbeiter zählt. Selbständig freie Entscheidungen zu treffen, hat Gauselmann auch in sei­nem Privatleben praktiziert. Als Zwanzigjähriger heiratet er ein Jahr vor Erreichen der Volljährigkeit, da­mals mit 21. Der Vater verweigert das Einverständnis. Vor Gericht erkämpft Paul seine vorgezogene Volljährigkeit.

Viele Hürden, die sich ihm auf dem Weg nach oben stellen, nimmt er mit scheinbarer Eleganz. Als er seinen Aufstellbetrieb um einen Großhandel erweitert, wird ihm vom damaligen Marktführer NSM/Löwen die Beliefe­rung verweigert. Mitgliedschaft im Deutschen Automaten-Großhandels­Verband (DAGV) wird zur Bedingung gemacht. Doch um aufgenommen zu werden, müssen eine Million Umsatz und entsprechender Warenbestand nachgewiesen werden. Wie soll das ohne Belieferung gehen? Günter Wulff, selbst Techniker wie Gauselmann, löst den Teufelskreis. Mit Geräten aus Berlin kann er die nötige Umsatzmillion erzielen, die ihm den Weg zur DAGV Mitglied­schaft freimacht. Da beginnt man auch in Bingen, sich für den heran­wachsenden Großkunden im Ostwest­fälischen zu interessieren.

Gauselmann_Paul3Ein andermal ist es umgekehrt. Da werden ihm aus Berlin Steine in den Weg gelegt.„Das war, als Wulff 1972 seinen Monarch herausbrachte. Ein Gerät mit vielen neuen Raffinessen für den Spieler", erzählt Paul Gauselmann. „Da war ich dumm genug, mich als Vorsitzender des Deutschen Automa­ten-Verbandes, DAV, und Vizepräsi­dent der Zentralorganisation, ZOA, von Gert W Schulze dazu hinreißen zu lassen, offen gegen dieses Gerät zu op­ponieren. Wegen Übersteigerung der Spielleidenschaft werde es die Öffent­lichkeit gegen uns aufwühlen. In Wirklichkeit, das wußte ich aber da­mals nicht, hatte Schulzes NSM nichts Gleichwertiges kurzfristig zu bieten." Prompt kommt die Quittung aus Berlin. Wenn er den Monarch so schlecht finde, brauche er auch keinen zu kaufen, läßt ihn Harro Koebke wis­sen, seinerzeit Geschäftsführer von Wulff. Liefersperre! Es dauert Wo­chen, bis wiedermal Günter Wulff selbst den Knoten zerschlägt.„Die Sache war gutgegangen", zieht Paul Gauselmann eine wichtige Kon­sequenz aus diesem Schlüsselerlebnis. „Aber ich nahm mir fest vor, daß mir so was nie wieder passieren dürfe."

Also entschließt er sich, selbst Gerä­te zu produzieren. Vier Jahre lang in aller Stille entwickelt er seinen ersten Merkur, der den zweiten Buchstaben des Alphabets trägt: Merkur B. Bei der Zulassungsbehörde, der Phy­sikalisch Technischen Bundesanstalt, PTB, begegnet man ihm mit einem mit­leidigen Lächeln. Er solle es sich nur nicht so einfach vorstellen. Abermals wird, wie damals bei der Aufnahme­prüfung für eine Lehrstelle, dadurch sein Ehrgeiz entfacht. Jetzt erst recht! Um ein Haar wäre es trotzdem schiefgegangen. Als er mit einem VW Kombi den Prototyp zum Dauertest nach Berlin transportieren will, wird er durch einen Verkehrsunfall ge­stoppt. Totalschaden! Gott sei Dank war das Gerät unbeschädigt. Mit ei­nem Taxi wird die Fahrt nach Berlin fortgesetzt. Geschafft! Weihnachten 1976 kommt die PTB­Zulassung für sein erstes Geldspiel­gerät. Für Paul Gauselmann im Rück­blick der schönste Moment seiner bis­her 60 Lebensjahre. Obwohl anfangs technisch noch unausgereift, reißt man sich 1977 in der Branche um sei­ne Merkur-Geräte. Wegen der ausge­prägten Spielfreude.

50 Prozent Marktanteil werden als Regel ab Mitte der achtziger Jahre er­reicht, zeitweise sogar überschritten. Ermuntert durch den Erfolg seiner Geräte und der Merkur Spielotheken, kauft er 1980 das größte Importhaus Europas für münzbetätigte Geräte, die Hamburger Nova.   Die Unternehmensgruppe Gausel­mann ist Marktführer. Das Magazin Forbes reiht Paul Gauselmann 1990 unter den 400 reichsten Deutschen ein. Ob er damit jemals gerechnet ha­be, möchten wir wissen.

Paul Gauselmann: „Anfangs war ich zufrieden, daß ich mithalten konnte. Dann kam 1974 der Moment, wo ich erkannte, daß sich vieles besser ma­chen ließe. Ich beschloß, es zu tun und sagte eines Abends zu meiner Frau, daß ich, wenn alles gut geht, glaube, daß ich mit meinen Ideen in der Spie­lothek und besonders bei der Entwick­lung und Produktion von Geldspiel­geräten wohl sehr bald die Marktspit­ze erreichen könnte. Da sagte meine Frau nur au weia, au weia!"

Paul Gauselmann hat sein Ziel er­reicht. Nicht nur als Marktführer ist seine Stellung unangefochten. Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der deutschen Automaten-Industrie, VDAI, ist anerkannter Branchenfüh­rer. Weshalb dieses Engagement?   Gauselmann: „Ich habe große Ver­antwortung übernommen, der ich nicht ausweichen kann und will. Mir ist schon sehr früh im Elternhaus Ver­antwortungsbewußtsein vorgelebt wor­den. Schließlich bin ich es maßgeblich gewesen, der unter anderem mit den Merkur Spielotheken und mit der Ri­sikoleiter ein Feuer entfacht und die Branche mit zu ihrer heutigen Bedeu­tung, aber auch zwischendurch auf die Anklagebank geführt habe. Daraus ent­stehen immer aufs neue Probleme, die zu lösen ich mich verpflichtet fühle." Dem AUTOMATEN MARKT verrät er sein Geheimnis, wie von ihm Pro­blemlösungen herbeigeführt werden „Manchmal scheinen mich die Proble­me zu überwältigen. Dann verdränge ich sie, hole sie Stück für Stück wieder hervor und löse sie scheibchenweise."

 


Aktuelle Fotos. Quelle: Presseportal Gauselmann

 


Zum 75. Geburtstag von Paul Gauselmann 2009

aus dem Westfalen-Blatt am 25.8.09

Erfinder der Merkur-Casinos
Deutschlands Automaten-Urgestein Paul Gauselmann wird 75 Jahre
E s p e l k a m p (WB/ef). Er ist einer der bedeutendsten deutschen Automatenunternehmer überhaupt - Paul Gauselmann, der Firmengründer und Vorstandssprecher der Espelkamper Gauselmann-Gruppe, wird morgen 75 Jahre alt.


Seine Karriere ist beispielhaft: Vom nebenberuflichen Ein-MannBetrieb, der Musikboxen aufstellte, schaffte es Paul Gauselmann in fünf Jahrzehnten zum Konzernlenker mit mehr. als 5 000 Mitarbeitern und mit mehr als einer Milliarde Euro Jahresumsatz und »zufriedenstellendem« Ertrag.

Auch in der Wirtschaftskrise investiert Paul Gauselmann stetig in sein Unternehmen. Gesamtinvestitionen von über hundert Millionen Euro wird der Unternehmer allein in diesem Jahr insbesondere in Deutschland tätigen.

Paul Gauselmann wurde am 26. August 1934 als Sohn eines Handwerkers geboren. Er wuchs in Münster auf. Seine Jugend war geprägt vom 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Schon damals stand für ihn fest: »Ich wollte im Leben mehr erreichen als Normalmaß«. 1950 begann er eine Ausbildung zum Fernmelderevisor bei Telefonbau und Normalzeit (T+N). Mit 21 Jahren übernahm er als jüngster Revisor von T+N einen eigenen Bezirk in Lengerich. In dieser Position hatte er bereits Personalverantwortung für zwei Monteure, einen eigenen VW und ein Einkommen von 370 Mark. Ein Angebot einer Automatenfirma mit einem monatlichen Verdienst von, 600 Mark veranlasste Paul Gauselmann - inzwischen verheiratet und Vater zweier Söhne - 1956 zum Generalimporteur für amerikanische Wurlitzer-Musikboxen nach Coesfeld zu wechseln. In seiner Freizeit entwickelte er eine Fernwahlbox für deutsche Musikboxen, die es bis dahin nur bei amerikanischen Musikboxen gab. Im November 1956 präsentierte er seine Erfindung einem Espelkamper Musikautomatenhersteller und begeisterte damit den technischen Leiter der Firma, der ihn kurzerhand einstellte.

Die Fernwahlbox war die erste Erfindung und das erste Patent von Paul Gauselmann, auf das noch mehrere hundert weitere Patente bis heute folgen sollten.

Seit 1957 arbeitete er nebenberuflich als selbstständiger Musikautomatenaufsteller. Mit 17 Musikboxen und 100 000 Mark begann seine unternehmerische Erfolgsgeschichte, in die später auch seine Brüder Willi und Eugen einstiegen. 1964 wagte er mit 15 Angestellten die Selbstständigkeit. Im Mittelpunkt stand zunächst der Umbau gebrauchter US-Musikboxen in ein neues Gehäuse. Der Durchbruch gelang ihm mit der Erfindung der »Merkur-Spielothek«. Das erste Casino eröffnete er 1974 in Delmenhorst. Heute betreibt Gauselmann 200 »Merkur-Casions« in Deutschland sowie weitere 150 im europäischen Ausland. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Gauselmann im Gespür zu wissen, wo die Vorlieben der Spieler liegen. »Ich habe immer versucht, den Spielern ins Herz zu schauen.«

Paul Gauselmann ist gesellschaftlich engagiert. Zu seinem 65. Geburtstag gründete er seine Stiftung mit heute drei Millionen Euro Grundkapital. Gauselmann ist Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Zu seinem 75. Geburtstag stiftet er der Stadt Espelkamp, dem Firmensitz des Konzerns, einen Stadtbrunnen.