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Automaten sammeln

Wenn alle den gleichen Tick hätten und alte Automaten sammelten, wäre das doch echt scheußlich.

- Zum einen würden die Preise für'n ollen NSM Exquisit Royal (jeder setze hier seine Lieblingskiste ein, die zu ihrer Zeit ein Standardmodell war, und die bei ebay immer für höchstens 'n Zehner zu haben ist, weil sie keine "attraktiven Spielfeatures" wie Risiko und Ausspielungen bietet und nur mit großer Mühe auf Euronen umstellbar ist) unbezahlbar.

- Zum andern würde wohl kaum noch jemand an den neuen Geräten spielen wollen, statt dessen bildeten sich wahrscheinlich viele kleine private Spielzirkel von Sammlern, die sich vom Blinken und Tröten der neuen Geräte nicht so leicht blenden ließen, sondern mehr auf interessantes Spiel und fühlbare Gewinnmöglichkeit achten würden.

 

Man stelle sich mal vor, wie scheußlich das wäre! Da gäb's gar kein wirtschaftliches Wachstum mehr, dessen Grundlage im Zockgeschäft auf folgenden (leider sehr stabilen) Pfeilern ruht:

- Die Erfindung des Risikospiels, die dem Spieler die Illuision gibt, dass jeder Kleingewinn eine potenzielle Großserie werden kann - so dass auch die immer spärlicheren kleinen Gewinne durch's Riskieren in Nieten verwandelt werden.

- Die Erfindung der Ausspielung, die dem Spieler die Illusion gibt, dass auch eine relativ häufige Kombination eine potenzielle Großserie bringen kann - so dass der falsche Eindruck entsteht, dass immer "etwas möglich ist".

- Die Erfindung des schnelleren Spieles (12 Sekunden, 5 Sekunden), das natürlich zu "schnelleren Gewinnen" führt - fragt sich nur, für wen.

- Die Erfindung der Mikroprozessersteuerung für GSG, die eine Ungleichverteilung der Kombinationen ermöglicht und damit dem Spieler einen völlig falschen Eindruck davon gibt, wie das Spielverhalten eines Automaten sein wird.

- Die Erfindung unterschiedlicher, vom Aufsteller einstellbarer Spielsysteme und Auszahlquoten, die den optischen Eindruck weiterhin betrügt. Eine Erfahrung, die an einem bestimmten Modell eines GSG gesammelt wurde, kann für das gleiche Modell mit anders eingestelltem Spielsystem komplett wertlos sein.

Gab's sonst noch was? Ich glaube nicht. Gab's vielleicht irgendwelche neuen Spielideen? Na ja, vereinzelt (ADP Grand Hand, ADP Kreuz As, ADP Kniffi), aber nur in Nischen. Das "Wachstum" der gesamten Branche beruht in den letzten zwanzig Jahren nur noch auf dem *~**~**~**~**~**~* des Spielers - und leider wird gezockt und gezockt und gezockt. Das ist die "Innovationskraft" der deutschen Wirtschaft.

Wie würde eine bundesdeutsche P'litik der Jetztzeit, die ihre Aufgabe nur darin sieht, die feuchten Träume der Wirtschaftsvertreter in Lach- und Sachp'litik umzusetzen, wohl darauf reagieren, wenn zu viel gesammelt und zu wenig an aktuellen Abzockmaschinen gespielt würde? Wahrscheinlich würden die Sammler über kurz oder lang pauschal kriminalisiert, so wie man's momentan auch mit Nutzern von Tauschbörsen versucht. (Siehe hierzu als Randbemerkung auch meinen Text "Die Enteignung des Computers".) Wie sehr die P'litik in wirtschaftliche Interessen verstrickt und von geldherrschaftlichen Größen der Jetztzeit gesteuert ist, kann man schon recht gut daran sehen, dass die neue Spielverordnung eine sehr einseitige Zielrichtung hat und nur die Interessen der Zockwirtschaft vertritt. Man könnte denken, Paul G**selmann saß persönlich im Ausschuss (irgendwie hat das Wort Ausschuss doch eine sehr reizvolle Doppelbedeutung), der diesen Text zur Absegnung durch die gefügigen Parlamentarier zusammenschrieb.

Und was würde eine P'litik tun, die sich mehr dem Ausgleich der gesellschaftlichen Kräfte verpflichtet sähe, wenn sie eine Spielverordnung für die neuen technischen Möglichkeiten hervorbringen sollte? Ich träume mal ein bisschen von einem Parlament, dessen Vertreter dem Wohl des ganzen Volkes und ansonsten nur ihrem Gewissen verpflichtet wären und schlage die folgenden Punkte vor:

- Die Auszahlquote jedes Gerätes muss unmissverständlich und deutlich sichtbar als Prozentzahl angegeben werden. Bei Geräten mit einstellbarem Spielsystem muss technisch sicher gestellt werden, dass diese Anzeige das aktuell eingestellte System widerspiegelt.

- Alle erzielbaren Kombinationen müssen mit gleicher Häufigkeit erzielbar sein, damit schon durch den optischen Eindruck der Umlaufkörper ein zutreffendes Bild des Spielverhaltens entsteht. (Menschen sind schließlich "Augentiere", die in erster Linie glauben, was sie sehen.) Zur Beeinflussung der Auszahlquote bleiben genügend Spielfeatures (vor allem Ausspielungen, aber auch eventuelle Bonusspiele) übrig.

- Die minimale Auszahlquote liegt bei 85 Prozent.(Die meisten einarmigen Banditen zahlen zwischen 90 und 96 Prozent der Einsätze aus, und es ist mir nicht bekannt, dass die Aufsteller dieser Maschinen verarmen würden - ganz im Gegenteil. 85 Prozent wäre eher ein Zugeständnis an das Gastrogewerbe mit seinem geringeren Umsatz durch Laufkundschaft. Da die Quote im Klartext angezeigt wird, kann jeder Spieler entscheiden, zu welcher Quote er ein Gerät nicht mehr spielen will.)

- Alle Versuche, mit bestimmten Spielsystemen (etwa durch Umbuchung des Geldes auf einen Punktezähler) den maximalen Einsatz pro Spiel zu umgehen, sind verboten. Ebenso sind alle Versuche verboten, durch das Spielsystem einen Einsatz auf kürzere und schnellere "Teilspiele" zu verteilen.

- Letzteres gilt auch für die so genannten "Risikospiele", die für jeden Schritt ein kurzes Spiel sind, bei dem ein teilweise sehr hoher Betrag (etwa eine Serie) gesetzt werden kann. Alle Formen des Risikospieles sind nicht mehr zulässig.

- Eine Umgehung der Vorschriften durch Manipulation zugelassener Spielgeräte (etwa, um die Prozentanzeige zu verdecken oder zu manipulieren) ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern *~**~**~**~**~**~* (der Name dieser Straftat wird hier leider zensiert, aber es heißt nun mal B-E-T-R-U-G, was da im StGB steht). Die Verfolgung obliegt der Staatsanwaltschaft, die rechtskräftige Verurteilung führt zu einer Vorstrafe mit allen damit verbundene Konsequenzen. (Das war's mit der Konzession! Und neunzig Tagessätze kommen noch mal drauf!)

- Die für ein GSG verwendete Software ist in vollem Umfang mitsamt der gesamten für das Verständnis erforderlichen technischen Dokumentation veröffentlichungspflichtig und jedem interessierten Menschen gegen die reinen Kopierkosten gedruckt oder in maschinenlesbarer Form zur Verfügung zu stellen. Nur so kann man sicher stellen, dass jeder technisch versierte Spieler die Einhaltung der Verordnung überprüfen kann und sich selbst ein Bild über das Bemühen des Herstellers machen kann, ein interessantes Spiel zu ermöglichen. Das Urheberrecht bleibt davon natürlich unberührt, aber wer das umgehen will, kann jetzt schon einfach ein ROM auslesen.

Mit solchen Regelungen würde das Spiel wieder ein Spiel und nicht ein großer Beschiss zu einseitigen Lasten des Spielers - vielleicht würde mich das sogar mal wieder dazu bringen, 'nen Zehner in eine Mühle zu stecken. Aber genug geträumt: Wie der p'litische Wille in Wirklichkeit aussieht, kann man bequem der neuen Spielverordnung entnehmen. (Ich habe gerade keinen Link zur Hand, tut mir Leid.)