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Nachlaufen

Zum Thema des Nachlaufens muss ich immer an die alten Nova-Geräte (die mit den Doppelscheiben an der Seite, aber nur die ersten) denken - an keiner anderen Kiste wurde es jemals wieder so deutlich, dass das Spielergebnis in einem sehr frühen Zeitpunkt des Spieles bereits feststeht. (Obwohl sich die diversen Multi-Geräte bei der Mittelwalze sehr darum bemüht haben, ähnlich lange nachzulaufen...)

Wenn man ein Verlustspiel oder ein Spiel mit einem Kleingewinn vor sich hatte, geschah das Stoppen nach einem Druck auf die Stopp-Taste sehr schnell. Die Doppelscheibe hielt mit einer Verzögerung von einer gefühlten Fünftelsekunde an, und nach einiger Erfahrung war mir klar, dass dieses Spiel keinen nennenswerten Gewinn bringen wird.

 

Ganz anders hingegen, wenn man eine Serienausspielung vor sich hatte - da wurde die Verzögerung schon etwas merklicher, vor allem, wenn der Nova-Stern der größeren Teilscheibe gestellt werden sollte. Und wenn gar beide Sterne auf der rechten Doppelscheibe gestellt werden sollten, dann konnte sich das Stoppen nach dem Druck auf die Stopp-Taste sehr lange hinziehen - manchmal gefühlte anderthalb Sekunden lang. So wusste ich meistens schon kurz nach dem Druck auf die Stopp-Taste, dass gleich etwas "nennenswertes" kommt und verblüffte in meiner damaligen Stammkneipe auch immer wieder Menschen mit dieser "Hellsichtigkeit". (Mir hätte eine Fähigkeit, die mich mehr gewinnen lässt, viel besser gefallen.)

Die andere Seite dieser Hellsichtigkeit war aber, dass mir (und wohl auch jedem anderen wachen, fühlenden und denkenden Menschen) klar wurde, dass dieses Spiel keinerlei beeinflussbares Element mehr enthielt. Das man auf eine Stopp-Taste drücken konnte, war ein reines Element der Verarschung - und mutmaßlich hat auch der Nachstart das Spielergebnis nicht verändert (wenn auch vielleicht die ausgespielte Kombination). Ebenso waren die Spielscheiben nicht mehr eine mechanische Gerätschaft zum Ausspielen einer Kombination, sondern nur noch ein zwar aufwändig gebautes, aber doch tumbes Anzeigegerät, das man genausogut durch 7-Segment-Anzeigen hätte ersetzen können. Und weil ich keine Lust mehr hatte, mich so verar***en zu lassen, habe ich mir damals auch das Spielen an diesen Geräten immer mehr abgewöhnt - was viele meiner Mitmenschen recht erstaunlich fanden, da ich doch vorher so viel Geld in den Schlitz versenken konnte. (Der zweite Grund, weshalb es mir so leicht fiel, nicht mehr zu zocken, war die zunehmende Zentrierung des gesamten Spielablaufes um das einzige Feature der Risikoleiste.)

Manchmal kommt es eben doch auf das Gefühl an. (Vor allem bei so irrationalen Dingen wie dem Glücksspiel an entsprechenden Geräten.)

Dass es auch anders ging (und wohl auch noch ginge, wäre da nicht die neue SpVO mit ihrem impliziten Ausschluss zufälliger Spielverläufe), belegt etwa die rote Crown von Bergmann (und sicher auch die beiden Vorgänger Reno und Super-Chance, vielleicht auch noch manches Nachfolgegerät noch). Diese Kiste glänzte nicht nur durch eine "moderne" Risikoleiste und einen "tollen" elektronischen Sound, sondern auch mit dem Aufbau ihrer Scheibeneinheit. Die Scheiben wurden noch nicht über Schrittmotoren angetrieben, sondern auf geradezu klassische Weise mit Hilfe eines leistungsstarken Motors und Riemen. Die Elektronik bildete offenbar im Programm diejenigen Methoden der Zufallserzeugung nach, die zuvor elektromechanisch realisiert wurden; und die Scheiben waren wirklicher Bestandteil der Ausspielung einer Kombination und nicht nur ein Anzeigegerät. Warum man nicht dabei geblieben ist? Wohl, weil sich auf diese Weise nicht so einfach die völlige Verar***ung des Spielers mit Hilfe moderner Features (zum Beispiel die Ungleichverteilung der Stellungen zur Täuschung des Augenscheins) durchführen lässt. Es ist mir übrigens nicht bekannt, dass die rote Crown wegen dieses Aufbaus besonders anfällig für manipulatives Spiel gewesen wäre - solche Probleme traten eher bei den ersten Geräten mit Schrittmotoren auf.