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Casino des kleinen Mannes?

Bei einer weitgehenden Angleichung der "gewöhnlichen" GSG an den schnellen teuren Zock, der eigentlich den Spielbanken vorbehalten bleiben sollte, ist durchaus mit einer Abwanderung umsatzträchtiger Spieler in die staatlichen Etablissments zu rechnen. Die gegenwärtige Entwicklung ist nicht gut. Sie ist nicht gut für jene Menschen, die im "kleinen" Glücksspiel neben dem reinen Zock auch noch ein spielerisches Element erwarten. Und sie wird letztlich auch für Gauselmann und andere Größen des Aufstellergewerbes nicht gut werden, da "richtige Zocker" schon bei Vorliegen minimaler persönlicher Intelligenz immer weniger in "die Hallen mit den miesen Quoten" gehen werden. Die Hemmschwelle beim Besuch der Automaten-Dependance eines Spielcasinos wurde in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt, die Räumlichkeiten treten dabei immer deutlicher in die Stadtzentren und damit in den normalen Verkehr der Menschen, und nun kommt auch noch eine gewisse Konvergenz der Einfältigkeit der Spielsysteme, der Einsatzhöhen, der erzielbaren Gewinnsummen und der Geschwindigkeit des Spieles hinzu - in diesem Kontext ist die heutige langsame Umbuchung von irgendwelchen Punkten zu Geld aus der Sicht des stumpfen Zockers nur eine lästige, zeitraubende Schikane.

 

Dass der Betrieb einer Spielstätte mit Kosten verbunden ist, das ist mir völlig bewusst. (Ich habe mal darüber nachgedacht und musste diesen Gedanken "mangels Masse" verwerfen.) Dass diese Kosten eingespielt werden müssen, ist auch klar. Und dass der Betreiber einer Halle auch von etwas leben muss (und dabei natürlich nicht nur "vegetieren" möchte, sondern auch ein paar "höhere" Bedürfnisse als den Bauch hat) und deshalb die Halle nicht nur aus reiner Freude aufmacht, ist ebenfalls klar. Aber wenn ich so an die mitgeteilten "Denkleistungen" so vieler Spielhallengäste aus der Spätzeit meines "aktiven Zockens" denke, denn glaube ich, dass ich damit auch heute noch einer Minderheit angehöre. Oder hat sich das in letzter Zeit etwa gebessert?

Wir hatten damals - lang lang ists her - kleine Spielhallen, in denen man sich untereinander kannte und in denen auch so manches lief, was eigentlich nicht hätte laufen dürfen, aber wo kein Kläger ist... Das war ein wirklicher Mehrwert gegenüber dem letztlich anonymen, schnellen Zock an den Rouletteautomaten und Slotmaschinen der Casinos. Dieser menschliche Zustand spiegelt aus meiner Sicht auch den Zustand der damaligen Spielsysteme wider, die einfach "behäbiger" waren. Zu dieser "Behäbigkeit" gehörte übrigens auch die Seltenheit von Großgewinnen und die gelegentliche Förderung längerfristig angelegten Spieles durch Jackpotleisten (NSM) oder Bonusleitern (diverse Hersteller). Schon mit der Zerstörung aller anderen Spielelemente unter dem alleinigen Diktat der Risikoleisten verschwand vieles von dieser früheren Kultur der Spielhallen, und viele kleinere Hallen folgten nach einigen Monaten oder Jahren; sie mussten aufgegeben werden. Was am Ende verblieb, das waren die großen, innerstädtischen Zockbetriebe, die schon so anonym und funktionell wie ein Casino waren und es immer noch sind. Das kleine Sönnchen, das so charakteristisch für diese zentral gelegenen "Fließbandzocken" war und ist, es wurde alles andere als ein Symbol des Lichts und der Wärme.

Aber selbst in der Zeit, die mir heute wie eine "goldene" vorkommt, gab es schon richtige Idioten - von den geistverneinenden Gestalten in den damals aufblühenden großen Hallen will ich gar nicht erst sprechen. Das waren diese Menschen, die gar keinen Einschlag mehr bemerkten. Diese schienen zu glauben, dass der einzige Zweck einer Spielhalle darin bestand, ihnen Geld in die Taschen zu spülen; ihr Verhalten war unbeherrscht, unfreundlich, ungesprächig, humorlos, zornig, asozial. Wenn es mich heute in eine Spielhalle treibt - es gibt ja doch noch ein paar kleinere (aber keine "kleinen" mehr), und oft frage ich mich, wovon die eigentlich existieren -, um einen Blick auf die neuen Automaten und Spielsysteme zu werfen, denn sehe ich beinahe nur noch dieses Publikum. (Nein, das sind nicht nur "Menschen mit Migrationshintergrund", da sind auch richtige "Ureinwohner" dabei.) Die modernen Kisten mit ihrem schnellen, lauten und teuren Zock, die alle Aufmerksamkeit des Spielers wie in einem Schwamm aufsaugen und sicherlich einen guten Adrenalinrausch auslösen, sie sind geradezu ideal für diese Menschen.

Das sind ideale Kandidaten für die "Abwanderung" zu den Slotmaschinen. An den schnellen Zock und die unpersönlichen Rahmenbedingungen sind sie ja schon gewöhnt worden. Es ist, wie ich schon sagte, keine gute Entwicklung - aber sie hat auch nicht erst gestern begonnen, und fast alle haben sie mehr oder minder mitgemacht. Am Ende dieser Entwicklung werden Spielhallen kaum noch wirtschaftlich zu betreiben sein. Angesichts der leeren Länderkassen ist es für mich jetzt schon absehbar, dass immer mehr staatliche Automatensäle eröffnen werden, wo immer dies ausreichenden Gewinn verspricht und gerade eben noch durchführbar ist - so wird das Geld nicht mehr über die Vergnügungssteuer (als wenn das Zocken an den heutigen quicken Brüllcomputern ein "Vergnügen" wäre) und die Märchensteuer in die Landeskassen gespült, sondern es gehen direkt die Einnahmen der staatlichen Spielstätten dort hinein. Ein warmer zusätzlicher Geldregen, der gewiss in so manches völlig sinnfreie Prestigeprojekt eines durchgeknallten Ministerpräsidenten (na, wem fällt hier keiner ein?) fließen wird - von dem die Menschen übrigens in aller Regel auch nichts haben.

So sehr die neue Spielverordnung auch scheinbar die Handschrift eines Herrn Gauselmann trägt, so sehr ist damit auch der langsame Untergang des Gauselmann-Imperiums in der BRD begründet worden - mal schauen, wann es auch dort bemerkt wird. Mit dem Imperium meine ich natürlich das Spielstätten-Imperium, die Produktion kann sicherlich mit Leichtigkeit auf waschechte Casinogeräte umgestellt werden, an denen ja nach wie vor Bedarf bestehen wird, vielleicht sogar steigender Bedarf.

So, um wieder zum Topic zu kommen. (Ich sagte doch, es ist "nicht wirklich" offtopic.)

So etwas wie ein Schild "Defekt" an einer Kiste, die einfach mal "einen Lauf" hat, hätte es in den Zeiten, in denen ich noch aktiv zockte, niemals gegeben. (Es gab aber auch nicht solche Werfphasen wie an heutigen Schleudern.) Man kannte sich untereinander, und wer eine Spielhalle betrieb, der wusste zu genau, dass jeder große Gewinn eines Spielers irgendwann zurückkommt. Kundenbindung ist eben für alle von Vorteil. Deshalb wurde auch alles für die Kundenbindung getan. "Meine Zocke" (ja, so persönlich war das damals wirklich) war in der Regel der einzige Ort, an dem mir jemand eine Kleinigkeit zum Geburtstag schenkte. Es gab zu jener Zeit nicht einmal kleinere Defekte an den Kisten, sogar eine kaputte Glühlampe wurde nach Möglichkeit sofort ausgewechselt.

Was für Zeiten!

Und was habe ich VERZOCKT!

(Und wie wenig Lust ich heute doch dazu verspüre...)