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Was braucht der Zocker?

Fast jeder "Goldserieaner" sollte doch wissen, wie das mit dem Zocken ist. Der Zocker braucht kein "interessantes" Spiel, er braucht nur eine (und sei es nur eine psychologisch begründete) Gewinnaussicht. Wenn das Spiel dabei den Reiz einer Kette zum Start der Klospülung hat, ist das für den Erfolg des Spieles egal.

Was sind die erfolgreichsten Glücksspiele in den internationalen Spielcasinos. Das ist zum einen Roulette, mit einem Regelwerk und einem Spielgeschehen, das von einem aufgeweckten Sechsjährigen vollständig verstanden werden kann. Das ist zum anderen Baccarat, ein gutes Spiel für jeden, der beim 17 und 4 die Regeln zu komplex findet. Und wo wir schon bei 17 und 4 sind: Das ist auch noch Black Jack. Alles keine komplizierten Spiele, aber genau das richtige für den schnellen Zock.

 

Und wo ich schon von Casinos rede: Die konventionelle Slotmaschine ist vom Spielerischen her wahrscheinlich die ödeste denkbare Form des Automatenspieles, aber dennoch bis heute erfolgreich und bei vielen Spielern beliebt. Das liegt nicht am besonderen Spielspaß beim Einwerfen und Hebelziehen, sondern an der guten Mischung aus kleinen und mittleren Gewinnen und an der fühlbar hohen Auszahlquote.

Und was ist das erfolgreichste und meistgezockte Glücksspiel in der Bundesrepublik. Mit Sicherheit das Zahlenlotto 6 aus 49. Spätere Generationen werden es vielleicht einmal sehr unverständlich finden, dass eine Fernsehsendung Einschaltquoten von 20 Prozent hat, obwohl sie nur die mechanische Erzeugung einiger Zufallszahlen zeigt. Das übertragene "Spielgeschehen" ist etwa so "interessant" wie ein Testbild auf Schlaftablette.

Und in diesem Licht: Was waren die erfolgreichsten GSG in Deutschland. Nicht diese kleinen Goldstückchen der Kreativität wie etwa der Monopoly, sondern die Kisten mit dem besonders tumben Spiel. Die bloße Tatsache, dass unser aller Gauselmann über ein Jahrzehnt hinweg einen Disc-Nachbau nach dem anderen auf den Markt warf, belegt ja den riesigen Erfolg dieses doch eher etwas einfallslosen Systemes. Desgleichen ist Bergmann seit der roten Crown der grundlegenden Idee seiner Spielsysteme mit nur geringen Abwandlungen treu geblieben und hatte damit doch einen gewissen Erfolg, während Bergmanns Experimente wie diese Kiste mit den Würfelsymbolen, Wappen und Kronen und den etwas gewöhnungsbedürftigen Ausspielungen (ich weiß gerade nicht, wie das Ding hieß) von den Spieler durch Nichtbespielung abgestraft wurden.

Dem Spieler, der ordentlich (also so richtig ungesunde Mengen) Geld in eine Kiste ballert, kommt es gar nicht auf einen wie auch immer gearteten "Spielspaß" an, sondern auf den schnellen Zock. Allerdings war die Aufstellung von GSG für den "schnellen Zock" in der Vergangenheit in der BRD nicht möglich, da die alte Spielverordnung recht restriktiv war. Jetzt wurde mit der neuen SpVo ein Regelwerk geschaffen, das schnelle Zocks ermöglicht. Nur die Auszahlgeschwindigkeit und die Auszahlquote entsprechen noch nicht so ganz dem Vorbild der Automatenspiele in den staatlichen Spielcasinos.

Was immer NSM den Novolines an "neuen" Spielen verpassen wird, es wird relativ tumb sein. Genau, wie alle anderen gegenwärtigen Spielssysteme relativ tumb sind.

Was die früheren Geräte unter spielerischen Gesichtspunkten interessant gemacht hat, war eine gesetzlich erzwungene, sehr enge Beschränkung.

Das Spiel musste eine gewisse Zeit (anfangs 15 Sekunden) dauern, und das führte zunächst zu Spielsystemen, bei denen bis zum Stopp des letzten Umlaufkörpers ein Gewinn möglich war, um der Langeweile im Spielablauf entgegen zu wirken. Später führte es zu den für deutsche GSG typischen Konstallationen mit zwei Ablesefenstern auf den zuerst stoppenden Umlaufkörpern, damit möglichst häufig eine etwas höhere Chance vor dem Stopp des letzten Umlaufkörpers steht. (Die 3-2-1-Tüte der frühen Gauselmänner ist eine ähnliche Idee.)

Das Spiel hatte einen Höchstgewinn, der den 10fachen Einsatz nicht überschreiten durfte. Mit dieser Gewinnaussicht kann man keinen Spieler zum süchtig machenden Zock provozieren, also erfand man einen Weg aus dieser Beschränkung heraus: Die Sonderspiele. Tatsächlich finde ich so eine 100er-Serie wesentlich interessanter als einen direkt gegebenen Großgewinn. Die bestehende Beschränkung brachte also auch etwas für das Spielerische im Zock.

Immer wieder gab es weitere Elemente, die dem engen gesetzlichen Rahmen in der BRD ein bisschen Spielgeschehen an GSG abtrotzen sollten. Sehr gelungen waren die Lichtjackpot-System der Exquisit-Reihe, die einem wirklich etwas länger am Gerät halten konnten. (Ich spreche da aus Erfahrung...) Auch Leitern wie in elektromechanischen Bergmann- und Wulff-Geräten taten viel für den Spielspaß.

Als die Automatenbauer zu guter Letzt die Idee der Risikoleiste hatten, begann bereits der Niedergang des Automatenspiels. Alle anderen Spielelemente traten zurück hinter dem Risiko, was die deutsche Version des schnellen Zocks wurde. Jeder Kleingewinn konnte ja nun in einen ekstatischen Seriengewinn "hochgeknallt" werden, ein "spielerisches" Element war nicht mehr erforderlich.

Heute ist die drückenste Enge des gesetzlichen Rahmens verloren gegangen. In der Folge werden die Spielsysteme immer langweiliger und dümmer. Das ist doch genau das, was zu erwarten war. Und es wird wahrscheinlich noch ein bisschen schlimmer kommen, als wir uns alle vorstellen - an Stelle eines interessanten Spieles wird der technisch mögliche multimediale Overkill treten; eine Leere und Langeweile, die dröhnt und flimmert.