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Probleme mit dem Zufall

Ein Problem liegt in der Erzeugung des "Zufalls".

Zumindest die alten Bergmann-Kisten haben einen Algorithmus zur Erzeugung von Pseudozufallszahlen verwendet. Dabei wird eine Rechenvorschrift auf einen Status angewendet, die die jeweils nächste "Zufallszahl" erzeugt, mit der dann der neue Status gesetzt wird. Vom gleichen Status ausgehend, wird immer die gleiche Folge von "Zufallszahlen" erzeugt.

Diese Reihe von Zahlen hat viel Ähnlichkeit mit wirklichem Zufall. Die Ergebnisse sind gleich verteilt und ohne Kenntnis des Verfahrens nicht von wirklich zufälligen Ergebnissen zu unterscheiden. Aber sie sind eben auch determiniert, das heißt, unter Kenntnis des Verfahrens und des aktuellen Zustandes des Zufallsgenerators vorhersagbar. Das ist das "Pseudo" im Wort Pseudozufallszahlen.

Warum man das so macht?

Es ist mathematisch gut verstanden und deshalb ist nicht mit Überraschungen zu rechnen, die sich womöglich noch zum Vorteil des Spielers auszahlen.

Außerdem ist es sehr billig. Wenn man eh schon einen Mikroprozessor hat, dann kann man auch den "Zufall" programmieren, vor allem, wenn das "Programm" dafür weniger als zwanzig Zeilen hat, die mathematisch sicher beherrscht werden.

Die Alternative bestünde in der Verwendung wirklichen Zufalls, etwa eines Gerätes, das weißes Rauschen generiert und seinen Signalpegel an einen A/D-Wandler sendet, um auf diese Weise zufällige Zahlenfolgen zu erzeugen. Ein solches Signal wäre, wenn man beim Aufbau zu einfach vorgeht, allerdings durch gezielte Einstrahlungen manipulierbar - alles, was der Spieler dafür bräuchte, wäre ein geeignet gebauter Sender mit kleiner Leistung. Deshalb sind Lösungen, die echten und manipulationssicheren Zufall in einer "Blackbox" anbieten, auch relativ teuer und würden die Stückkosten pro gebautem Automaten steigen lassen.

Eine andere Alternative wäre das Einfließenlassen der Aktionen des Spielers, zum Beispiel der Zeitpunkt, zu dem ein Spiel gestartet wird, zu dem eine Taste gedrückt wird usw. Im einfachsten Fall lässt man die Zahlenfolge permanent im Hintergrund erzeugen und ruft eine Zahl nur dann ab, wenn sie wirklich benötigt wird - ein solches Spiel wäre für Hersteller und Spieler praktisch unvorhersehbar und damit als zufällig zu betrachten. Warum man nicht so vorgeht, ist mir ein Rätsel. Vielleicht wird damit eine Manipulationsmöglichkeit befürchtet, die beim Pseudozufall durch den feststehenden Ablauf eben nicht gegeben ist. Wenn's gut gemacht ist (und das Ergebnis etwa in Abhängigkeit von der millionstel Sekunde eines Eingabesignales steht), dann ist eine Manipulation aber praktisch nicht durchführbar, da die mechanische Trägheit der Bedienelemente der Präzision Grenzen setzt.

Offenbar fühlen sich Automatenhersteller (und ihre Kunden, die Automatenaufsteller) wohler, wenn das gesamte Spielgeschehen mit einfachster Mathematik analysierbar und simulierbar ist. Und die Kunden der Automatenaufsteller, also die Spieler, scheinen zumindest in Dummland so ziemlich jede Scheiße zu fressen. Da muss man nicht einmal mehr verbergen, dass der Spielablauf feststeht; dann läuft die Walze nach dem Stoppen eben vor jedem Gewinn noch ganz auffällig eine halbe Sekunde durch.

Nein, Glücksspiele sind das nicht mehr. Oder genauer: Glücksspiele sind es nur noch für jene, die die verwendeten Programmiertechniken nicht kennen. Auf der Seite der Auf- und Hersteller dieser Abzock-Zockmühlen wäre es sogar die Möglichkeit, die Kassenergebnisse der nächsten Tage zuverlässig zu prognostizieren.

Neben dieser kleineren Schweinerei gibt's aber noch die ganz große Verarschung, und die scheint bei allen heutigen Geräten die Regel zu sein.

Diese liegt in der Ungleichverteilung der Scheiben- oder Walzenstellungen, die für jedes moderne Gerät zu gelten scheint.

Früher, als die Dinger noch "mechanischen Zufall" produzierten, konnte sich der Spieler mit der Belegung der Umlaufkörper vertraut machen (das ging auch bei Walzengeräten ein bisschen) und dadurch sicher abschätzen, wie wenig wahrscheinlich gewisse Ergebnisse waren. Wenn's 12 Scheibenstellungen gibt, und nur in einer Stellung wird das für den Gewinn einer bestimmten Serie erforderliche Symbol dargestellt, dann ist die Rechnung einfach. Das gewünschte Ergebnis ist eines unter 1728 möglichen Ergebnissen, es wird (beim 30Pfg-Spiel) im Schnitt nach ca. 520 DM Einsatz erscheinen. Ebenso lassen sich Kleingewinne abschätzen, und so gelangt man schon optisch und mit wenig Überlegung zu einer Vorstellung, ob es sich um ein "gutes" oder "schlechtes" Gerät handelt. Beim Spiel mit ungleich verteilten Stellungen wird der optische Eindruck gezielt betrogen.

Am schnellsten macht man sich einen optischen Eindruck davon, wie viele karierte, farbig hinterlegte oder sonstwie hervorgehobene Felder in der Serie einen Gewinn bringen werden. Wie wenig die scheinbare Anzahl der karierten Felder mit der Schmeißfreudigkeit heutiger Kisten zu tun hat, kann jeder selbst untersuchen. Es ist somit nach Augenschein nicht mehr möglich, den Wert einer Serie vernünftig einzuschätzen, dafür bedarf es (meist teurer und manchmal schmerzlicher) Erfahrung.

Diese Erfahrung war's denn auch, die mir das Zocken so gründlich verleidet hat. Wenn man 24 Sonderspiele auf einer Kiste hat, die auf ca. der Hälfte der Felder einen 3DM-Gewinn bringen sollte und nur drei Gewinne kriegt, kommt man sich doch etwas verarscht vor. Wenn man das an der gleichen Kiste (zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten) mehrmals erlebt, dann weiß man, dass die Verarschung System hat. Ich weiß nicht mehr, was für eine müde Mühle das war, aber beim dritten Mal hat's gesessen, und seitdem kann mich nichts mehr reizen, was mich mit großen Zahlen anblinkt.

Und wenn ich dann bei einem oberflächlichen Blick sehe, wie viele verschiedene Serientypen mit so ein Gerät anbietet (damals gab's so etwas ähnliches mit Gold, Silber und Bronze, aber das ist lange her und das war auch nicht direkt eine Verarschung), dann denke ich mir nur, dass die ganz normale Serie an der Kiste gar nix mehr wert sein wird.

Schade, dass sich die Scheiße in Dummland immer durchsetzt. Es muss daran liegen, dass es zuviele Menschen gibt, die diese Scheiße fressen. In der Zockhalle wie im Bundeskanzleramt. (Nein, ich meine damit nicht nur Frau Merkel, auch ihr Vorgänger war nicht unbedingt ein Mensch, der charakterlich geeignet war, die Richtlinien der deutschen P'litik zu bestimmen. Und über die mafiös anmutenden Verstrickungen des Kohlregimes brauche ich mich hoffentlich nicht weiter auszulassen. Bei der letzten Wahl konnten wir zwischen Pest und Cholera wählen. Jetzt haben wir Pest und Cholera.)

Von daher ist die neue Spielverordnung (ich habe sie gelesen, ich habe gekotzt und ich habe beschlossen, auf's Zocken auch weiterhin zu verzichten) nur eine juristische Absegnung dessen, was schon lange lange üblich ist. In dieser Verordnung ist die Möglichkeit eines wirklich zufälligen Spieles gar nicht mehr vorgesehen, ein Automat, der nicht gewisse Garantien über Gewinne und Verluste in einem Zeitraum gibt, ist nicht mehr zulassungsfähig. Dass man dabei die niedrigst mögliche Auszahlquote kaum sichtbar im Gesetzestext deutlich unter die 50 Prozent gedrückt hat, setzt auch nur einen schon länger bestehenden Trend fort.

Nochmal am Ende ganz klar: Alle elektromechanischen Geräte, die viele hier (so auch ich) so sehr mögen, wären nach der neuen Spielverordnung nicht zulassungsfähig. Ein zulassungsfähiges Gerät muss über gewisse Zeiträume (im Gesetzestext ist von einer Stunde die Rede, wie die Prüfstellen diesen Text interpretieren werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen) gewisse konkrete (also nicht statistische) Auszahlungen garantieren. Und damit ist für alle aktuellen und kommenden Geräte kein "zufällig" verlaufendes Spiel mehr vorgesehen, sondern nur noch der Ablauf eines festgeschriebenen Programmes.

So sieht's aus, wenn die P'litik einseitig die Interessen der Wirtschaftsvertreter zum Maßstab nimmt, an dem das Land gestaltet werden soll. Das soll ja angeblich Arbeitsplätze schaffen und so weiter. Es führt aber in der Praxis zur Allgegenwart des Schwindels und des Über'n-Tisch-Gezogenwerdens. Diese Spielverordnung, die das letzte spielerische Element aus dem Spiel nachhaltig entfernen wird, ist dafür nur ein Beispiel, und das hier ist leider kein p'litisches Forum.

Und deshalb gehe ich jetzt schlafen. Und träume von den Zeiten des Rotomat Astor (mit Klack-Klack-Einsatzabzug, bei dem man dachte, das Zählwerk geht kaputt) und der Rotamint Super Bingo (mit Zeigerzählwerken). Das war auch schon Beschiss, aber es war ehrlicherer Beschiss...