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Gauselmann, Karsten


„Sollte mein Vater mich brauchen, bin ich da"

INTERVIEW: Warum Karsten Gauselmann sich mit einem eigenen Hotel selbstständig macht

Karsten Gauselmann, jüngster von vier Söhnen der Unternehmerfamilie Gauselmann aus Espelkamp, feiert an diesem Wochenende, am 14. Februar, nicht nur seinen 40. Geburtstag, sondern auch die Eröffnung seines ersten eigenen Hotels. Mit dem vor 500 Jahren zur Pferdezucht betriebenen Heißenhof in Inzell betritt der Unternehmersohn Neuland. Mit ihm sprach Andrea Frühauf.

Herr Gauselmann, warum suchen Sie Ihr Glück im Süden von Deutschland?


KARSTEN GAUSELMANN: Meine Schulzeit habe ich in einem Internat in den Schweizer Alpen verbracht. Die Alpen haben seitdem für mich eine einzigartige Anziehungskraft. Die Umgebung gibt mir Ruhe und Kraft und ist ein schönes Umfeld für meine Familie und mich - speziell für meine Frau und meine drei Kinder. Bayern ist schön.

Warum wechseln Sie die Branche?


GAUSELMANN: Von einem Branchenwechsel kann nicht die Rede sein. Der Heißenhof ist ein weiteres Standbein für mich. Ein Schönes dazu. Mehr Vielfalt, wenn Sie so wollen. Wenn man seine eigenen Wege geht, muss man nicht zwangsläufig allem anderen den Rücken kehren. Als Mitglied des Aufsichtsrats der Gauselmann AG bleibe ich auch dieser Branche und Ostwestfalen erhalten.

Ha ihr Vater Sie dabei beraten?
GAUSELMANN: Die Hotellerie hat mich seit langem interessiert. Als ich den Heißenhof sah, wusste ich, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, diese Idee umzusetzen. Das war dieser Moment: Jetzt oder nie!

KarstenGauselmann

„Selbst die Marke": Karsten Gauselmann leitete beim

Geldspielautomatenhersteller Gauselmann zuletzt den

BereichLogistik&Fleet.Seit Oktober ist er Inhaber des

Tagungshotels Heißenhof mit 35 Zimmern.

 

Haben Sie gezielt nach einem Tagungshotelgesucht?


GAUSELMANN: Ja. Wissen Sie, als Unternehmersohn durchlaufen Sie eine gute Schule. Konzepte haben nur dann Erfolg, wenn sie von Anfang an realis
tisch geplant sind. Dazu gehören Businesspläne und die Betrachtung der Margenchancen. Das Business-Gruppengeschäft „MICE" - Meeting, Incentive, Convention, Event - ist attraktiver als der Freizeitbereich. Die Zielgruppe ist besser zu definieren. Bessere Planbarkeit senkt das unternehmerische Risiko.

Was ist das Besondere an Ihrem Konzept?


GAUSELMANN: Wir haben den Gast im Fokus: mehr Service, individuelle Leistung und eine gehobene Küche für die Kunden im Heißenhof. Oder kurz: Business und Wellness. Zu-
dem werden wir ein zweites Standbein für die Auslastung des Tagungsbetriebs im Heißenhof aufbauen: ein eigenständiges Institut für Unternehmerentwicklung. Die Themen: Einkauf, Verkauf, Personal. Eben das, was ein gut geführtes Unternehmen erfolgreich macht.

Was haben Sie an der Einrichtung des Hotels verändert?

GAUSELMANN: Das Problem der Hotellerie ist, dass immer tollere, bessere Hotels gebaut werden. Hier sind - sehen Sie nur mal nach Dubai -keine Grenzen gesetzt. Neu heißt meist auch besser, luxuriöser. Das ist ein Wettlauf. Aber: Tradition - und der Heißenhof hat 500 Jahre Tradition-.kann man nicht bauen. Die hat man. Ein wahrer Wettbewerbsvorteil. Gepaart mit moderner Technik ein optimaler Ort für Geschäftsleute.

Stellen Sie auch Spielgeräte auf?


GAUSELMANN: (Lacht.) Die Frage musste ja kommen. Keinesfalls. Der Heißenhof ist ein Seminarhotel und damit eine andere Branche.

Planen Sie weitere Objekte?


GAUSELMANN: Ich möchte erst einmal die Wiedereröffnung am Wochenende mit 200 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Entertainment groß feiern. Wir haben hart gearbeitet. Das gesamte Team hat einen super Job gemacht. Unser Ziel ist, mit diesem Eröffnungsevent vom 13. bis 15. Februar zu begeistern. Wenn dann alles läuft, sehen wir weiter. Richtig ist, dass wir weiter wachsen wollen. Hier im Heißenhof, mit unserem Institut für Unternehmer und, wenn sich die Chance ergibt, vielleicht auch anderswo.

Werden Sie sich auch persönlich um die Kunden kümmern?


GAUSELMANN: Wir haben mit zurzeit 15 festen Mitarbeitern ein hervorragendes Team. Ich werde mich bewusst nicht in alles einmischen. Mein Fokus liegt auf der Optimierung der Leistungsstärke des Heißenhofs und den strategischen Bereichen. Ein Beispiel ist die Markenführung: Mein Name ist ja sehr bewusst mit dem Logo verbunden. Es soll ein Markenbestandteil werden, der für Qualität und Service steht. Eine Marke, die ich weiter ausbauen kann. Das fällt einem leichter, wenn man selbst die Marke ist.

Werden Sie Ihren Aufsichtsratssitz bei der Gauselmann AG auch künftig noch behalten?

GAUSELMANN: Natürlich. Mein Engagement wird vielleicht sogar noch stärker sein. Mit etwas Abstand lässt sich vieles auch besser erkennen. Die Kraft, die ich in Inzell tanke, kommt zusätzlich der Gauselmann AG und meiner ganzen Familie zugute. Und natürlich ist die Erfahrung, die ich hier als Unternehmer in einer anderen Branche sammele, viel wert.


Wie oft besuchen Sie noch OWL?


GAUSELMANN: Sehr regelmäßig. Privat, um meine Freunde und meine Familie zu besuchen. Beruflich aufgrund meines Mandats als Aufsichtsrat bei der Gauselmann AG. Wir haben zusätzlich noch einen Familienrat. Wir treffen uns regelmäßig, um uns auszutauschen. Ich bleibe Ostwestfalen-Lippe treu.

Was würden Sie den Ostwestfalen raten, um die Region noch attraktiverzu machen?


GAUSELMANN: OWL ist attraktiv! Wir müssen es den Menschen, die es nicht wissen, nur erzählen. Die, die es nicht glauben, müssen wir überzeugen.

Wer wird eines Tages das Unternehmen Ihres Vaters fortführen?


GAUSELMANN: Mein Vater ist Vorstandssprecher der Gauselmann AG. Er ist das Familienoberhaupt, und er wird die Nachfolge regeln. Er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Sollte er mich brauchen, bin ich da.

 

Aus der Neuen Westfälischen, 11.2.09