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Monarch, der Automatenschreck...

MonarchEin Freund von mir hat kürzlich eine Original-VHS-Cassette dieses Dokumentar-Filmes erstanden. Dadurch hatte auch ich endlich einmal die Möglichkeit, mir dieses Werk anzusehen.

Es ist schon erstaunlich, wie es dem "Monarch" an den NSM-Geräten Mint und Mint Super durch Einstudieren der sich ergebenden Farbmuster bei den sich drehenden Walzen immer wieder und wieder gelang, drei Glocken, drei Siebenen oder ab und an auch einmal drei Pflaumen gezielt zu stoppen. Und das mit einem so professionellen Können, dass er davon nicht nur seinen Lebensunterhalt bestreiten, sondern sich zusätzlich auch noch einiges an Luxus leisten konnte (teures Auto, teure Anzüge...). Das Ganze brachte ihm einen so großen Ertrag ein, dass er sogar "Mitarbeiter" angagierte (sog. "Geier"), die in Großstädten sämtliche Gaststätten und Imbißbuden abklapperten (rein - Geldspielerbestand inspizieren - raus), um von ihnen Standortverzeichnisse der entsprechenden Geräte erstellen zu lassen.

Nicht selten wurde der Monarch des Ortes verwiesen, wenn er eine Serie nach der anderen abräumte, um die 2 und 5 DM-Stücke legal aus den Röhren abzulassen (mit seinen eigenen Worten: "Das Gerät fegen", manchmal auch "die Gurke fegen"). Zu Unrecht, wie er behauptete, womit er eigentlich auch recht hatte, denn ihm war ja beim besten Willen keine illegale Vorgehensweise anzulasten. Falsch war hingegen jedoch seine Aussage, dass es sich bei den von der Physiklisch technischen Bundesanstalt (PTB) zugelassenen Geldspielern um "Geschicklichkeitsgeräte" handele. Rechtlich gesehen handelt es sich nämlich um "Unterhaltungsgeräte mit Gewinnmöglichkeit". Unter anderem heißt es bei dieser Deklarierung dass "(...)niemand aufgrund geistigen Unvermögens bei der Nutzung des Gerätes benachteiligt werden darf(...)" (so oder so ähnlich). Demnach stellen sich meinerseits einige Fragen...

Bekanntlich waren die Jubiläumsgeräte Mint und Mint Super aus den Jahren 1977/78 die ersten Geldspieler von NSM, welche ohne Nockenwalzenprogramm (also elektromechanisch), sondern elektronisch durch eine CPU gesteuert wurden. Wurde dabei vor lauter Ehrgeiz möglicherweise vergessen, eine Pusseleinrichtung (Mischer) zu programmieren (zumindest bei Stopp der rechten und mittleren Walzen von Hand)?

Wieso haben diese beiden Modelle eine Zulassung durch die PTB bekommen, obwohl sie in gewisser Weise doch ein Geschicklichkeitsspiel waren? Möglicherweise ist das Ganze erst ans Licht gekommen, als die Geräte längst in der Aufstellung waren...

Wie z.B. konnte es sein, dass das Ganze über Jahre hinweg gut ging, obwohl seitens des Herstellers (NSM-Löwen) seinerzeit Mischerplatinen nachgerüstet wurden, welche das gezielte Stoppen der Walzen, so wie es auch bei allen anderen Geräten der Fall ist, unterbinden? War die Variierung der Verzögerungszeit bis zum Stopp der Walzen nach Tastendruck trotz nachgerüsteter Mischerplatine zu gering oder war die Verzögerungszeit womöglich sogar stets von gleicher Dauer (in diesem Fall hätte sich der "Monarch" lediglich auf einen anderen Zeitpunkt zum Stoppen der Walzen einstellen müssen...)? Oder wurden zu wenige der Geräte mit diesen Mischerplatinen nachgerüstet und der erheblich größere Teil blieb unverändert, wodurch dem Monarch ein "leichtes Spiel" ermöglicht wurde?

Und wieso hatte der Monarch offensichtlich ausschließlich Kneipen und Imbißbuden als "Tatort" auserkoren bzw. von den Geiern abchecken lassen? In dem Film spielt der Monarch so gut wie überhaupt nicht in Spielhallen...

Schade, dass es in dem Film keinerlei Stellungnahmen seitens des Herstellers gab.

Die Nachrüstung der Mischerplatine wurde übrigens ganz simpel gelöst: Dazu musste lediglich der Stecker von der Zuleitung zur Tastenplatine abgezogen werden (Abb. 1). Dann wurde anstelle des Steckers die Mischerplatine auf die Steckvorrichtung der Tastenplatine gesteckt und abschließend der Stecker der Zuleitung auf die Mischerplatine gesteckt (anstelle vorher direkt auf die Tastenplatine, Abb. 2). Genau so ist es auch bei meiner Mint Super der Fall. Entfernt man die Mischerplatine aus dem Gerät, so fällt tatsächlich auf, dass die Walzen immer nach dem selben Zeitraum, ganz kurz nach Betätigen der Stopptaste anhalten.

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Der Monarch berichtete im Zusammenhang mit seinem Treiben davon, dass er sich nur Anfänglich über jede Serie gefreut habe. Sehr schnell habe sich für ihn das Erzielen von 50er und 100er Serien als "normal" dargestellt. Das führte dazu, dass er das Spielen an der Mint und Mint Super nach kurzer Zeit wie "Arbeiten" empfand. Zwar füllte er damit auf legalem Wege seine Konten, musste aber auch feststellen, dass er dadurch keine Zeit mehr für private Belange hatte. Für ihn waren Verabredungen (insbesondere mit dem anderen Geschlecht) Zeitverschwendung, denn Zeit war für ihn bares Geld. Wenn er einmal einen Abend mit einer Frau ausgegangen wäre, so sagte er, wären ihm möglicherweise tausend oder mehr DM durch die Lappen gegangen. Und damit hatte er alles andere als Unrecht. Für ihn war klar, dass es sein Ziel war, bis zum Ende der "Mint-Zeit" genug Geld an die Seite geschafft haben, um anschließend dauerhaft finanziell unabhängig zu sein. Hinzu kam, dass die Ausübung seines "Gewerbes" mit fortschreitender Zeit immer schwieriger wurde, weil es Nachahmer gab. So kam es vor, dass in einigen Städten sämtliche Mint und Mint Super "leergefegt" oder bereits (vermutlich wegen der Leerspielungen) abgehangen und durch andere Geräte ersetzt worden waren.

Auf jeden Fall wollte er nach der Mint-Zeit Schluss mit der Ganzen Sache machen. Er hätte auch keine andere Wahl gehabt: Denn spätestens 1981 war die Sache wegen dem Ende der dreijährigen Zulassungszeit für die Mint und Mint Super zwangsläufig vorbei. Und genau so wie vorher wäre bei keinem der nachfolgenden Generationen von Geldspielern eine solche Spielpraxis (nennen wir es permanetens Leerspielen der Geräte durch Einsatz von Geschicklichkeit) überhaupt möglich gewesen, weil nämlich beinahe 100% aller anderen Geräte über gewohnt gut funktionierende Pusseleinrichtungen verfügten.

Ein interessanter Film !!!

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