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Konstruktionsfehler und mehr

adp Merkur Disc (Teile der alten Version, noch bis 100 hochdrückbar)

Die erste 30Pfg-Ausspielung nach dem Reinstecken des Steckers ging immer auf die 3 Sonderspiele, leider konnte ich nichts Ähnliches für die 40er-Ausspielung beobachten. Offenbar hat adp das Programm schnell geändert, es gab auch alte Merkur Disc, die sich nicht mehr so durchschaubar verhielten.

Aber in einem Schnellimbiss, wo ich unmenschlich früh zu frühstücken pflegte, klappte das noch ganz gut - und so begann eine Zeitlang fast jeder meiner Tage mit einer schnellen 3er-Serie (die ich gern annahm). Nicht das große Geld, aber oft ein sehr billiges belegtes Brötchen.

adp Merkur Komet (Prototyp)

In der hannöverschen Reitwallstraße gab's eine Zockhalle (von Freise, dem damaligen Gastro-König Hannovers), die sehr häufig Prototypen aufstellte und mich damit geradezu magisch anzog - viele dieser Frickelkisten hatten doch so ihre Schwächen, die meist nicht zu Lasten des Spielers gingen.

Dort sah ich auch meinen ersten "Merkur Komet" mit dem Hochdrückschweif - gleich dreimal nebeneinander. Durch einen plumpen Zufall (mit Beteiligung der dort stehenden Musikbox - so'was gab's noch!) bemerkte ich schon mit dem zweiten Heiermann, dass man den immer auf Anschlag drücken konnte, wenn man nur sehr präzise in einem bestimmten Rhythmus auf die Taste haute. Wenn der erste Schritt in diesem Rhythmus klappte, dann klappten immer alle, und der erste klappte mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent.

Danach fütterte ich vier Geräte: Eine Musikbox und drei unausgereifte G**selmann-Protos. Nach dreieinhalb Stündchen waren die drei Kometen leergespielt und ich um eine große Menge Klimpermünzen reicher (es waren über tausend Mark). Um mich herum standen zuschauende Zocker, die ihren Augen nicht trauten. So viele dicke Serien in so kurzer Zeit hatte wohl noch keiner gesehen (immer schön und unverzagt auf 80 oder 100 hoch, wie ich mich dafür konzentrieren musste, kriegte keiner mit).

Schade, am nächsten Tag waren da andere Kisten, die sich nicht so schnell leerspielten. War wohl'n scheiß Geschäft.

An den Kometen, die ich ein paar Wochen später sah, ging das natürlich nicht mehr. Und ich wollte schon Berufszocker werden...

Wulff Rotomat Classic (elektromechanisch)

Von dieser Kiste hätte ich anfangs fast leben können, so gut und einfach ließ die sich abmelken. Allerdings gab's wohl bald eine zweite Version oder einen Umbausatz, irgendwann klappte es einfach nicht mehr. Und dann wurde diese Kiste auch noch so selten...

Ein bisschen Erklärung hierzu: Für die Stern-Kombinationen gibt es 1, 2 oder 3 Ausspielungen, je nach dem, ob man 3, 4 oder 5 Sterne hat. In den Ausspielungen gibt es 3, 5, 10, 20 oder 100 Sonderspiele. Die Ausspielungen konnten nicht angehalten, sondern gestartet werden.

Wenn man genau hinhörte, dann bekam man mit, dass während der Startphase ein kleiner Motor ähnlich wie der in dem neuen Wulff-Zählwerk mitlief. Und in regelmäßigen Abständen wurde ein Zähler erhöht, das Geräusch war beinahe mit dem Zähler des Münzspeichers oder des Serienzählers identisch. Weiß man, worauf man zu achten hat, ist das Geräusch unüberhörbar, zumal das Nockenprogramm angehalten ist.

Es handelt sich offensichtlich (oder besser offenhörbar, aber das Wort gibt's noch nicht) um einen zweistufiges Zählwerk (mit Übertrag). Die "Einerposition" bestimmt, ob es drei Sonderspiele, fünf Sonderspiele oder in Abhängigkeit von der Stellung der "Zehnerposition" 10, 20 oder 100 Sonderspiele gibt. Ein ganz einfacher Aufbau. (Vom Geräusch her würde es mich nicht wundern, wenn Wulff dafür wirklich ein Zählwerk verbaut hat. Ingenieure können ja sehr "sparsam" sein, wenn sich ein bestehendes Teil für etwas anderes nutzen lässt und so die Kosten für die Massenproduktion gesenkt werden können. Wenn jemand einen "Classic" herumstehen hat, einfach mal einen Blick reinwerfen, ich hatte diese Gelegenheit leider noch nicht.)

Nach Druck auf die Starttaste lief dieses unsichtbare Zählwerk weiter, sorgte für ein bisschen Geflacker im Ausspiel-Transparent und wurde nach einer gewissen, für jeden Automaten individuell gleich bleibenden Zeit angehalten. Wenn man den genauen Zeitpunkt nach dem Übertragsklicken für einen Automaten erstmal raus hatte, konnte man in jeder Ausspielung mindestens 10 Sonderspiele holen und damit die Auszahlquote gehörig nach oben kriegen - natürlich kamen auch immer wieder 20er- und 100er-Serien dazu. Okay, es klappte auch dann wegen der erforderlichen zeitlichen Genauigkeit nur so jedes zweite Mal, aber es klappte eben auch so ziemlich jedes zweite Mal. Mein immenses "Glück" an diesen Kisten brachte mir tatsächlich Hausverbote ein - so ist das eben, wenn die versprochenen Gewinne einmal Wirklichkeit werden. (In ein paar Stunden habe ich die 5 DM-Röhre immer leer gekriegt, was ca. 200 DM waren.)

Übrigens ist nach meiner Erfahrung das Ausspielergebnis "20" genau so wahrscheinlich wie das Ergebnis "100" - das mag man vom Geflacker während der Ausspielung her gar nicht glauben. Aber dieses Durchflackern ist sowieso nur Verarschung. Damals wie heute.

Das Risiko scheint beim "Classic" vom Geräusch her nicht anders zu funktionieren, aber da fehlt ein akustischer Anhaltspunkt für die sichere Verdoppelung. Trotzdem habe ich immer bei 3 Spielen riskiert, da hier ein saudummer Designfehler vorlag.

Der "Classic" hat immer zum Ende eines Spieles ein Sonderspiel abgezogen. Wenn der Zähler auf "3" oder "5" stand, konnten die verbliebenen Sonderspiele mit der "Doppelt oder Nichts"-Taste verdoppelt werden. Das Gute daran: Dies geschah vor dem Abzug des Sonderspiels, so dass man in Wirklichkeit nur zwei Spiele riskierte, aber drei gewinnen konnte. Die Wahrscheinlichkeit scheint aber 1:1 verteilt gewesen zu sein. Beim Angebot auf "3" machte man da ein richtig gutes Geschäft, hingegen ist's eher etwas dumm, auf "5" zu riskieren und das bessere Geschäft auf "3" fahren zu lassen.

Wenn ich in der Ausspielung einer 3er-Serie bekam (auf der Stellung vor und nach der "dicken" Position liegt die "3", und ich war nicht unfehlbar), dann habe ich die immer zunächst angenommen und ein Sonderspiel runtergespielt. Am Ende dieses Sonderspieles konnte ich die 3 Spiele nochmal riskieren(!), und das habe ich dann natürlich immer getan - man könnte denken, die Kiste sei bei Wulff nie richtig getestet worden.

Einige Bergmann-Geräte (auf Z80A-Technik)

Ich hatte mal das Vergnügen, zusammen mit ein paar anderen Häckern das ROM von Bergmann-Geräten mit Schrittmotor auf Z80A-Basis untersuchen zu können. (Ich konnte von früher her noch ganz flüssig Z80-Assember lesen, deshalb wurde das an mich herangetragen. Dass ich "der Zocker" war, spielte aber bestimmt auch eine Rolle.)

Eine vollständige Analyse habe ich nicht gemacht. Es handelte sich nicht um ein ernsthaft geplantes großes "Abmelken", sondern nur um ein bisschen intellektuelles Herumspielen, ähnlich wie andere Leute Kreuzworträtsel lösen. Wir wollten einfach nur herauskriegen, ob diese Kisten "richtig bescheißen" - so wie's heute jede Kiste mit ihren Spielsystemen und Ungleichverteilungen ganz offen tut. Bei positivem Ergebnis wäre das ein Artikel für die "Datenschleuder" und bestimmt etwas anschließende Pressearbeit geworden.

(Ein Häcker ist übrigens einfach nur ein Mensch, der respektlos mit der Technik umgeht. Er steht damit im Gegensatz zur dumpfen und beinahe religiösen Technikgläubigkeit, die sich in der breiten Massen genau so wie in der p'litischen Kaste beobachten lässt.)

Im Ergebnis: Die Scheibenpositionen waren im Prinzip gleich verteilt, die Serien-Ausspielungen waren nach heutigen Maßstäben geradezu gut. Man erkannte darin geradezu das Bemühen, ein relativ "ehrliches" Spiel mit den Zockern zu machen.

Aber auch hier gab's einen Designfehler in der Programmierung der Pseudozufallszahlen, und der hätte einen Angriff auf die Kisten ermöglicht. Völlig unabhängig vom Verhalten des Spielers (mit Ausnahme des Nachstarts) stand die Scheibenstellung zu Beginn des Spieles fest, da ganz zu Anfang acht Zufallszahlen ermittelt wurden, die für Scheibenstellung, Ausspielungen und Risikoergebnisse Verwendung fanden. (Das hätte ich besser programmiert! Aber mir gibt man ja so ungern eine Arbeit...)

Die Zufallszahlen hierfür wurden nach dem additiven Kongruenzverfahren berechnet. Das klingt scheußlicher, als es ist. Im Prinzip ist das ähnlich wie die Zahlenfolge der Fibonacci-Zahlen. Man beginne mit z(0)=1 und z(1)=1 und bestimme die nächste Zahl z(n) als Summe der beiden vorhergehenden z(n-1) + z(n-2). So kommt man auf 2, 3, 5, 8, 13, 21 etc. (In der Umsetzung für Zufallszahlen ist das etwas komplizierter, aber die grundlegende Idee dürfte klar sein.) Wenn der maximale Wertebereich für die Zahlen überschritten wird, dann wird der entstehende Übertrag einfach abgeschnitten.

Abhängig von der Anzahl Bits, die man dabei verwendet, ist ein solches Verfahren immer periodisch. Durch einen kleinen Designfehler war die Periode bei dieser Bergmann-Kiste aber viel kleiner, als sie es vom Verfahren her hätte sein müssen - man hat ganz offenbar keinen Mathematiker damit beschäftigt. Durch Ablesen der Scheibenstellung hätte man den Zustand des Pseudozufallsgenerators ermitteln können und daraufhin die folgenden Aussagen treffen können:

- Ob sich das Spiel lohnt.
- Ob der Nachstart eine Verbesserung des Ergebnisses bringt.
- Wie hoch sicher riskiert werden kann.

Damit wäre ein Abmelken der Kiste sehr gut möglich gewesen, wenn man einen unauffälligen Computer zur Hilfe genommen hätte. Ohne die erwähnte Designschwäche (im Wesentlichen: mit der Verarbeitung anderer Bits aus dem Status des Generators) wäre der Angriff nahezu unmöglich gewesen, da die Periode des Generator zu groß geworden wäre, um aus den Scheibenstellungen verlässliche Informationen zu gewinnen.

Wenn ich lese, dass G**selmann offenbar ganz ähnliche Designschwächen bei älteren Kisten hatte, bestätigt das nur meine Auffassung, dass in der deutschen Wirtschaft zu oft am falschen Ende gespart wird - ich hatte da weiter oben schon so einen Seitenhieb mit der beinahe religiösen Technikgläubigkeit. Es läuft in Tests so oberflächlich, also kann man's auf'm Markt werfen. Von Sorgfalt und gleichermaßen qualifizierten wie verantwortlichen Gestaltern nicht die Spur - das wäre ja auch viel zu teuer.

Nun gut, mir haben die neueren Kisten das Zocken sowieso abgewöhnt. Das war auch besser für mich...

Zur Strafbarkeit dieser Angriffe

Im Allgemeinen ist's strafbar, die Programme zu disassemblieren. Jede Nutzungsbedingung für proprietäre Software stellt dies sicher. Es kann aber schwierig sein, die Vorgehensweise der Analyse so sicher zu belegen, dass die strafbare Handlung nachgewiesen werden kann.

Jemand könnte ohne weiteres argumentieren, dass er einfach für'n paar hundert Mark gespielt hat und die Ergebnisse erfasst und analysiert hat. Dabei fand er mit ein paar zusätzlichen Annahmen die Schwächen, die er dann ausnutzte. Das Programm für die Analyse und seine Daten hat er natürlich nicht mehr, seit ihm die Platte gecrashed ist - sie wissen ja, wie das ist, Herr Staatsanwalt... - und im Zweifel ist daraufhin keine Verurteilung möglich. Hier gilt: Man sollte Gesetze und Verträge mit den Augen eines Anarchisten lesen. Wer das nicht kann, nimmt sich einfach den größten Schurken zum Anwalt. Was die Wirtschaft und die Mafia können, das sollte sich jeder zutrauen!

Der beste Schutz gegen solche Manipulation wäre ein sauberer Entwurf der Software und eine Veröffentlichung aller benutzten Programme im kommentierten Quelltext. Die Geheimhaltung der Software ist undurchführbar und darüber hinaus völlig wirkungslos. Ganz nebenbei könnte sich jeder selbst davon überzeugen, wie die heutigen Kisten bescheißen oder um ein interessantes Spiel bemüht sind.

Bei einarmigen Banditen gab's auch irgendwann eine solche Entwicklung. Etwa bis zum Baujahr 1985 sind diese Geräte noch mechanisch, aber teilweise schon mit elektronischer Steuerung versehen. Dann kam der Siegeszug des Schrittmotors. Und viele Firmen hatten die gleiche Idee: Man lasse das Walzenbild öfter mal so aussehen, als sei der dicke Gewinn nur ganz knapp verfehlt worden - positiv gesprochen, ist das eine Maßnahme zur Intensivierung der Kundenbindung, negativ gesprochen ist das eine ganz große Verarschung.

In den USA gibt es aber viel mehr Menschen, die sich nicht so einfach verarschen lassen. Und nachdem jemand (ich weiß seinen Namen nicht mehr) im Jahre 1988 illegalerweise ein solches Programm im ROM analysiert hatte, tat er zwei Dinge beim nächsten Sheriff: Eine Selbstanzeige wegen des Lizenzvergehens (Zivilrecht) und eine Strafanzeige wegen gewerbsmäßigen Betruges (verfolgt durch den Staatsanwalt).

Im Ergebnis gab's eine komplizierte Entscheidung. Die einlaufenden Positionen auf einer Einzelwalze dürfen ungleichmäßig verteilt sein, da das einem Spieler aus der Spielerfahrung transparent wird - man sieht eben, dass die rote Sieben seltener kommt. Die resultierenden Walzenkombinationen müssen jedoch in diesem Rahmen gleich verteilt sein, da hier Manipulationen nicht erkennbar wären. Daraufhin wurden eifrig ROMs getauscht, und die leidige Zivilsache wegen des analysierten ROMs wurde eingestellt...

Nur in Dummland lassen die Menschen eben alles mit sich machen. Und deshalb ist hier alles so, wie es eben ist. In der Zockhalle wie in Berlin.

Mann, da bin ich ja noch richtig politisch zum Ende geworden...

 


Zusatz von muenzspielfreund:

Also zunächst einmal bin ich zum allerersten mal selbst darauf gekommen, dass so etwas nicht nur sein könnte, sondern auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so ist (bzw. aus heutiger Sicht war). Zunächst einmal machte sich bei meinem ersten eigenen Geldspieler (Crown Jubilee Super) folgendes bemerkbar. Ich hatte das Gerät wie verrückt bespielt. Rund 2 Jahre lang für mehrere Stunden mam Tag. Und drei bis vier mal im Jahr passierte folgendes: Es erschien "wie von Zauberhand" 3 mal hintereinander (also ohne Unterbrechnung, innerhalb von nur drei Spielen) "3,- 3,- 3,-". Und wenn das passierte, konnte man die Uhr danach stellen: Grundsätzlich kamen dann im vierten Spiel drei blaue Wappen. Nie war es anders! Leider ist das so lange her, dass ich mich nicht mehr genau erinnern kann, ob die Risiko-Resultate der dre 3 DM-Gewinne und das Ausspielergebnis durch die 3 blauen Wappen im vierten Spiel ebenfalls stets identisch waren. KANN alles Zufall gewesen sein, MUSS aber nicht.

Weiter: Im WDR-Fernsehen sah ich in der zweiten Hälfte der 80er einen Dokumentarfilm darüber, dass bei einigen Geldspielern von NOVA und ADP ein gezieltes Leerspielen möglich ist. Das Ganze wurde immer von zwei Personen durchgeführt: In der Spielhalle las der eine die Scheiben- bzw. Walzenstellungen ab und murmelte sie in ein als Zigarettenschachtel getarntes kleines Funkgerät. Draußen im Bulli saß der Komplize und empfing die Daten über Kopfhörer. Der wiederum tippte die Daten eifrig in seinen Computer (es war ein Atari-ST oder so ähnlich, auch jeden Fall ein Atari, das werde ich NIE vergessen!) ein. Nach wenigen Spielen konnte er dem Spielenden sagen, ob sich das Weiterspielen lohnt, oder aber ob er sich an ein anderes Gerät begeben solle. Sie haben es im TV alles gezeigt! An einem Gerät, wo es sich lohnte, sagte der Typ im Bulli "im übernächsten Spiel kommen außen 2 x 1,30 DM und in der Mitte Nova", (gespielt wurde an einem Nova Triumph), "die kannst Du dann bis 25 drücken, einmal teilen und dann noch einmal auf 25, erst einmal die 37 mitnehmen. Drück aber nicht auf 50, dann schmiert er ab!". Es geht noch weiter "Auf Stellung 13 bekommst Du dann bei der Super-Chance noch einmal die Nova-Sonne in der Mitte, da gibt er zwar nur 6 Spiele, die musst Du nehmen". Drei Spiele später laufen vier Nova-Sonnen ein und dann bleibt er auf 100 stehen. Und so weiter und so weiter. Das, was vorausgesagt wurde, passierte genau so zu 100%, wie es vorausgesagt wurde. Die Sendung war super interessant, leider habe ich mir damals den Titel nicht gemerkt.

Zur selben Zeit, als diese Dokumentation gesendet wurde war ich im Besitz eines Nova Triumph (die waren zu dem Zeitpunkt der Sendung schon abgelaufen). Zwar hatte ich nicht das Programm, konnte aber folgendes feststellen (und das wusste ich auch schon VOR der Sendung). Man merkte geradezu, dass da ein Programm abläuft. Denn wie die meisten hier wissen hatten die alten Nova-Geräte bei den äußeren Spielscheiben so genannte Doppel-Spielscheiben. Standard war außen ein Ring mit 8 und innen ein Ring mit 5 Positionen. Macht alos 40 Positionen je Doppelscheibe (8x5=40). Wenn man nun links 1,70 und Nova stehen hatte und das Gerät hatte vom Programm nun die Anweisung, die Kombination 1,70 NOVA - NOVA - 1,70 NOVA zu geben (=1,70 DM Gewinn plus kleine Serien-Ausspielung) dann konnte man noch so viel auf der Stop-Taste herumhämmern, wie man wollte, die Scheibe blieb beim besten nicht stehen. Es war völlig auffällig! Das Licht der Stop-Taste blieb einfach an und die Scheibe drehte, drehte und drehte. Nehmen wir einfach mal an, dass "1,70 NOVA" auf Position 38 der Doppelspielscheibe ist und selbige sich aber gerade bei Pos. 2 befindet, als die Stop-Phase beginnt. Nun muss die Scheibe zwangsläufig noch 36 Positionen weiterdrehen, um die im Programm vorgegebene Position einzustellen. Das Ganze funktionierte natürlich nur mit Kombinationen, bei welchen von den äußeren Spielscheiben Symbole bzw. Beträge angezeigt werden sollten, die nur jeweils einmal vorhanden waren. Bei 30 oder 40 Pf merkte man rein gar nichts, denn die kommen ja im Schnitt alle 2,5 Positionen vor und konnten somit in Bruchteilen von Sekunden eingestellt werden. Gleiches gilt für Nicht-Gewinn-Kombinationen. Einfach außen vier verschiedene Beträge platzieren oder bei übereinstimmenden Beträgen dafür sorgen, dass die mittlere Scheibe weder auf NOVA, auf 2 Groschen noch auf einem "passenden" Gewinnbetrag stehen bleibt. Zwar konnte ich dadurch nicht das Gewinnverhalten beinflussen oder den nächsten großen Gewinn in einem der nächsten Spiele vorhersehen, im laufenden jedoch: Steht vorne ein NOVA-Stern und man versucht hinten vergebens zu stoppen, dann wusste man schon vor dem Stop der rechten Scheibe "Aaaaaah ja, eine Ausspielung. Danke sehr" Bei zwei mal NOVA links war die Spannung natürlich besonders groß... Das hört sich zwar alles an wie Since Fiction, aber es ist in der Tat so gewesen. Bei späteren Nova Geräten stellte man zumindest das merklich auffällige Suchen ab, indem Außen- und Innenring der Spielscheiben jeweils einen Schrittmotor bekamen und somit unabhängig voneinander liefen.

Und unlängst habe ich von Disa ein paar MS-DOS-Programme erhalten, mit welchen man Geräte wie z. B. den alten Multi plündern lann. Auch hier funktioniert es nach ein und dem selben Prinzip (Walzenstellungen eingeben, PC sagt, wann die nächste dicke Serie kommt). Leider steige ich durch das Programm nicht richtig durch. Einen Venus Multi habe ich ja sogar...

Bei heutigen Geräten geht das natürlich nicht mehr. Die Geräte haben eine so hohe Anzahl (Millionen) von Spielen vorprogrammiert, dass sie diese selbst bei 24-stündigem Dauerlauf während der Zulassungszeit niemals würden durchspielen können. Ganz davon abgesehen werden meines Wissens mittlerweile genau wegen der Gefahr, Daten ausspähen zu können, wieder vermehrt Zufallsgeneratoren (Routinen meine ich natürlich...) eingesetzt.

 


nochmals Elias Schwerdtfeger:

Ein Problem liegt in der Erzeugung des "Zufalls".

Zumindest die alten Bergmann-Kisten haben einen Algorithmus zur Erzeugung von Pseudozufallszahlen verwendet. Dabei wird eine Rechenvorschrift auf einen Status angewendet, die die jeweils nächste "Zufallszahl" erzeugt, mit der dann der neue Status gesetzt wird. Vom gleichen Status ausgehend, wird immer die gleiche Folge von "Zufallszahlen" erzeugt.

Diese Reihe von Zahlen hat viel Ähnlichkeit mit wirklichem Zufall. Die Ergebnisse sind gleich verteilt und ohne Kenntnis des Verfahrens nicht von wirklich zufälligen Ergebnissen zu unterscheiden. Aber sie sind eben auch determiniert, das heißt, unter Kenntnis des Verfahrens und des aktuellen Zustandes des Zufallsgenerators vorhersagbar. Das ist das "Pseudo" im Wort Pseudozufallszahlen.

Warum man das so macht?

Es ist mathematisch gut verstanden und deshalb ist nicht mit Überraschungen zu rechnen, die sich womöglich noch zum Vorteil des Spielers auszahlen.

Außerdem ist es sehr billig. Wenn man eh schon einen Mikroprozessor hat, dann kann man auch den "Zufall" programmieren, vor allem, wenn das "Programm" dafür weniger als zwanzig Zeilen hat, die mathematisch sicher beherrscht werden.

Die Alternative bestünde in der Verwendung wirklichen Zufalls, etwa eines Gerätes, das weißes Rauschen generiert und seinen Signalpegel an einen A/D-Wandler sendet, um auf diese Weise zufällige Zahlenfolgen zu erzeugen. Ein solches Signal wäre, wenn man beim Aufbau zu einfach vorgeht, allerdings durch gezielte Einstrahlungen manipulierbar - alles, was der Spieler dafür bräuchte, wäre ein geeignet gebauter Sender mit kleiner Leistung. Deshalb sind Lösungen, die echten und manipulationssicheren Zufall in einer "Blackbox" anbieten, auch relativ teuer und würden die Stückkosten pro gebautem Automaten steigen lassen.

Eine andere Alternative wäre das Einfließenlassen der Aktionen des Spielers, zum Beispiel der Zeitpunkt, zu dem ein Spiel gestartet wird, zu dem eine Taste gedrückt wird usw. Im einfachsten Fall lässt man die Zahlenfolge permanent im Hintergrund erzeugen und ruft eine Zahl nur dann ab, wenn sie wirklich benötigt wird - ein solches Spiel wäre für Hersteller und Spieler praktisch unvorhersehbar und damit als zufällig zu betrachten. Warum man nicht so vorgeht, ist mir ein Rätsel. Vielleicht wird damit eine Manipulationsmöglichkeit befürchtet, die beim Pseudozufall durch den feststehenden Ablauf eben nicht gegeben ist. Wenn's gut gemacht ist (und das Ergebnis etwa in Abhängigkeit von der millionstel Sekunde eines Eingabesignales steht), dann ist eine Manipulation aber praktisch nicht durchführbar, da die mechanische Trägheit der Bedienelemente der Präzision Grenzen setzt.

Offenbar fühlen sich Automatenhersteller (und ihre Kunden, die Automatenaufsteller) wohler, wenn das gesamte Spielgeschehen mit einfachster Mathematik analysierbar und simulierbar ist. Und die Kunden der Automatenaufsteller, also die Spieler, scheinen zumindest in Dummland so ziemlich jede Scheiße zu fressen. Da muss man nicht einmal mehr verbergen, dass der Spielablauf feststeht; dann läuft die Walze nach dem Stoppen eben vor jedem Gewinn noch ganz auffällig eine halbe Sekunde durch.

Nein, Glücksspiele sind das nicht mehr. Oder genauer: Glücksspiele sind es nur noch für jene, die die verwendeten Programmiertechniken nicht kennen. Auf der Seite der Auf- und Hersteller dieser Abzock-Zockmühlen wäre es sogar die Möglichkeit, die Kassenergebnisse der nächsten Tage zuverlässig zu prognostizieren.

Neben dieser kleineren Schweinerei gibt's aber noch die ganz große Verarschung, und die scheint bei allen heutigen Geräten die Regel zu sein.

Diese liegt in der Ungleichverteilung der Scheiben- oder Walzenstellungen, die für jedes moderne Gerät zu gelten scheint.

Früher, als die Dinger noch "mechanischen Zufall" produzierten, konnte sich der Spieler mit der Belegung der Umlaufkörper vertraut machen (das ging auch bei Walzengeräten ein bisschen) und dadurch sicher abschätzen, wie wenig wahrscheinlich gewisse Ergebnisse waren. Wenn's 12 Scheibenstellungen gibt, und nur in einer Stellung wird das für den Gewinn einer bestimmten Serie erforderliche Symbol dargestellt, dann ist die Rechnung einfach. Das gewünschte Ergebnis ist eines unter 1728 möglichen Ergebnissen, es wird (beim 30Pfg-Spiel) im Schnitt nach ca. 520 DM Einsatz erscheinen. Ebenso lassen sich Kleingewinne abschätzen, und so gelangt man schon optisch und mit wenig Überlegung zu einer Vorstellung, ob es sich um ein "gutes" oder "schlechtes" Gerät handelt. Beim Spiel mit ungleich verteilten Stellungen wird der optische Eindruck gezielt betrogen.

Am schnellsten macht man sich einen optischen Eindruck davon, wie viele karierte, farbig hinterlegte oder sonstwie hervorgehobene Felder in der Serie einen Gewinn bringen werden. Wie wenig die scheinbare Anzahl der karierten Felder mit der Schmeißfreudigkeit heutiger Kisten zu tun hat, kann jeder selbst untersuchen. Es ist somit nach Augenschein nicht mehr möglich, den Wert einer Serie vernünftig einzuschätzen, dafür bedarf es (meist teurer und manchmal schmerzlicher) Erfahrung.

Diese Erfahrung war's denn auch, die mir das Zocken so gründlich verleidet hat. Wenn man 24 Sonderspiele auf einer Kiste hat, die auf ca. der Hälfte der Felder einen 3DM-Gewinn bringen sollte und nur drei Gewinne kriegt, kommt man sich doch etwas verarscht vor. Wenn man das an der gleichen Kiste (zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten) mehrmals erlebt, dann weiß man, dass die Verarschung System hat. Ich weiß nicht mehr, was für eine müde Mühle das war, aber beim dritten Mal hat's gesessen, und seitdem kann mich nichts mehr reizen, was mich mit großen Zahlen anblinkt.

Und wenn ich dann bei einem oberflächlichen Blick sehe, wie viele verschiedene Serientypen mit so ein Gerät anbietet (damals gab's so etwas ähnliches mit Gold, Silber und Bronze, aber das ist lange her und das war auch nicht direkt eine Verarschung), dann denke ich mir nur, dass die ganz normale Serie an der Kiste gar nix mehr wert sein wird.

Schade, dass sich die Scheiße in Dummland immer durchsetzt. Es muss daran liegen, dass es zuviele Menschen gibt, die diese Scheiße fressen. In der Zockhalle wie im Bundeskanzleramt. (Nein, ich meine damit nicht nur Frau Merkel, auch ihr Vorgänger war nicht unbedingt ein Mensch, der charakterlich geeignet war, die Richtlinien der deutschen P'litik zu bestimmen. Und über die mafiös anmutenden Verstrickungen des Kohlregimes brauche ich mich hoffentlich nicht weiter auszulassen. Bei der letzten Wahl konnten wir zwischen Pest und Cholera wählen. Jetzt haben wir Pest und Cholera.)

Von daher ist die neue Spielverordnung (ich habe sie gelesen, ich habe gekotzt und ich habe beschlossen, auf's Zocken auch weiterhin zu verzichten) nur eine juristische Absegnung dessen, was schon lange lange üblich ist. In dieser Verordnung ist die Möglichkeit eines wirklich zufälligen Spieles gar nicht mehr vorgesehen, ein Automat, der nicht gewisse Garantien über Gewinne und Verluste in einem Zeitraum gibt, ist nicht mehr zulassungsfähig. Dass man dabei die niedrigst mögliche Auszahlquote kaum sichtbar im Gesetzestext deutlich unter die 50 Prozent gedrückt hat, setzt auch nur einen schon länger bestehenden Trend fort.

Nochmal am Ende ganz klar: Alle elektromechanischen Geräte, die viele hier (so auch ich) so sehr mögen, wären nach der neuen Spielverordnung nicht zulassungsfähig. Ein zulassungsfähiges Gerät muss über gewisse Zeiträume (im Gesetzestext ist von einer Stunde die Rede, wie die Prüfstellen diesen Text interpretieren werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen) gewisse konkrete (also nicht statistische) Auszahlungen garantieren. Und damit ist für alle aktuellen und kommenden Geräte kein "zufällig" verlaufendes Spiel mehr vorgesehen, sondern nur noch der Ablauf eines festgeschriebenen Programmes.

So sieht's aus, wenn die P'litik einseitig die Interessen der Wirtschaftsvertreter zum Maßstab nimmt, an dem das Land gestaltet werden soll. Das soll ja angeblich Arbeitsplätze schaffen und so weiter. Es führt aber in der Praxis zur Allgegenwart des Schwindels und des Über'n-Tisch-Gezogenwerdens. Diese Spielverordnung, die das letzte spielerische Element aus dem Spiel nachhaltig entfernen wird, ist dafür nur ein Beispiel, und das hier ist leider kein p'litisches Forum.

Und deshalb gehe ich jetzt schlafen. Und träume von den Zeiten des Rotomat Astor (mit Klack-Klack-Einsatzabzug, bei dem man dachte, das Zählwerk geht kaputt) und der Rotamint Super Bingo (mit Zeigerzählwerken). Das war auch schon Beschiss, aber es war ehrlicherer Beschiss...

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