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Geräuschbilder

Das erste ist die Mint und die Mint Super von NSM - diese Mischung aus weitgehender Geräuschlosigkeit mit dem immer noch mechanischen Zählwerk und den mit deftigem Geräusch anlaufenden und anhaltenden Walzen ist großartig. Zu allem Überfluss verblüfft das Zählwerk durch seltsame und unerwartete Rhythmen in der Aufzählung, da beim Übertrag die beiden Walzen nacheinander (statt wie üblich gleichzeitig) hochzählen - so weit ich weiß, ist das einmalig.

So weit, so gewöhnlich. Aber mein zweiter Favorit wird ob seiner etwas hässlichen Farbwahl mehr Widerspruch hervorrufen - aber ich spreche ja von Geräuschen. (Die Kombination von orangegelb, blau und weiß sowie roten und gelben Einsprengseln mit dem metallisch glänzenden Lichtschacht finde ich aber keineswegs misslungen.) Das ist nämlich die (na so was, schon wieder NSM) Record 100 - hier wegen des tönenden Chaos von drei (in Wirklichkeit sogar vier) verschiedenen Zählwerkstypen. Da war zum einen für die kleinen Serien ein klassischer, etwas zu groß geratener Zeiger, der mit deutlichem doppelten klick-klick-klick-klick-klick die 10er-Serie aufzählte (und bei der 5er kam das eben nur einmal). Dann gab's einen motorgetriebenes Guthabenzählwerk mit einem sehr eigenen, schwer zu beschreibenden Geräusch. Dieses verhielt sich besonders interessant beim Einwurf eines Heiermannes, da es bauartbedingt nur 10 Schritte zu 20 Pfennig auf einmal aufzählen konnte, und so zählte es während des Spielverlaufes nacheinander mit einer kurzen Pause dazwischen 2 DM, 2 DM und 1 DM auf. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt's noch einen dritten sichtbaren Zähler für die 70er- und 100er-Serien, der völlig den später im Exquisit Royal verbauten Zählern entspricht und wieder einen völlig anderen Sound beisteuerte. Wenn man die Kiste ein bisschen kannte, brauchte man niemals hinzuschauen, da die Gewinnhöhe vollkommen aus den charakteristischen Geräuschen hervorging.

Wo ist da nun der vierte Zählwerkstyp bei der record 100? Den sieht man gar nicht. Es handelt sich um ein kleines internes Schrittzählwerk für Groschenbeträge, das nötig geworden war, weil das eigentliche Guthabenzählwerk nur in 20 Pfg-Schritten zählen konnte. Wenn man ein 50 Pfg-Stück einwarf, so startete das Spiel, es wurden 40 Pfg aufgebucht und dieses interne Zählwerk machte einen Schritt, einzig sichtbar an einer Leuchtanzeige "+ 10 Pfg". Bei Einwurf mehrerer 50 Pfg-Stücke hintereinander wurden diese zusätzlichen Groschen angesammelt und zu einem späteren Zeitpunkt unter einem weiteren, recht auffälligen Geräusch aufgezählt. Wenn hier ein Groschen allein übrig blieb, nachdem zum Spielende der Guthabenzähler auf 0 stand, dann wurde dieser Groschen unmittelbar vor dem Anhalten der Nockensteuerung ausgezahlt. Dies geschah natürlich auch nach einem Druck auf die Rückgabetaste, dann kam der letzte Groschen aber wegen der sonderbaren Konstruktion dieser ganzen Angelegenheit mit einer deutlichen arhythmischen Verzögerung heraus. Allerdings konnte ein einzelner, eingeworfener Groschen nicht mit der Rückgabetaste ausgezahlt werden - oder ich war einfach zu dusselig, jede Feinheit der Nockensteuerung richtig zu rücken...

Kurz: Der Record 100 - so hässlich, wie manch einer ihn von seiner Optik her finden mag - ist (wohl eher unfreiwillig) die Orgel unter den elektromechanischen Geräten gewesen. Neben den vertrauten Klackerticken der Nockensteuerung und der dabei angesteuerten Relais wird das Ohr von den zwar relativ leisen, aber doch immer noch recht knackigen Start- und Bremsgeräuschen der drei Scheiben verwöhnt und darf dazu den Klängen aus vier völlig verschieden aufgebauten Zählwerken lauschen. Zu allem akustischen Überfluss gibt es auch noch die Direktauszahlung von Zwickeln beim Gewinn in Großserien, und die Konstruktion der Auszahlschale aus Kunststoff (mit wohlplatziertem kleinem Hohlraum darunter) machte diesen Vorgang - ebenso wie jede andere Auszahlung - sehr deutlich hörbar.

Kein elektronisches Geplärr der Jetztzeit kann mir solche Klangerlebnisse ersetzen. (Schade, dass ich den nicht mehr habe! Diese Kiste aus einer technischen Übergangszeit wirkte zwar ziemlich zusammengestrokelt, war aber im Innenleben auch geradezu faszinierend, wenn sie sich bei Problemen auch gern als eine Frühform des Tamagotchi entpuppte.)

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Dazu eine wunderbare Diskussion