Text Size

Die Siebziger kamen - und damit auch neue Technik / Rotamint Goldene 7&8 (1969)

zzz100-goldene7und8

Die Rotamint Goldene 7&8. Der Grundstein für ein halbes Jahrzehnt zukunftsweisender Spielautomatentechnik war gelegt. Prinzipiell könnte man dieses Gerät schon als das erste "Exquisit-Gerät" verstehen. Dadurch jedoch, dass die Goldene 7&8 nur einen Lichtjackpot besitzt (und das war untypisch für Exquisit-Modelle, welche zunächst immer zwei, später dann sogar drei Jackpots hatten), ist dieses reine Ansichtssache - ich persönlich jedenfalls zähle dieses Gerät noch nicht dazu.

Logo_2

Sowohl technisch als auch vom Spielsystem gab es eine ganze Menge neuer Spielelemente. Technisch ist eines der auffallendsten Merkmale, dass die Goldene 7&8 mit zwei "uhrenartigen" Zählwerken mit Zeigern mit je 40 Stellungen ausgestattet ist - eine für den Münzspeicher und eine für die Sonderspiele. Dies hatte damals gleich mehrere Vorteile. Bei dem bis zu 3,90 DM speichernden Münzzählwerk zum einen, dass man nun die Möglichkeit zur Münzvorlage mit allen Münzen bis zu einer Mark hat, ohne erst den Wechselprozess absolvieren zu müssen und zum anderen, dass Kleingewinne komplett und bei Gewinnen über einer Mark zumindest die Groschenanteile auf das Zählwerk zum Weiterspielen vorgelegt werden, wodurch wiederum das lästige Nachmünzen ausgezahlter Kleingewinne entfällt. Fortan war es also auch erstmals möglich, sich vom Gerät zu entfernen ohne das Spiel unterbrechen zu müssen. Für die Sonderspiele bietet sich durch die neuen Zählwerke erstmals die Möglichkeit, mehrere Serien von Sonderspielen hintereinander auszulösen, selbst dann, wenn eine angefangene Serie noch nicht beendet ist. Bedingt durch die vierzig Stellungen der "Uhren" können das bis zu 40 Sonderspiele in Folge sein. Zudem bot das Gerät auch erstmalig die Verlockung, im günstigsten Fall bei Auslösung des Lichtjackpots 30 Sonderspiele auf einen Schlag mit der auslösenden Kombination gewinnen zu können. Zur Erinnerung: Bis dahin gab es nur eine Art von Sonderspielen, die "goldenen Serien von zehn Spielen" und immer nur eine gleichzeitig, nicht mehr und nicht weniger - für den Fall, dass die alten Geräte überhaupt über ein Spielsystem mit Serienspiel verfügten... Hinzu kamen auch die - ebenfalls neuen - goldenen Felder auf der mittleren Spielscheibe, welche in den Serien, wenn man die Erhöhung der Kleingewinne auf den Höchstgewinn berücksichtigt, die Trefferquote auf deutlich über 50% anheben.

 

 

Ein weiterer Pluspunkt für den Spieler war der Joker in der Mitte, welcher bei NSM damit erstmals Einzug erhielt. Allein schon diese neuen und geradezu als "innovativ" zu bezeichnenden Spielelemente bedeuteten ganz neue Anreize für die potentielle Spielerschaft. Das Erscheinungsbild des Jokers mit seinem markanten, NSM-typischen Gesicht blieb übrigens bis auf nicht nennenswerte, zu dem sehr kurze Unterbrechungen, bis zum Ende der neunziger Jahre, also rund 30 Jahre unverändert. Dieses gilt als einmalig in der deutschen Automatengeschichte. Lediglich die Farbe der Mütze des "Freundes" eines jeden Spielers variierte von Modell zu Modell gelegentlich zwischen blau, grün und türkis, wobei die Mütze bei einigen Modellen (so wie auch bei der Goldenen 7&8) zweifarbig war. Auch dabei wurde an den Grün- und Blau-Tönen festgehalten. Selbst die Jahrtausendwende überlebte der NSM-Joker und ist noch immer mit nahezu unverändertem Aussehen bei vielen Geräten vertreten. Ein scheinbar niemals alternder Joker... Er etablierte sich neben der Goldenen Sieben von Anfang an zum zusätzlichen Aushängeschild und Markenzeichen und gleichzeitig zum Symbol des Glücks bei den Löwenautomaten.

So wie schon einige der letzten Groschengeräte, haben die Spielscheiben der Goldenen 7&8 dann auch wieder Gewinnbeträge statt der Ziffern der Jubiläums-Baureihe. Dies sollte auch knapp zehn Jahre lang, bis zu den nächsten Jubiläumsgeräten Ende der siebziger (Mint und Mint Super, mit Fruchtsymbolen und Maschinen mit echtem Slot-Maschinen-Antrieb...) ausnahmslos so bleiben. Wenn auch Spielscheiben oder Walzen mit Gewinnbeträgen nicht unbedingt immer der "optisch schönere Weg" sind, aber dadurch, dass dieses System ohne Zweifel der Transparenz des Spielgeschehens zu Gute kommt, hat sich dieses bis auf einige wenige Ausnahmen bis zur Gegenwart durchgesetzt. Darüber hinaus wurde eingeführt, dass alle Gewinne (also auch die Kleingewinne) durch einen Gong signalisiert wurden, was sich ebenfalls bis zur Einführung von Mikroprozessorgesteuerten Geräten konstant bei allen Geldspielern aller Fabrikate durchsetzte.

 

Der neue Jackpot - revolutionär und Faszination pur. Anders als beim ersten Lichtjackpot (bei der Super Sieben), galt es nicht mehr, Silben zu komplettieren, sondern es war jedem einzelnen Gewinn ein eigenes Feld mit einem der Buchstaben (bzw. Ziffern/Zeichen) "g-o-l-d-e-n-e-7-&-8" zugeordnet, welches bei Erscheinen der zugeordneten Kombination beleuchtet wird. Die Reihenfolge in welcher die Lichter erleuchtet werden, spielte dabei keine Rolle, lediglich der zuletzt zu erzielende Gewinn wirkt sich auf die Anzahl der Sonderspiele bei Auslösung des Jackpots aus. Für den vollen Jackpot gibt es 20 Sonderspiele. Da bei der Goldenen 7&8 die Kombinationen "7-Joker-7" und "8-Joker-8" jeweils 10 Sonderspiele bringen, erhöht sich für den Fall, dass eine dieser Kombinationen zur Auslösung führt, die Prämie für den Jackpot von 20 auf 30 Spiele.

 

Für den technisch versierten Automatenliebhaber interessant: Erstmals wurde der Antrieb über zwei kleine Antriebs- und einen großen Zahnriemen mit den dazugehörigen Riemenscheiben realisiert. Der Antrieb über Spiralen und große Zahnradübersetzungen gehörte damit endgültig der Vergangenheit an und die neuen Geräte zeichneten sich dadurch durch einen ruhigeren und konstanten Lauf aus. Bei Restaurierungen derartiger Gerät gehen die Riemen zwar gelegentlich "Hops", jedoch ist dies nach mehr als dreißig Jahren verzeihlich und Ersatz lässt sich in der Industrie für Antriebstechnik in der Regel ohne größere Probleme beschaffen. Zudem kommt für die Steuerung der Geräte größtenteils nur noch Kleinspannung (12V u. 24V) zum Einsatz, was bei Testläufen das Hantieren im Gerät und die Einflussnahme in das Spielgeschehen relativ ungefährlich machen.

 

zzz100-goldene7und8

 

Auch das Gewinnabfragesystem war ein absolutes Novum. Bis dato wurden die Gewinne über Schleifkontakte abgefragt, welche teilweise sogar während des gesamten Spieles mitliefen. Bei der Goldenen 7&8 hatten die Spielscheiben hinten Verlängerte Achsen mit "Lochzapfen". Eine raffiniert entwickelte Mechanik von metallenen, kammartig angeordneten Abfragebügeln, erlaubte ganz neue Möglichkeiten der Gewinnauswertung. Über eine mechanisch gesteuerte Nocke werden die Bügel nach Stillstand der Spielscheiben freigegeben, welche sich darauf hin durch spannfedernähnliche Metallgleiter auf die Zapfen drücken. Bei einer Gewinnkombination kann der dazugehörige Bügel die Löcher der Lochzapfen vollständig passieren und schaltet mit der "Zunge" am linken oberen Ende Masse auf der Gewinnplatine durch, worauf die Gewinnabwicklung über die Programmwalze durchgeführt wird. Alles in allem für den Techniker einerseits eine bequeme Sache, denn bei Problemen mit der Gewinnabfrage vereinzelter Kombinationen kann es nicht mehr zu Verwechslungen und somit zu Fehldiagnosen kommen und der Fehler lässt sich schnell lokalisieren. Das liegt vor anderem daran, dass jeder Gewinn nur noch einen einzelnen Kontakt hat und darüber hinaus jede einzelne Kontaktstelle auf der Gewinnplatine mit der dazugehörigen Gewinnkombination gekennzeichnet ist. Andererseits jedoch ist für den Fall, dass das ganze einmal zu Reparatur- oder Wartungszwecken zerlegt werden muss, äußerste Vorsicht geboten. Der Zeitbedarf ist enorm, und die einzeln von der Mittelachse abzunehmenden Bügel müssen in exakt der selben Reihenfolge eingebaut werden, wie sie vorher angeordnet waren. Denn einige Bügel haben nur zwei oder einen Abfragearme, z. B. der für den Joker hat logischerweise nur einen in der Mitte. Dazugehörige Distanzscheiben sind ebenfalls zu berücksichtigen. Bei Unachtsamkeit kann das ganze sehr schnell mit einem "Puzzle" enden (ich spreche da aus Erfahrung...). Fairerweise muss man allerdings sagen dass diese Gewinnabfrage - wenn sie denn in einwandfreiem Zustand ist - sehr zuverlässig arbeitet. Ein wirklicher Nachteil für den Automatenfreund in punkto Gewinnabfrage ist allerdings, dass bei "Leichenausgrabungen diverser Kellerfunde" die Schmierung der mechanischen Teile meistens so stark verharzt ist, so dass diese sich mit reiner Handkraft nicht mehr bewegen lassen. Eine aufwendige Zerlegung und eine Reinigung der Gelenke von der mechanischen Nocke bis zum Bügelfreigabestift sind dann unumgänglich (mit bauartbedingtem Umweg oben aus dem Maschineninneren, heraus und unten wieder hinein...).

 

Ansonsten ist der Aufbau der neuen Gerätegeneration so "technikerfreundlich", wie man in der Vergangenheit nur hätte von träumen konnte. Für die Wartung und Reparatur sind so gut wie alle Teile bequem erreichbar und schnell und einfach zu öffnen bzw. zu zerlegen. Selbst die Reinigung der optische Teile für ein zum Spielen einladendes Erscheinungsbild der Geräte ist recht problemlos durchzuführen, da die in Frage kommenden Teile ebenfalls relativ einfach zugänglich sind. Daran hätte sich der eine oder andere Mitbewerber auf dem schon damals hart umkämpften Automatenmarkt ein Beispiel nehmen können.

 

In den nachfolgenden zehn Jahren erwies sich, dass es mit diesem völlig neuen Gerät einen solch großen Fortschritt in der Geschichte der NSM-Geldspielautomaten erst wieder mit Einführung der Mikroprozessortechnik gab. In der ersten Hälfte der siebziger Jahre wurde der "technische Grundriss" der Rotamint Goldene 7&8 bei allen Nachfolgemodellen beibehalten. Es gab lediglich kleinere Veränderungen im Sinne der technischen Weiterentwicklung und solche, die der Anpassung an die Spielinhalte der unterschiedlichen Modelle dienten.