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Rotamint Exquisit Gold (1975)

Die zweite Hälfte der Exquisit-Generation besteht aus vier weiteren Modellen, welche in unmittelbarer Folge erschienen. Im Gegensatz zur ersten Hälfte gab es keine Unterbrechungen durch Produktionen anderer Geldspieler. Mit Erscheinen der Rotmint Exquisit Gold kehrte das typische NSM-Design zurück. Auch der altbekannte Joker mit seinem kantigen Gesicht zierte nun wieder die mittlere Spielscheibe und die goldene 13 aus der "gelben Baureihe" verschwand für immer von der Bildfläche. Altbewährtes aufgepeppt mit mehr Farbe, mit der neuen 9er-Verlängerungsleiste und ab der Exquisit Royal sogar mit einem dritten Jackpot, dazu noch abermals weiterentwickelte Technik machten das Spiel faszinierender und spannender denn je...

Rotamint Exquisit Gold (1975)

Was muss es für die Automatenfreunde und Insider der Spielerschaft für ein Anblick gewesen sein, das erste mal vor der neuen Exquisit Gold zu stehen... Die Frontscheibe in einer Farbe, die man eigentlich gar nicht genau definieren kann, nennen wir es eine Art Mischung aus Zitronengelb, Olivgrün und Ocker, dazu "fein gekräuseltes" Struktur-Muster. Im oberen Bereich der Scheibe, dort, wo einst das Blech mit dem Schriftzug Positioniert war, auf silberfarbenem Grund (welcher scheinbar das einstige Stirnblech nachahmen soll) in mintgrünen Buchstaben der Rotamint-Schriftzug, darunter goldgelb die Gerätebezeichnung Exquisit Gold in kleinen Buchstaben, das ganze strahlend hell durchleuchtet durch die direkt dahinter positionierte obere Leuchtstoffröhre. Die untere Leuchtstoffröhre hingegen (wie üblich gleichzeitig zur Ausleuchtung der Spielscheiben und der Anzeigetafel genutzt) durchleuchtet eine Verzierung, welche mit etwas Phantasie in etwa einer verschönerten, mehr ins Detail gehenden Vergrößerung des Struktur-Musters entspricht (ebenfalls in mintgrün). Auch die Lackierung der Schablone aus Metall zum Ablesen der Spielscheibenstellungen ist dem Struktur-Muster angepasst. Die Anzeigetafel aus Metall im unteren Bereich der Scheibe wich einer solchen aus Kunststoff, welche von hinten lackiert wurde, was ein besonders edles, kristallenes Glänzen bewirkt. Ein weiterer Vorzug der Kunststofftafel war, dass sie nun noch intensiver in das Spiel einbezogen werden konnte, denn es bot sich die Möglichkeit an, verschiedene Spielsituationen und Spielhinweise genau so wie bei der eigentlichen Frontscheibe durch Leuchten oder Blinken von bunten Feldern kenntlich zu machen. Die Anzeigen für Sonderspiele und Münzspeicher sind nun alle einheitlich, bestehend aus insgesamt drei Doppelzählwerken mit optimal abzulesenden Ziffernanzeigen. Abgerundet wird das ganze durch die zwei goldfarbenen Seitenscheiben, auf der linken Seite nach altbekannter Manier die beiden Lichtjackpots, oben der "Gold"-, unten der "Record"-Jackpot, wobei letzterer der wertvollere ist.

 

 

1,80 DM-Gewinn? Von wegen... In Normalspielen gibt´s bei dieser Kombintion nur 1 DM.

Wenn allerdings durch die Kombination der Gold-Jackpot komplettiert wird,

werden zusätzliche 30 Sonderspiele gegeben. Aber eben auch nur dann...

 

Neu bei den Jackpots war, dass nun beide einen höheren Gewinn bringen, wenn die Auslösung durch den jeweils untersten Buchstaben mit "der goldenen Kombination" erfolgt. Der Gewinn wird dabei deutlich höher angehoben, als es in der Vergangenheit der Fall war. Der "Gold"-Jackpot im Wert von 10 Sonderspielen wird durch Auslösung mit 7-7-7 oder 7-J-7 um 20 zusätzliche auf 30 Spiele erhöht. Der "Record"-Jackpot wird sogar um 30 von 20 auf 50 Sonderspiele erhöht, sofern er durch 8-J-8 ausgelöst wird. Somit liegt das Potential beider Jackpots zusammen im schlechtesten Fall nach wie vor bei 30, im günstigsten Fall jedoch jetzt bei 80 Sonderspielen, also eine glatte Verdoppelung im Vergleich zu den alten Exquisit-Geräten. Ohne Jackpot-Auslösung wird bei der Kombination 8-J-8 eine 10er-Direktserie ausgelöst, 7-7-7 oder 7-J-7 außerhalb von Sonderspielen bringen ohne Jackpotauslösung nur 1 DM. Dafür ist die goldene Sieben jetzt aber auf den äußeren beiden Spielscheiben jeweils zwei mal zu finden und auf der mittleren Scheibe ist außer dem Joker nun ebenfalls eine goldene Sieben dabei.

 

Nur bei dieser Kombination werden 1,80 DM als Gewinn gegeben

und das entsprechende Feld im Gold-Jackpot beleuchtet.

 

 

Eine Sache dürfte aber bei allen Spielern generell für Verwirrung und teilweise auch zu "Unstimmigkeiten" geführt haben. In der Regel wird bei allen Spielautomaten bei gleichzeitigem Erscheinen von zwei Gewinnkombinationen (in Verbindung mit dem Joker) die höherwertige gegeben. Das gilt auch für die Exquisit Gold. Dennoch gibt es hier eine Ausnahme: Die goldene Sieben ist auf den äußeren Spielscheiben je einmal in Verbindung mit der 80 Pf, und einmal mit der 1,80 DM vorhanden. Zeigen die Scheiben exakt die Kombination 7/1,80-J-7/1,80, so sollte man davon aus gehen können, dass man einen Gewinn von 1,80 DM erzielt habe. Leider hat man dabei jedoch die Rechnung ohne die Exquisit Gold gemacht. Denn scheinbar war es bei diesem Gerät ein ungeschriebenes Gesetz, dass Symbolgewinne vor Geldgewinnen gelten, und wie bereits beschrieben bringt die Kombination 7-J-7 eben nur 1 DM. Dieser Sachverhalt war offenbar dafür verantwortlich, dass die Anzeigetafeln einiger Geräte späteren Herstellungsdatums mit einem zusätzlichen (nachträglich aufgedruckten!) Hinweis "Alle Gewinnkombinationen sind auf der linken Seitenscheibe dargestellt" versehen wurden. Denn dort wird die Gewinnkombintion für 1,80 DM auch als einzige ohne Joker dargestellt. Aber damit nicht genug. Nicht nur, dass einem gerade noch zu verkraftende 80 Pfennig durch die Lappen gehen - fehlt nur noch der 1,80 DM-Gewinn im Gold-Jackpot, so ist das Erscheinen der angesprochenen Kombination besonders ärgerlich... Die 1,80 ist auf der mittleren Scheibe im übrigen ebenfalls zwei mal vertreten, womit die Treffer-Quote bei der entsprechenden Stellung der äußeren Scheiben im laufenden Spiel für beide Gewinne mit einer Chance von jeweils 1:5 gleichverteilt ist. Um den Gold-Jackpot mit 30 statt 10 Sonderspielen zu laden, ist man infolge dessen, dass die 1,80 DM nur zusammen mit der goldenen Sieben auf den äußeren Scheiben aufzufinden ist, gezwungen auch auf die goldene Sieben zu Spielen, welche zudem auch noch wesentlich häufiger gegeben wird, als die 1,80 (vergl.: 1,80 DM=2:1726, 7-7-7 bzw. 7-J-7=8:1720). Und ist das "d" im "Gold"-Jackpot erreicht, bevor alle anderen Buchstaben leuchten, dann können nur noch die 10 Sonderspiele erzielt werden. Positiv wirkt sich das ganze erst in Sonderspielen aus... nämlich in der neuen 9er-Verlängerungsleiste...

 

Die neue, faszinierend bunte 9er-Leiste bietet lukrative Verlängerungschancen in einem Maße, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Die letzten 9 Spiele einer jeden Serie werden parallel zu dem Zählwerk auf einem Lichtband von 9 bis 1 durch blinkende Felder angezeigt. Dabei wird jeweils vier mal die Chance auf 50 und einmal die Chance auf 100 weitere Sonderspiele, auszulösen durch 7-7-7 oder 7-J-7, geboten. Durch die Häufigkeit der auslösenden Gewinnkombinationen werden diese Verlängerungen für damalige Verhältnisse relativ oft gegeben. Auch die übrigen vier Felder bieten dreimal 2 und einmal 10 zusätzliche Sonderspiele, einfach auszulösen durch den Joker. Das bedeutet, dass auch eine kleine 10er-Serie ein Höchstmaß an Spannung mit (mindestens...) 9 Verlängerungschancen in Folge bietet. Die Verlängerung um 50 oder 100 Spiele schließt zwar alle weiteren Verlängerungen bis zum Ende der Serie aus und die Verlängerungsleiste bleibt inaktiv, anderweitig erzielte Sonderspiele durch Jackpotauslösung oder die 10er-Direktserie durch 8-J-8 werden jedoch weiterhin ohne Limit bis max. 109 aufgezählt. Als zusätzliches Bonbon bleibt der Spielezähler so lange auf Feld 1 stehen, bis ein Goldfeld erscheint. Bei Eintreffen von 2-DM-Gewinnen durch eine Gewinnkombination ohne Goldfeld bleibt das letzte Spiel ebenfalls erhalten, sodass in auf Stellung 1 des Spielezählers sogar mehrmals 2 DM gewonnen werden können. Bei Erscheinen des Jokers werden dann bei aktiver Verlängerungsleiste sogar wieder zwei Spiel dazugegeben.

Bei der Exquisit Gold gibt es viele Möglichkeiten, große Serien auszulösen. 100 Spiele in Folge können z. B. auch durch den 50er-"Record"-Jackpot plus 50er-Verlängerung erzeilt werden. Steht dazu noch der "Gold"-Jackpot optimal für 30 Spiele, dann können 130, bei 100er- statt 50er-Verlängerung sogar 180 Spiele in Folge erzielt werden. Auch wenn nach der 50er- oder 100er-Verlängerung keine weitere Verlängerung mehr geboten wird, so sind theoretisch durch weitere Jackpot- oder Direktserien die 180 Spiele noch steigerungsfähig - die nötige besonders große Portion Glück vorausgesetzt...

 

Die komplett neue Gestaltung der Anzeigetafel bei der Exquisit Gold: Sowohl Münzspeicher als auch Sonderspiele wurden

seit Erscheinen dieses Gerätes einheitlich über Walzenzählwerke angezeigt. Erst mit Einführung der

Mikroprozessortechnik wurden diese Zählwerke abgeschafft und durch Displays ersetzt. Unter den Zählwerken befindet sich die

neue 9er-Verlängerungsleiste mit attraktiven Gewinnmöglichkeiten. Dadurch, dass die neue Anzeigetafel nicht mehr aus Metall

sondern aus Kunststoff bestand, wurde die Möglichkeit genutzt, die Zahlenfelder in der Verlängerungsleiste

je nach Walzenstellung des Sonderspielezählwerkes aufleuchten zu lassen.

 

 

Auch hinsichtlich der technischen Ausstattung gab es viel Neues bei der Exquisit Gold. Insbesondere waren es die zwei neuen kompakten voneinander getrennten Münzeinheiten, wobei die Annahme der 2-DM-Stücke von nun an auf der linken Seite eingerichtet war. Beide Münzeinheiten haben einen eigenen Geldüberlauf mit eigenem Kassenbehälter, wodurch die Münzen zumindest nach dem Prinzip "groß/klein" Vorsortiert werden. Die neuen kompakten Münzeinheiten hatten erstmals auch eine Münzröhre für 5-DM-Stücke, wodurch der Münzvorrat der 1- und 2-DM-Stücke bei Auszahlung eines größeren Betrages aus dem Münzspeicher nicht mehr so stark beansprucht wird, wie es in der Vergangenheit der Fall war. In den großen Serien, bei einem Zählerstand von mehr als 19 Spielen, erfolgt allerdings trotzdem die Direktauszahlung in Form von 2-DM-Stücken. Voraussetzung dafür ist natürlich der entsprechende Münzvorrat, ansonsten werden auch diese Serien-Gewinne auf den Münzspeicher addiert und anschließend in anderen Münzsorten ausgezahlt. Die Exquisit Gold war somit die erste, welche alle Münzsorten in Röhren "verwaltet" und zur Auszahlung nutzt. Ausgenommen davon sind lediglich die 50-Pf-Stücke, eine Auszahlung dieser Münzen hat es sowohl bei NSM als auch bei sämtlichen Geräten aller anderen Hersteller nie gegeben (einige Ausnahme sind angeblich die Touromat-Geräte des Herstellers Panda, die Information ist allerdings unbestätigt). Das war wahrscheinlich auch einer der Gründe dafür, weshalb die Annahme von 50-Pf-Stücken in den 80er Jahren nach und nach fast gänzlich abgeschafft wurde... Besonders wartungsfreundlich bei den neuen Münzeinheiten ist, dass sie durch einfaches Lösen von einem Stecker (bzw. an der linken Münzeinheit zwei Stecker) und Entriegeln eines Federbügels innerhalb von Sekunden komplett aus dem Gerät zu entnehmen sind. Die Einheiten als solche beinhalten sämtliche für die Münzverarbeitung und -verwaltung in Frage kommenden Baugruppen wie Münzprüfer mit Münzsperren, Durchlaufkanal mit Mikroschaltern zum Aufbuchen der Münzen, Münzröhren mit Pegelschaltern und Auszahlschieber inklusive Magnetspulen. Die praktische Bauweise bewährte sich in so hohem Maße, dass diese kompakten Münzeinheiten bis in die Mitte der 80er Jahre, sogar in den prozessorgesteuerten Geräten verwendet wurden, wobei lediglich die Aufhängevorrichtungen der geänderten Gehäusebauform, sowie die Leiterplatten der neuen Elektronik angepasst und um Sicherheitslichtschranken ergänzt wurden. Gegenwärtig sind Einheiten dieser Art auch in Hinblick auf den Euro-Umbau sehr "bastlerfreundlich".

Neu war auch der Service-Schalter, welcher es erlaubt, den Programmablauf der Programmwalze an einer beliebigen Stelle anzuhalten und ihn anschließend wieder weiter laufen zu lassen, ohne dass das Programm anschließend in einen Foul-Durchlauf fällt. Diese Einrichtung ist in Bezug auf die Fehlersuche und -beseitigung in ausgezeichnetes Hilfsmittel.

 

Als Besonderheiten oder besser gesagt als Seltenheiten sind bei der Exquisit einige wenige Geräte (wahrscheinlich die ersten) mit grünem statt goldgelbem "Exquisit-Gold"-Schriftzug versehen worden. Dies ist insofern besonders Kurios, da dieser kleine Schriftzug nur einen verhältnismäßig sehr kleinen Teil der Frontscheibengestaltung darstellt (ca. 11,5x1,8 cm). Ebenso gibt es eine scheinbar äußerst geringe Anzahl von Geräten, in welchen eine gelbe statt einer grünen Anzeigetafel zu sehen ist. Ein solches Gerät mit gelber Anzeigetafel habe ich nur einmal besessen danach nie wieder (weder in natura noch auf Fotos oder Prospekten) gesehen. Verrückterweise war dieses Exemplar die erste Exquisit Gold, die ich besaß. Hätte ich seinerzeit um den Seltenheitswert des Gerätes gewusst, so wäre es sicher heute noch in meinem Besitz. Und auch ausgerechnet diese Rotamint sollte es auch noch gewesen sein, durch welche ich Thomas kennen lernte - es war das erste Gerät, was ich bei ihm kaufte.

 

Ziemlich selten: grünefarbener anstatt gelber "exquisit gold"-Schriftzug

unterhalb des großen Rotamint-Schriftzuges

 

 

So viel also zu der ersten Exquisit aus der zweiten Hälfte dieser erfolgreichen Modellserie. Im übrigen sind die Geräte im Laufe der Jahre immer größer geworden. Insbesondere in der Höhe, aber auch in der Tiefe "wuchsen" die Geräte stetig, nur die Breite blieb unverändert. So war die erste Exquisit 1971 mit einer Höhe von 76 cm und einer Breite von 56 cm noch recht "handlich". Dagegen ist die Exquisit Gold mit 59 cm Breite, 84 cm Höhe und 27 cm Tiefe, bei einem Gewicht von rund 45 kg schon ein ganz schöner Klotz...

 

Äußerst selten: Rotamint Exquisit Gold mit gelber Anzeigetafel.

 

 

 

Der "gold"-Jackpot, der "record"-Jackpot und der Jackpot-Gewinnplan