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Wenn der Traum vom Glück zum Alptraum wird

Eine Besprechung des Automatenmarktes 6/94:

Für viele unserer Leser dürfte diese Überschrift bereits gedeckt sein, wenn der Name eines der Autoren des Buches fällt, das hier vorgestellt wird: Dr. Gerhard Meyer. Der Begründer der Spielsucht hat zusammen mit Dr. Meinolf Bachmann, Psychotherapeut an einer Suchtklinik, ein Buch unter dem Titel herausgebracht: „Glücksspiel. Wenn der Traum vom Glück zum Alptraum wird".

Was hat die Ankündigung eines solchen Buches in unserer Fachpresse zu suchen? Man kann natürlich der Auffassung sein, daß die Aussagen notorischer Gegner des von uns vermarkteten Freizeitvergnügens einfach nicht zur Kenntnis genommen zu werden brauchen. Hätten die Repräsentanten unserer Spitzenverbände ebenso gedacht, dann wären wissenschaftliche Gutachten nie zustandegekommen, durch welche die Suchtthese von Meyer und seinen Anhängern gründlich widerlegt worden ist. So wie der weitblickende Kaufmann permanent die Konkurrenz beobachtet, um seine Marketingentscheidungen daran zu orientieren, kann es zumindest nicht schaden zu durchschauen, mit welchen Argumenten Kritik an unseren Freizeitdienstleistungen öffentlich zu Felde gegangen wird.


Die Attacken von Meyer und Anhängern seiner Suchttheorie haben unserer Branche weiß Gott nicht nur geschadet. Zu den positiven Folgen zählt, daß sich die Unterhaltungsautomatenwirtschaft ernsthaft damit auseinandersetzen mußte und dabei vieles auch über sich selbst erfahren hat. Es sind Schutzelemente für gefährdete Vielspieler geschaffen worden, die weit über das hinaus reichen, was der Gesetzgeber fordert. Ein wesentlicher Beitrag zur gesellschaftlichen Integration unseres noch jungen Wirtschaftszweiges. Mag auch sarkastisch von „selbstver
stümmelnden" statt „selbstbeschränkenden Vereinbarungen" die Rede sein, welche unsere Spitzenverbände getroffen haben. Was unser Cartoon im AUTOMATEN MARKT vom Mai witzig aussagt, Meyer vor den Karren unserer Brancheninteressen gespannt, ist gar nicht von der Hand zu weisen. Ständige Falschaussagen über hohe Gewinnerwartungen an unseren Geräten, sind letztlich kostenlose Werbung. Professor Schilling von der Marburger Universität wirft Meyer gar vor, den inzwischen abgeklungenen Spielhallenboom erst ausgelöst zu haben.
Im übrigen hat sich Meyer längst von der Einseitigkeit seiner Vorwürfe gelöst. Die staatlichen Spieleinrichtungen wie Spielkasinos mit Automatensälen, Lotto, Toto, Pferdewetten, werden ebenso unter die Lupe genommen. Der Wahrheit zur Ehre muß er auch in Tabellen einräumen, daß gewerbliche Unterhaltungsgeräte mit Geldgewinnmöglichkeit mit ihren Umsätzen ganz am Ende der Skala liegen. Auch wird das Gerät selbst nicht mehr als Suchtauslöser angeprangert. Die Kumulation verschiedener Einflüsse ist jetzt unbestritten. Wie leicht Meyer Irrtümern unterliegt, geht für jeden Insider sichtbar aus einer Einschätzung der nach 17 Jahren endlich gewährten Spielpreis/Gewinnerhöhung von 30 Pfennig/3 Mark auf 40 Pfennig/4 Mark hervor. Dies sei gleichbedeutend mit einer Erhöhung des Spielanreizes behauptet er. Wie schwerfällig es sich im Markt durchsetzen würde, hat Meyer nicht durchschaut.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann „Wenn der Traum vom Glück zum Alptraum wird", Berlin 1993, 10 Abb., 9 Tab XIII, 260 Seiten. Gebunden DM 48,-. ISBN 3-540-56497-7.

 

 

Gluecksspiel