Text Size

Münzeinheit (Grundlagen)

 

Reinhold Lüders vom Merkur-Service in Lübbecke beschreibt nachfolgend den Weg vom Münzeinwurf in die Kasse. Gleichzeitig erklärt er, wie die Münzeinheit denken lernt


MP2Das Leben ist voller Selbstverständlichkeiten. Wir stehen morgens auf, pünktlich vom elektronischen Wecker aus dem Schlaf gerissen, benutzen den ergonomisch geformten Rasierapparat, der selbstverständlich funktioniert. Auf der Fahrt zum Arbeitsplatz begegnen uns die elektronischen Ampeln, die sich wie von Geisterhand dem Verkehrsfluß anpassen. Dreiviertel im Leben ist Routine - Gewohnheit. Man denkt einfach meistens nicht darüber nach, warum irgend etwas so und nicht anders ist. Wahrscheinlich ergeht es den meisten Automatenaufstellern und Automatentechnikern ähnlich im Alltagsleben.

 

Vieles - wenn nicht das meiste ist eben selbstverständlich. Im Alltagsgeschäft gehen Neuerungen schnell unter. Die Schnellebigkeit unserer Zeit verdeckt vieles. Als Beispiel nehme ich einmal die Entwicklung im Bereich des Münzeinlaufs/Münzeinheit. Als im Jahre 1976 der erste Merkur, der Merkur B, auf den Markt kam, war er doch mit nur einem statt zwei Münzeinwurfschlitzen ausgestattet - das sorgte damals für Aufsehen. Der Spieler mußte nicht mehr überlegen, welche Münze er links oder rechts einwerfen muß. Außerdem kam noch ein großer Servicevorteil hinzu: Weniger Bauteile können natürlich auch weniger Ärger verursachen. Bei MerkurGeräten wurde das Prinzip des einen Münzeinwurfschlitzes und damit nur eines einzigen Münzprüfers bis zum heutigen Tage verfolgt.

 

Schaut man sich die Geräte sämtlicher deutscher Produzenten im Jahre 1993 an, so fällt sofort auf, daß alle Hersteller darauf eingeschwenkt sind. Ab und an trat natürlich schon die Frage auf warum die Gauselmänner nicht den 50 Pfennig-Münzeinwurf ermöglichten. Was damals als Antwort richtig war, hat heute noch Geltung: Das 50 Pfennig-Stück hat nie eine große Rolle für das Einspielergebnis gespielt, zumal das weiche Aluminium oft Störungen verursachte - der technische Aufwand von zwei Münzeinheiten war inuner teurer. Zu ungeahnten Ehren kann das 50 Pfennig-Stück allerdings noch kommen,
nämlich mit dem 50 Pfennig-Spiel. Und das kommt hoffentlich auch irgendwann. Allerdings könnte dann das 10 Pfennig-Stück entfallen.

Nebenbei bemerkt hatte der Merkur B noch einen besonders spielerfreundlichen Zug an sich - der Münzspeicher blieb erstmalig erhalten, wenn die Röhren leer waren. Dem Spielgast ging also nichts verloren.

Bereits 1976 zum Patent angemeldet, aber erst 1982 beim ersten elektronischen Merkur Exzellent in Serie umgesetzt, wurde der sogenannte denkende Münzspeicher. Man stelle sich einmal vor, heutzutage gäbe es die vier LEDs neben dem Münzeinwurf noch nicht, die darüber Auskunft geben, ob die Münzröhren noch genügend gefüllt sind oder nicht. Unvorstellbar oder?
Zur Erinnerung: Merkur erfand das sogenannte Minimalstandblinken. Bei weniger als zehn Münzen blinkt der entsprechende Pfeil im langsamen Takt. Bei gähnender Leere im Münzrohr blinkt der Pfeil schnell. Der Merkur brachte noch weitere Neuerungen, die Branchenstandard wurden: Zum Beispiel die Auszahlgarantie - eng verbunden mit dem intelligenten Münzspeicher. Blinkt bei der Auszahlung einer der Einwurfpfeile im schnellen Takt, kann diese Münzsorte nicht ausgezahlt werden. Dank der Merkur-Erfindung, der Auszahlgarantie, ist eine ordnungsgemäße Auszahlung doch möglich: Durch Nachmünzung fillt der Bediener die Münzröhren soweit auf, daß die Auszahlung mit der nächsthöheren Münzsorte erfolgt.

MP1Beispiel: Die Auszahlung stoppt bei 0,70 Mark. Der Einwurfpfeil neben 0,10 Mark blinkt, die Röhre ist also leer. Jetzt wirft der Spielgast oder die Aufsicht 3 x 0,10 Mark nach und das Gerät zahlt 1 Mark aus.


Der Merkur Exzellent (1982) war seinerzeit als erstes Gerät mit einer Lichtschrankenüberwachung der Münzbewegung ausgestattet. Doch dies sollte noch nicht das Ende der intelligenten Münzeinheit sein. adp ließ nicht locker. Bereits 1983 kam ein Patent aus dem Vorjahr zum Einsatz, die sogenannte Münzröhrensteuerung. Diese Entwicklung hatte die Aufgabe zu entscheiden, daß so gut wie nur noch 5 Mark-Münzen in die Kasse fallen sollen. Der Aufsteller konnte individuell entscheiden, ob die Röhren der 1 und 2 Mark-Münzen 40, 50, 60 oder 70 Münzen fassen soll. Was zur Folge hatte, daß bei Gewinnen immer zuerst die 1 Mark- und 2 Mark-Röhre auszahlte, so daß 10 Pfennig-, 1 Mark und 2 Mark-Münzen in der Kasse nicht zu finden waren - eine echte Erleichterung bei der Kassierung.

Bei der neuesten Gerätegeneration hat adp noch ganz was Neues dazu entwickelt - die Münzröhrenstände können jetzt individuell zwischen 300 und 800 Mark, je nach Aufstellplatz, eingestellt werden. An vielen Plätzen als Anreiz wirkende Leerspielungen können also individuell provoziert werden. Werden 40 Pfennig/4 MarkGeräte auf Duo- oder Solo-Tresorständer gehängt, geht der Röhreninhalt sogar auf 50 Mark zurück.

Mitte der 80er Jahre kamen Manipulateure auf die wahnwitzige Idee, die Münzeinheit mit Flüssigkeiten (Säure, Cola) zu manipulieren. Kurz darauf wurde bei Geräten aus adpProduktion die im Branchenjargon so bezeichnete Colarinne installiert. Die Flüssigkeit wurde, bevor sie in den Münzprüfer gelangte, über die Rückwand abgeführt. Wieder wurde ein Detail zum Branchenstandard. Es sind also nicht immer nur die großen Erfindungen, die den technischen Fortschritt bestimmen.

Mit dem Disc 2001 wurde 1987 erstmalig ein Geldscheinakzeptor in großem Maße in den Markt gebracht. Zunächst war dies ein zweischneidiges Schwert, die Kassen stiegen zwar mit dem Akzeptoreneinsatz, die technischen Probleme aber nicht minder. Durch konsequentes Handeln wurden die Anlaufschwierigkeiten ausgemerzt. Der heutige Wissensstand bezüglich Akzeptortechnik beruht auf der Erfahrung, die adp in die Entwicklung einbrachte. Mit dem beim Disc 3000 erstmalig eingesetzten Geldscheinstapler wurde eine problemlose Geldscheinentnahme- und Lagerung gewährleistet.

Noch keine Geschichte ist der zum Patent angemeldete Zick-Zack-Auswurf, erstmalig bei den 40 Pfennig/4 Mark-Geräten mit Profitech 3000 exklusiv für Geräte aus adp-Produktion auf den Markt gekommen. Zusammen mit der seit Jahren in adp-Geräten eingebauten Selbstblockierung der Auszahlmagnetschieber beim Anbohren und mechanischer Geldschieberbetätigung. Hier haben Manipulateure schlechte Karten, mit einem Draht oder durch Anbohren zum erwünschten klingelnden Ergebnis zu kommen.

Mit dieser Entwicklung aus dem Hause Gauselmann haben die adp-/ Stella-/Nova- und Mega-Geräte in punkto Manipulationssicherheit laut vieler Aufstelleraussagen die Nase vorn. Meldungen wie diese aus dem „Mannheimer Morgen" gehören aufgrund dieser Entwicklung für zukünftige Geräte endgültig der Vergangenheit an: „Das aus München stammende Trio konnte von au merksamen Kriminalbeamten in Speyer festgenommen werden. In den vergangenen Wochen hatten die drei in etwa 40 Städten und 80 Gemeinden von Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz über 1000 Spielautomaten durch geschickte Drahtmanipulationen ausgebeutet."

Ist es mit der Münzeinheit und allem was dazugehört nicht ähnlich wie mit dem Motor beim Auto? Wer schaut schon zuerst auf den Motor und seine Funktion? Zunächst besticht doch die Optik. Doch erst wenn Form und Funktion im Einklang stehen, ist der Kunde rundum zufrieden.

 

Ein Bericht aus dem Automatenmarkt 7/94