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Der verlorene Spieler

SchwerdtfegersSeitenhiebe

Ich jauche ja so gern und häufig über die derzeitigen Spielgeräte ab, denen ich vor allem zuspreche, dass sie ihre Spieler entmündigen und (mild ausgedrückt) verschaukeln. Hier auf Goldserie stößt das naturgemäß auch auf Kritik, denn es gibt hier genug Spieler und Sammler, die genau diese Geräte lieben. Es ist schon bitter mit dieser leidigen Wirklichkeit und ihrer Vielfalt! Aber es könnte durchaus sein, dass Goldserie in dieser Hinsicht ein "Paralleluniversum" ist und dass sehr viele Menschen "da draußen" das alles ganz anders sehen.


Nehmen wir einmal Stefan (Name von mir geändert). Wer Stefan kennenlernt, merkt schnell, dass er es nicht mit einem Feind der Technik zu tun hat. Ganz im Gegenteil. Stefan liebt die vielen "Gadgets" (ich würde dieses englische Wort ja am liebsten mit "Dingsbummse" übersetzen), die er privat und beruflich gern und häufig benutzt. Beruflich ist er übrigens verantwortlich für die Software-Entwicklung in einem größeren mittelständischen Betrieb, den ich hier ebenfalls nicht namentlich nennen werde; in seinem personellen Verantwortungsbereich ist eine dreistellige Anzahl von Programmierern tätig, und die Software, die von diesem schon recht großen Team erstellt wird, ist in Deutschland und der Europäischen Union vielfach im Einsatz. (Wenn ich eine Andeutung mache, welche Art von Software es ist, habe ich doch den Betrieb identifizierbar gemacht, und das will ich vermeiden.)

Das ist nicht das Leben eines Technikfeindes. Stefan liebt die Technik, die er benutzt, er mag die vielen kleinen Dinge, die Bestandteil seines Alltages sind, und er mag es auch sehr, wenn diese Dinge hübsch und multimedial sind. 

Warum ich das alles schreibe?

Weil Stefan für das Automatenspiel verloren ist. Und das keineswegs, weil er (wie ich) alt und von einer irratonalen Romantik gegenüber dem Vergangenen erfüllt wäre und deshalb Vorbehalte gegen Computertechnik hätte.

Denn dieser Stefan hat mir vor zwei Tagen erzählt, wie er vor ein paar Wochen einmal etwas Wartezeit an einem Bahnhof überbrücken musste. Da keine wichtige Tätigkeit zu erfüllen war, da es also praktisch (als Arbeitszeit bezahlte) Freizeit war, besuchte er die Spielhalle, die es dort am Bahnhofe gab. Er wechselte einen Zwanziger, so erzählte er mir, und er setzte sich vor eines der Geldspielgeräte, die dort waren. Es war übrigens sein erstes Spiel an einem GSG seit fast einem Jahrzehnt. An sich wollte er nur mal wieder flippern, aber der einzige Flipper dort war kaputt.

Im ersten Moment war er, ganz Freund der Technik, begeistert von der jetzt üblichen Präsentation des Spielgeschehens auf einem großformatigen Monitor und von der ansprechenden multimedialen Gestaltung der Spiele. Aber dann lief ein Gewinn ein, den er zunächst gar nicht als Gewinn erkannte, und dieser Gewinn führte zu einer Ausspielung, die unter dem üblichen Geblinke und Getöse wenig einbrachte. Später erzielte er einige Featurespiele, die ebenfalls nichts einbrachten. Er fasste seine Begegnung mit den recht hannöversch ausgesprochenen und wenig schmeichelhaften Worten "Verarschen kann ich mich auch alleine" zusammen und meinte, dass er wohl nicht noch einmal auf die Idee kommen werde, an einem derartigen deutschen GSG ein bisschen Zeit zu vertreiben.

Stefan ist eben für das Automatenspiel verloren. Dabei hat er genau jene Haltung zur Technik, die gerade von den Automatenbauern scheinbar umworben wird. Allerdings hat er zusätzlich zu viel Intelligenz und Gefühl für seine eigene Würde, um eine geeignete Zielgruppe für die völlig intransparenten Spiele der Jetztzeit zu sein. Etwas Ähnliches könnte für viele weitere Gelegenheitsspieler auch zutreffen, die für das derzeitige Spiel an GSG verloren sind, weil sie eben lieber ein durchschaubares, kleines Spiel als einen gleichermaßen schnellen wie unverständlichen Zock haben.

Als Charles August Fey im späten 19. Jahrhundert seine Slotmaschine "Liberty Bell" baute, das war dies auch schon ein Spiel, bei dem der Spieler auf lange Sicht nichts gewinnen konnte. Genau das ist nun einmal das Geschäftsmodell eines Geldspielgerätes. Doch das Spielgeschehen selbst war verständlich: Einsatz einwerfen, Spiel (mit einem Hebel) starten, Ergebnis abwarten und an Hand des unmittelbar verständlichen Gewinnplanes überprüfen, ob das ausgeworfene Geld auch stimmt oder ob es sich wirklich um eine Niete handelt. Meiner Meinung nach waren es eben das verständliche Spielprinzip und der Verzicht auf psychische Barrieren, die das Glücksspiel an Automaten zu einem weltweit erfolgreichen Modell machten. 

Wer Automaten bauen will, die auch für Gelegenheitsspieler (zum Beispiel in der Gastronomie) attraktiv sein sollen, der sollte daran denken. Ich glaube nicht, dass der gegenwärtige Hang zum schnellen, teuren, mit hohen Gewinnen lockenden und für den Spieler letztlich unverständlichen Zock ein langfristiges Erfolgsmodell sein wird. Die Betreiber der staatlichen Casinos schlafen nämlich nicht, und ihnen werden zurzeit die Spieler regelrecht zugetrieben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis relativ leicht zugängliche Automatenspiele des Staates im öffentlichen Raume präsent sein werden, die ihre Spieler nicht mit solchen Zumutungen wie Umbuchorgien und simulierten Gewinnen verachten. Und. Bis diese Angebote von jenen Spielern, die jetzt einen Großteil des Umsatzes im Automatenspiele erbringen sollen, auch wahrgenommen werden. 

Das neue Spielcasino in Hannover wird seine Spiele direkt am Bahnhof anbieten. Da hat jemand die Zeichen der Zeit erkannt und weiß, wo das kommende Spielpublikum abgeholt werden muss. 

Die anderen möglichen Spieler gehen zunehmend verloren.

Das GSG-Gewerbe in Deutschland schaufelt sich sein eigenes Grab.

Nur, um das hier einmal kurz formuliert zu haben...