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70er Jahre (Bally Wulff)


Mein allererster Automat war ein Rotomat Astor Bj. 1974, den mir mein Vater schenkte als ich noch ein Jugendlicher war, und den ich auch noch heute besitze, auch wenn ich ihn set Jahren nicht mehr angeschaltet habe. Ich mag ihn eigentlich gar nicht mehr, aber so was darf man eigentlich gar nicht sagen! Das Ding verscherbeln oder gar noch schlimmeres damit machen ...

- DAS BRINGT UNGLÜCK! -

Als interessierter und neugieriger junger Mann hab ich damals alles an diesem Gerät analysiert und war von der Technik fasziniert! WAR DA VIEL LOS DRIN! Rappel, dreh, quietsch klacker klicker usw...!

Doch heute, da in den neueren Geräten eigentlich so gar nix mehr los ist, fragt man sich:

Wie haben die das blos hingekriegt? Wenn eine Münzröhre voll ist, dann verstopft doch der Automat ohne die geniale Erfindung "Abräumvorrichtung":

 

 

Mal ehrlich:

Warum haben die damals so einen Aufwand betrieben wegen so einem simplen Problem? Hat man es wirklich nicht besser gewusst? Es gibt doch wirklich ganz primitive Lösungen dafür! Z. B. das das oberste Geldstück eine Wippe betätigt diese an enspr. Stelle den weiteren Geldeinwurf in die Kasse umlenkt, oder das Geldstücke bei voller Münzröhre einfach hinwegrutschen oder drüberrollen usw, usw...

Das ist aber noch nicht genug der cleveren Lösungen!

Damit ein Blinklicht beim Sonderspiel vorhanden ist, hat man auf einer Achsenverlängerung der mittleren Spielwalze 3 Nocken mit entspr. Kontakten angebracht, welche je Walzenumdrehung Kontakt geben und so ein Blinklicht erzeugt wird. Natürlich nur so lange sich die Walze dreht!

Dabei gab es doch schon Blinklicht-Schaltungen, welche wesentlich weniger Aufwand bedeutet hätten, und während der gesamten Sonderspieldauer geblinkt hätte. Oder man wäre über die "reguläre" Nockensteuerung gegangen...

Bei genauerer Betrachtung der Geräte fallen einem noch weitere fragwürdige Dinge auf. Doch ich möchte hier nicht alles was Wulff damals produziert hat ins lächerliche ziehen oder in Frage stellen, aber diese Geräte steckten schon sehr voller abenteuerlicher Erfindungen, bei denen ich aus heutiger Sicht einfach nur schmunzeln kann...

 

Maddi

 

-------------Ergänzung von Elias Schwerdtfeger-------------

 

Ich finde es eigentlch erstaunlich, wie konstant die gesamte Wulff-Technik vom Rotomat Monarch bis zur Multimat-Reihe geblieben ist. (Vor dem Monarch habe ich keine Erfahrungen, vielleicht ist einiges sogar noch konstanter als ich denke.) Wenn man so einen Kasten zum ersten Mal aufmacht, sieht es wirklich übel verbastelt aus, und als ich mir vor vielen Jahren die erste Wulff-Kiste anschaute, war ich zunächst regelrecht entmutigt. Damit verglichen, sind elektromechanische GSG von Bergmann und NSM unmittelbar durchschaubar.

Zum Glück war es damals kein (eBay-Slang für Schrott) "Bastlergerät", sondern nur ein Kasten mit ein paar kleineren Macken. Gerade die aufwändige Mechanik der Münzabräumung wird erst so richtig verständlich, wenn man sie einmal im normalen Ablauf gesehen hat.

Aber Wulff ist doch für eine sehr lange Zeit bei seinen "abschreckenden" Eigenheiten geblieben. Sicher, irgendwann wurde ein neues Zählwerk entwickelt (das viel häufiger versagt, aber dafür keinen Öltropfen mehr braucht - ich vermute fast, dass einige "Techniker" vom vorherigen Modell "überfordert" waren), irgendwann gab es ein paar ICs und Transistoren (aber recht sparsam) und auch die Vorgänge bei der Gewinnabtastung und Aufzählung wurden zum Glück irgendwann durchschaubarer. Dennoch kann man jedes elektromechanische Wulff-Gerät in der Innenansicht sofort an diesen typischen, sehr aufwändig aussehenden mechanischen Lösungen erkennen.

Dass dieser Aufwand bei Wulff so lange "durchgehalten" wurde, obwohl die Gerätegeneration in steter technischer Verbesserung war, kann eigentlich nur einen Grund haben: Die ganze Konstruktion (wohl dem, der sie niemals richtig auseinandernehmen muss) war so robust und unanfällig gegen Störungen, dass man gar nicht erst an eine (ja zunächst teure und ebenfalls noch an Praxiserfahrungen zu optimierende) Neuentwicklung gedacht hat. Tatsächlich ist alles viel robuster, als es damals nötig gewesen wäre. Es kann einem durchaus passieren, dass man eine Wulff-Kiste findet, bei der auch nach Jahrzehnten fast alles auf Anhieb funktioniert.

 

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