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Tamm, Mike (Interview)

Das grosse Interview mit dem Gameboxmaker - Teil 1

Sunfire

Frage: Welche grundsätzlichen Aufgaben gibt es bei der Entwicklung von Geldspielern? Ich könnte mir vorstellen: Entwicklung des Spielsystems, Spielmathematik zur Erreichen der Auszahlquoten (Ausspielwahrscheinlichkeiten), Programmierung, Test, Design, Produktion.

Deine Auflistung könnte man noch um Mechanik (Design der Leiterplatte), Kreierung der (optischen und akustischen) Effekte und ggf. um Marketing ergänzen.


Frage: Was davon war - oder ist - Dein Part?

Das Besondere bei uns (ich habe ein paar freie Mitarbeiter) ist, dass wir nicht nur Spielideen kreieren, sondern eine komplette Vorversion eines Geldspielgerätes entwickeln, d.h. Spielidee, Mathematik, Design, Effekte. Wir stellen auch eine (am PC) spielbare Version her. Vorversion meint, dass das GGSG in allen Einzelheiten fertig ist, aber sozusagen körperlos. Mit all dem, was mit dem Automat“ zu tun hat, haben wir nichts zu tun.


Frage: Würdest Du die Entwicklung von Spielsystemen als kreativ bezeichnen und ist es handwerkliche Arbeit?

Es ist beides. Die Ideen, die Grafik und die Effekte haben im hohen Maße mit Kreativität, die Mathematik und die Programmierung mehr mit Handwerk zu tun. So wie wir es machen, hat die Kreativität allerdings auch handwerkliche Aspekte. Man muss sozusagen seine „Hausaufgaben“ gemacht haben, bevor man der Kreativität freien Lauf lassen kann. Mit anderen Worten: Man muss z.B. wissen, was bei den Spielern „geht“ und was nicht. Umgekehrt erfordert Programmierung generell Kreativität (bei Problemlösungen) und wie wir es auffassen auch die Mathematik, denn es stellt sich immer wieder die Frage: Was muss man oder kann man noch wissen?


Frage: Ist das ein „Trockenjob“ am Schreibtisch mit Papier und Bleistift oder verwendest Du PC-Hilfsmittel, vielleicht sogar Emulatoren, mit denen Du Spielfeatures testen kannst?

Papier und Bleistift, das ist lange her. Wir setzen modernste Programme ein, u.a. auch eine eigen entwickelte Software, welche uns Einblick in jedwede gewünschte mathematische Situation gewährt. Ein Beispiel: Ein einziges Spielsystem durchläuft bei seiner Berechnung 2,72 Milliarden (!) Spiele - und das in der heißen Entwicklungsphase viele Male.


Frage: Wieweit orientiert Du dich bei der Entwicklung eines neuen Gerätes an aktuellen oder Konkurrenzgeräten?

Das kommt darauf an, wie Du Deine Frage meinst. Generell orientieren wir uns natürlich am Markt und schauen uns an, was an Elementen und Mixturen bei den Spielern ankommt bzw. was nicht. Bei unseren Eigenentwicklungen kam es in der Vergangenheit auch vor, dass wir uns in die Nähe eines bestimmten Modells bewegt haben. Generell aber haben wir Power genug, um völlig neue Ideen zu suchen, gründlich zu untersuchen und in einem Spielsystem geeignet zu kombinieren; das haben wir in der Vergangenheit auch überwiegend gemacht.


Frage: Gibt es eine Art Copyright auf Spielelemente? Das Kronenrisiko und die Bonuspfeile des Sunfire hat Gauselmann doch recht schamlos nachgemacht.

Nun in der Anfangsphase von adp haben alle Mitbewerber Gauselmann nachgemacht. So wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es eben heraus. Für mich ist das kein Problem, da man als Erster einen gewissen Vorsprung hat und den auch nutzen kann, siehe Sunfire und Sky. Dass es uns nicht gelungen ist, den Vorsprung beim Sunfire zu halten, steht auf einen anderen Blatt und lag letztlich außerhalb unseres Verungsbereiches. Es gibt sowas wie ein Copyright, aber das ist weder eine ganz einfache Angelegenheit noch etwas, was wir beeinflussen konnten und können. Es ist Sache des jeweiligen Herstellers.


Frage: Die Gamebox Geräte sind alle bei Bally Wulff erschienen. Bist -oder warst- Du fester Angestellter von Bally Wulff?

Alle Gamebox-Geräte sind bei Bally Wulff erschienen, wobei die Bezeichnung nicht konsequent benutzt wurde. Es ist z.B. völlig richtig, was bei Euch im Forum, das sehr lesenswert und sehr gut ist, steht, nämlich, dass die ersten Gamebox-Geräte nummeriert waren (allerdings nur die Testgeräte) und die Bezeichnung mal verwendet und mal nicht verwendet wurde. Nein, ich war kein fester Mitarbeiter.


Frage: Wenn Du kein fester Angestellter von Bally bist oder warst: Willst Du uns etwas zur Art der Vergütung verraten? Keine Beträge, aber ist es eine Art Monatsgehalt für die Dauer der Mitwirkung, oder ein pauschaler fester Betrag, oder eine Art Provision je verkauftes Gerät?

Als freier Mitarbeiter handelt man die Arbeitsbedingungen wie die Vergütungen mit dem jeweiligen Vertragspartner entsprechend den Zielen beider Seiten aus und …… verrät sie nicht. Sorry. ;-)


Frage: Welches Gerät hast Du als erstes entwickelt? Hattest Du dabei schon Kontakt mit Bally oder ist dies erst später zustande gekommen?

Ich habe zwar während meiner Studentenzeit und in einem Fall auch später schon Spielideen entwickelt, aber professionell und in der von mir beschriebenen Vorversion war der erste der KOMBI, der gleichzeitig mein erstes Gerät für Bally Wulff war.


Frage: Welches war das erste Gerät von Dir, das als Seriengerät erschienen ist?

der KOMBI.


Frage: Wie lange dauert es, bis vom ersten Gedanken an ein Seriengerät vom Fliessband rollt?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich sag mal zwischen 9 Monaten und 4 Jahren ist drin.


Frage: Hast Du eine persönliche Affinität zu Geldspielgeräten, spielst Du selbst gerne dran? Oder ist die Entwicklung „einfach“ ein Job und Du könntest genau so gut neuartige Programme für Waschvollautomaten entwickeln?

Ich bin Spieler und das gerne, in der DISC-Ära gehörte ich bestimmt zur „Elite“. Heute, man wird ja älter, ist es nicht mehr ganz so drastisch, aber wir gehen regelmäßig und gerne spielen und lassen es dabei recht oft „krachen“. ;-)


Frage: Darfst Du eigentlich an den von Dir (mit) entwickelten Geräten z.B. in Spielhallen spielen oder ist dies Dir vertraglich verboten? Z.B. weil Du Dein Insiderwissen ausnutzen könntest.

Ich habe inzwischen sehr viel in Eurem Forum gelesen, deswegen verstehe ich den Hintergrund Deiner Frage auf Anhieb. Es ist aber eine völlig falsche Ansicht, dass die Geräte „berechnend“ oder „ausrechenbar“ seien. Tatsächlich ist der Spielverlauf zufällig. Also auch an unseren eigenen Geräten, über die wir alles wissen, sind wir dem Zufall so ausgesetzt wie jeder andere Spieler auch. Insofern gibt es kein Insiderwissen, dass ein Grund wäre, uns das Spielen vertraglich zu untersagen. Es ist entsprechend nicht der Fall. Freilich gibt es sehr viele Spielweisen und diese führen zu unterschiedlichen Auszahlquoten. Wir könnten uns also die heraussuchen, welche in diesem Sinne die beste wäre. Aber das verdirbt erstens den Spaß am Spielen und zweitens sagt es über den aktuellen Spielverlauf gar nichts. Man kann auch mit einer Strategie, die langfristig zu einer geringeren Auszahlquote führt, aktuell mehr Glück haben als mit der Beststrategie. Und das macht ja auch den Kitzel aus: an diesem Tag, zu dieser Stunde und an den gewählten Geräten mit „seiner“ Spielweise dem Schicksal zu entwischen. Wer spielt, sollte sich klar darüber sein: An einem GGSG verliert man immer, wenn nicht heute dann morgen und wenn nicht morgen dann übermorgen. Das gilt für jede Art Spiel mit und um Geld, auch z.B. für das Lotto. Allerdings gibt es dort wie bei einigen anderen Glücksspielen für einige wenige Spieler eine Chance, auf lange Sicht gesehen tatsächlich zu gewinnen; gleichwohl aber nur für einige wenige.


Frage: Hast Du Automaten zu Hause, vielleicht gar Eigenentwicklungen?

Ja, klar, einen Kombi und einen Sunfire (ein Sky kommt bestimmt noch hinzu).


Frage: Ist der Markenname Gamebox Dein Eigentum?

Nein.


Frage: Das Gamebox-Logo haben wir bei Goldserie auf den Automaten Kombi, Sky, Sunset, Sunfire und Best Win gefunden. Warst Du an der Entwicklung all dieser Geräte beteiligt oder gibt es noch mehr? Uns würden natürlich auch die Namen (oder gar Fotos?) von Prototypen interessieren, die nicht erschienen sind.

Die genannten Geräte sind von uns. Es gibt viele weitere. Die meisten sind Komplettentwicklungen von uns. Es gibt aber auch welche, an denen wir nur beteiligt waren. Ich kann leider nicht alle Einzelheiten nennen. Ich habe mich aber im letzten Jahr von Bally Wulff getrennt und das bedeutet, dass es in Zukunft sowohl keine Gamebox-Geräte mehr (von uns) geben wird als auch ich irgendwann mehr darüber schreiben kann.


Frage: Auf dem Bel Ami und dem Sunfair finden wir keinen Gamebox Schriftzug, obwohl beide Geräte in ihren Spielelementen ähnlich außergewöhnlich sind wie der Sunfire und Sky. Warst Du nicht daran beteiligt?

Beide Geräte sind von uns. Der Sunfair ist allerdings nicht mit unserer Grafik am Markt erschienen.


Frage: Einige Fragen zu einzelnen Automaten ...

Kombi

In einer alten Automatenmarkt lese ich: "Seine sich anpassende Quote ... hauen jeden um"
Kannst Du uns das bitte erklären? Wie kann sich eine Quote anpaßen ? Nach welchen Einflüssen?

Naja, umhauen, das lassen wir mal offen. Aber automatische Quotenanpassung ist etwas, das seinerzeit unsere Spezialität war. Einzelheiten kann ich natürlich nicht verraten, aber es hatte beim KOMBI damit zu tun, dass derjenige, der viel spielt, seinerzeit waren das noch ziemlich genau die Spieler, die sehr hoch riskierten, auch eine höhere Quote erspielte.


Sky

In welcher Reihenfolge hast Du das Spielsystem entwickelt? Hast Du Dir z.B. gedacht, vier Bonustürme zu nehmen, wenn die voll sind, gibt es eine 100er Ausspielung, auf den äußeren Scheiben müssen je drei Kronen sein. Huch, das wird ja viel zu teuer, da muss ich die Scheibenstellungen ungleich verteilen? Oder war die Reihenfolge ganz anders?

Der Sky ist die Weiterentwicklung des Sunfire als Scheibengerät. Alles zu erklären, würde jetzt den Rahmen sprengen; aber ich bin mir sicher, wir kommen darauf noch zurück. Zunächst habe ich versucht die starken Elemente des Sunfire noch stärker zu machen, wie Kronen-Risiko, Bonustürme und das Serienspiel. Die Ungleichverteilung der Scheiben rührt nicht von Problemen mit der Auszahlquote her, das lässt sich immer auch anders lösen, sondern von einem speziellen mathematischen Profil. Das fängt damit an, dass Scheibengeräte (2-1-2 Fenster) ohne veränderte Teilung unmöglich eine direkte 100er geben können. Dann sind die 1-1-1 und die 2-1-1 bzw. 1-1-2 Kombinationen an Scheiben sehr stark abhängig voneinander. Der eine Bonusturm würde dadurch so gut wie nie auslösen, der andere hingegen zu oft, das gleicht man auf diese Weise aus. Mein Anliegen ist, dass es fair zugehen soll. Was die von dir angesprochene 100er-Ausspielung anlangt, so spielen solche Überlegungen wie die Deine deswegen bei mir keine Rolle. Man hat eine bestimmte Auszahlquote, an die man sich hält. Die Aufgabe, die sich stellt, ist es 100er-Serien so oft wie möglich zu geben, ohne dass die anderen Gewinne praktisch nicht oder kaum mehr gegeben werden. Was der Spieler sieht, soll auch in einem realistischen Bereich zu gewinnen sein.


Frage: Wie kamst Du beim Sky auf die Idee mit der roten und blauen Krone, und dem Kronenrisiko bei gemischter Krone bis hin zur oberen Ausspielung?

Durch Experimente. Das Kronen-Risiko sollte höher gehen, die hohen Gewinne sollten eine lange Strecke gewinnbar sein (deswegen das Auf und Ab), es sollte nicht auf Kosten anderer Gewinne gehen und das komische Problem „200 – Krone – 200“ gibt entweder kein Kronen-Risiko oder ist bei niedrigem Bonusstand des Kronen-Risikos eigentlich ein Verlust, sollte behoben sein.


Frage: Wenn das rechte Kronenrisiko weit oben steht, gibt es ja den „Trick“, eine Krone auf der linken Scheibe bewusst wegzudrücken. Beim Erscheinen irgendeiner weiteren Krone links oder rechts wird dann die blaue Krone erleuchtet, so dass die Chance auf eine Risikochance sehr viel besser wird. Oder ist das Illusion?

Nein, das ist sowohl eine gute Strategie als auch ein gezielt ausgedachtes Angebot. Es gibt beim Sky ja die Strecken, da bleibt das Kronen-Risiko dauernd im unteren Bereich. Hier sollte der Spieler wenigstens für den rechten Bonus eine Gegenwehr haben.


Frage: Ich habe mich am Sky immer etwas geärgert, dass innerhalb von Serien bei roter oder blauer Krone nicht nachgestartet wird. Ist das ein Designfehler oder war es wegen der Auszahlquote nötig ?

Ja, das ist ein kleiner Schatten, der nicht behebbar war. Wenn man ein doppeltes Risiko-Angebot macht, dann kann man nicht gleichzeitig viele Gewinne geben. Es ist nicht schön, weil die rote/blaue Krone nun mal eine Besonderheit signalisieren. Andererseits waren meine Überlegungen: Wenn man in Serienspielen bereits gewinnt, dann braucht man die Besonderheit der roten/blauen Krone auch nicht noch zusätzlich. Und in den Serienspielen des Sky gewinnt man viel, insbesondere lassen sie sich gut verlängern.


Frage: Warum ist das Risiko auf 10 oder 12 beschränkt, wenn man bessere als einfache Sonderspiele abspielt (wie auch beim Sunfire)? Dies schränkt m.E. den Spielspass ein, weil man dem Spieler Eingriffsmöglichkeiten nimmt.

Das stimmt, aber es gibt einen Grund. Die Serien, bei denen man keinen großen Risikoerfolg hat, zahlen dadurch mehr, Serien mit sehr kleinem und übermäßig großen Ausgang werden seltener und die mit einem mittleren Gewinn häufiger. Heute ist eine andere Zeit und wir haben dieses Feature in der Folge auch weggelassen.


Best Win

Habe ich einmal in einer Spielhalle gesehen und fotografiert (siehe Anhang). Handelt es sich um einen Prototypen? Wie funktioniert das Best Win Feature, ich habe es nicht verstanden?

Du hast ein Testgerät gesehen. Das Best-Win-Risiko hat zum 1:1 Risiko zusätzliche Risikoschritte gewährt. Beispiel: Man drückt von 2 auf 5, hat Erfolg, das BEST WIN Risiko schlägt zu und das Gerät klettert zusätzlich viele Felder über die 5 hinaus, solange wie man Glück im Best-Win-Risiko hat.


Sunfire

Ein geniales Gerät mit einer Fülle frischer Ideen, z.B. das Kronenrisiko, Bonuspfeile, drei Arten von Risiko in Sonderspielen. Nur wie bist Du auf die Idee gekommen, bei Zählerstand 250 alle Spiele als Sunspiele zu werten ? Ich habe das Gerät seit zwei Jahren, und noch niemals bin ich über Zählerstand 150 gekommen. Ich glaube auch nicht, dass je ein Sunfire die 250 gesehen hat. Warum hast Du solch ein seltenes Feature eingebaut ?

Das war keine Idee von uns, sondern eine Vorgabe. Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, aber es hatte Gründe. Manches ist an einem GGSG seltsam, weil irgendwelche Gesetze oder Interpretationen davon es verlangen. Es war kein Spielfeature und Du hast Recht darin, dass es vom Gewinnwert her sicher überflüssig war wie ein Kropf.


Frage: In einer Halle in Hannover sah ich mal einen Bally, bei dem wie in Gameshows für eine Kronenkombination eins von drei Törchen ausgewählt werden konnte. Dahinter verbargen sich Digitaldisplays, die die Anzahl gewonnener Sonderspiele anzeigte. Das Gerät habe ich nie weder gesehen. War das ein Gamebox und kannst Du uns mehr darüber erzählen?

Ja, das war ein Gamebox-Gerät. Vielleicht krame ich es irgendwann einmal heraus und berichte Dir. Ein wunderschönes Gerät mit wunderschönen Ideen und einer Geschichte, bei der nicht alles so lief wie ich mir das seinerzeit vorgestellt hatte. Aber es ist sehr lange her.


Frage: Spielelemente auf Gamebox-Geräten sind oft einmalig und ungewöhnlich. Bist Du mit „Deinen“ Geräten zufrieden oder hättest Du gerne noch ausgefallenere Ideen verwirklicht?

Ich bin mit mir zufrieden, allerdings hätte ich liebend gerne die Geräte anders vermarktet. ;-)


Frage: Kann man Bally als besonders aufgeschlossen für neue Ideen bezeichnen im Gegensatz zu anderen Herstellern?

Um diese Antwort komm ich „drumrum“, weil ich bislang nicht für andere Hersteller entwickelt habe.


Frage: Gibt es Vorgaben seitens des Herstellers an den Entwickler, z.B. Gastronomiegerät oder Hochauszahler?. Oder wird dies durch die Spielmathematik und die unterschiedlichen Auszahlquoten vom Hersteller später entschieden?

Beide Möglichkeiten gibt es. Wenn wir mit einer Entwicklung beginnen haben wir allerdings eine feste Vorgabe für die Quotengestaltung im Visier.


Frage: Wie einschränkend war für Dich die alte Spielverordnung?

Gar nicht. Man hat im Leben allüberall Rahmenbedingungen. Immer lässt sich daraus etwas Interessantes machen. Mit der Neuen Spielverordnung wird das nicht anders sein, allein das Feld der Möglichkeiten ist nun größer geworden; aber damit ist es nun auch etwas schwieriger, aus den vielen Möglichkeiten, das Richtige zu wählen. Das andererseits ist aber die eigentliche Aufgabe. Ideen zu haben ist, wenn man das solange wie ich macht, gar nicht schwer; sie richtig einzuschätzen und in die richtige Form zu bringen, darauf kommt es an.


Frage: Was hältst Du von den Punktegeldspielautomaten a la Blue Power und Co.?

Ich bezweifle, dass es der richtige Weg ist, die Gewinne mit noch mehr Nullen zu versehen. 100 Sonderspiele halte ich für solider als 10000 Punkte. Allerdings machen diese Geräte ein sehr interessantes Angebot: das Wiedereinsetzen von Gewinnen, um noch höhere zu erzielen. Hier werden aber erst die kommenden Geräte zeigen, ob die Gewinnpower ausreicht, um so zu spielen wie es ja z.B. im Casino erfolgreich möglich ist.


Frage: Wie beurteilst Du die Möglichkeiten der neuen Spielverordnung? Sind damit neuartige Spielsysteme möglich? Wird die Industrie diese umsetzen oder wird man weiterhin eher „klassische“ Automaten wie den Graffity bauen?

Naja, die klassischen sieht man ja schon allerorten. Das, was kommen wird, ist damit schon da. Wir aber werden keine alten Klassiker im neuen Gewand machen, sondern uns auf unsere Stärken konzentrieren, und die liegen bei ganz neuen Spielelementen und –systemen; solche, die das Spielen wieder so spannend und vor allem so vielfältig wie in den 80er und 90er Jahren machen. Die neue Spielverordnung macht das ein Stückchen leichter.


Frage: Bist Du derzeit an der Entwicklung neuer Automaten beteiligt? Kannst / Willst / Darfst Du uns schon etwas verraten?

Derzeit bereiten wir uns vor. Aus diesem Grunde habe ich auch keine Ahnung, was die Zukunft bringen wird. Eins scheint mir jedoch sicher, Ihr werdet sofort bemerken, wenn eines der Geräte von uns ist. Ihr habt, das ist ein Kompliment, Ahnung wie wenige.


Frage: Unser User Clubbing Man entwickelt Spielautomaten und möchte in der Branche Fuß fassen. Kannst Du ihm Tips geben?

Er kann sich jederzeit an mich wenden. Ich weiß, wie schwer das ist, weswegen er gerne von mir jede Unterstützung bekommen kann, die ich geben kann.


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So, und nun brauche ich einen Erholungsurlaub – wenigstens zwei Jahre. Und ich hab auch eine Frage – an Dich: Welche Südseeinsel kannst Du mir dafür empfehlen? Jetzt sag aber nicht: Hawaii, Tahiti oder Bahia!!!!!!
Grüße, Mike

 

 


 

Mike Tamm: Das grosse Interview mit dem Gameboxmaker - Teil 2

 

Frage: Was genau hast du an der Uni studiert?


Betriebswirtschaft an der FHW, sowie ein paar Semester Volkswirtschaft an der FU und Informatik an der TU, die letzten beiden ohne Abschluss aus Neigung.


Frage: Wie waren eigentlich die Anfänge genau? Hast du zunächst einige Automaten am Heimcomputer geproggt und dann spontan beschlossen schick ich mal an Bally vielleicht steigen sie ja ein. Hattest du sofort Erfolg bei denen und wurden deine Ideen direkt übernommen oder musstest du erstmal nach deren Vorgaben was erschaffen?

Ich war vor meinem Studium Geschäftsführer einiger großer Spielstätten, habe sehr spät studiert und zur Finanzierung meines Studiums über acht Jahre Spielanalysen zu GGSG gefertigt, Spielstättenpromotion-Programme erdacht und durchgeführt (eine der ersten waren die Berliner Flipper-Landesmeisterschaften) und einiges anderes. Das war der Einstieg. Ursprünglich hatte ich mich als Mini-Werbeagentur selbstständig gemacht. Was Deine Frage mit dem Heimcomputer anlangt, so habe ich auch das gemacht, mehr für mich, ohne es anzubieten. Auch habe ich zwei- oder dreimal Spielentwicklungen Unternehmen angeboten - erfolglos. Ich war schon im vergleichsweise hohen Alter und hatte auch schon das ein oder andere zusätzlich gemacht als ich ernsthaft als Entwickler einsteigen wollte. Ich habe allen Unternehmen eine Angebotsmappe versandt, mit dem was ich derzeit so konnte, darunter eben Spielsystementwicklung (aber auch noch Spielanalysen, Marketingaktionen, etc.). Bally Wulff fand das interessant; noch interessanter als ich einen ihrer Prototyp so einschätzte wie er war. Wir kamen überein, dass ich unverbindlich ein GGSG entwerfe solle; das stellte ich vor, man nahm es an und wir machten einen Vertrag. Es fing alles also mit einer KOMBInation aus vielen Aktivitäten an. ;-)




Frage: Warst du zunächst alleine und deine Mitarbeiter kamen später erst dazu mit dem steigenden Erfolg?

So genau war es.


Frage: In welcher Programmiersprache erstellt ihr die Automaten am PC?

Eine Simulation wie wir sie einsetzen, also nicht nur zur Simulation des Spieles, sondern auch zu (umfangreichen) Berechnungen, hat das Kernproblem, dass sie schnell, ja sehr, sehr schnell sein muss. Wir haben über die Jahre immer wieder versucht, andere, z.B. gerade moderne Sprachen einzusetzen, am Ende aber war das Geschwindigkeitsproblem das, was uns bei einer bestimmten Sprache hielt. Hab Verständnis, wenn ich diese Frage deswegen nicht öffentlich beantworten möchte, weil wir dafür etwas von unserem Know-how preisgeben müssten. Mein erstes Programm war irgendein Basic auf einem Apple II. Für 1 Million Spiele rechnete der eine Woche lang Tag und Nacht. Irgendwann lagen wir bei 20 Minuten, vor kurzem lagen wir bei 5 sec und demnächst wird es irgendwo unter 3 sec sein.


Frage: Wie muss man sich die Vorversionen vorstellen. Besitzen diese bereits photorealistische Grafiken und sind voll animiert? Kann man ggf mal einen Screenshot von solch einem Programm zu Gesicht bekommen?


Auch hier spielt das Know-how eine Rolle. Bilder kann ich deshalb nicht zeigen, vielleicht irgendwann einmal. Die Spielsimulation selbst ist primitiv, gerade das Notwendigste. Wir sind allerdings in der Lage eine 3D-Simulation zu machen, in diesem Fall wirkt die Simulation als hätten wir von einem echten Automaten ein Video gedreht. Da der reale Spielverlauf für ein Spielsystem nicht so wichtig ist, sondern die mathematischen Durchschnittswerte, genügt es, eine Grafik der Frontscheibe zu haben; unsere ist maß- und detailgenau – wenn Du so willst photorealistisch, auch wenn manche Elemente, z.B. Spiegelflächen nicht bzw. schwer realistisch darstellbar sind.


Frage: Portiert ihr die Software dann selbst auf die eigentliche Automaten Hardware oder haben das im Anschluss Programmierer von Bally gemacht?

Wir machen eine Vorversion, die nicht in einen Automaten direkt übernehmbar ist. Dort müssen ja auch echte Lampen angesteuert werden, die Münzprüfer integriert sein usw.


Frage: Besitzt ihr am Quellcode eurer Automaten noch alle Rechte oder gingen die an Bally über?

Wer etwas nicht herstellt, hat daran keine Rechte.


Frage: Hat der SUNFIRE auch ein automatisches Quotensystem oder feste prozentuale AQuoten wie die anderen Automaten oder beides? Wie sind die offiziellen Quoten bei den beiden Spielsystemen?

Wenn man an einem GGSG eine bestimmte Strategie spielt, z.B. die Start-Automatik nicht nutzt, so ergibt sich eine andere Quote als wenn man z.B. wiederstartet, das liegt ja auf der Hand. Es gibt also unterschiedliche Quoten. Da man nicht vorhersehen kann, wie viele Spieler welche Strategie wählen, kann man auch nicht die Auszahlquote genau bestimmen. Deswegen hat jedes Unternehmen so sein System um eine offizielle Durchschnittsquote zu ermitteln. Und deswegen darf ich das leider (vermutlich) hier nicht schreiben. Ich will zumindest kein Risiko eingehen. Da das Spiel zufallsgesteuert ist, kommt hinzu, dass sich - über viele Wochen hinweg betrachtet - die Quote an einem bestimmten Gerät deutlich vom Schnitt entfernen kann. Das heißt, dass es für das Spiel selbst nicht sehr relevant ist. Du wirst bei Dir Zuhause an Deinem Sunfire vermutlich niemals in die Nähe einer Durchschnittsquote gelangen; entweder weil Du eine ganz bestimmte Strategie wählst, z.B. eine die deutlich höher liegt als die offizielle Quote oder – und das ziemlich sicher – weil Du daran höchstens ein paar hunderttausend Spiele spielen wirst.


Frage: Warum durchläuft ein Automat im Test wahnsinnige 2,72 Milliarden Spiele pro System. Würde z.B. 1 Million nicht genügen oder sind das Vorgaben des Vertriebspartners oder gar Gesetze?

Eine Simulation benützt einen Zufallsgenerator. Zufall produziert a priori ungenaue Ergebnisse, also solche, die niemals ganz genau mit einer rein mathematischen Berechnung übereinstimmen. Das lässt sich mit einem Würfel leicht nachvollziehen. Je mehr Spiele man macht, desto genauer werden die Ergebnisse. Es kommt hinzu, dass der Generator beim Start immer an anderen Stellen einsetzt. Darunter sind Startwerte, deren Verläufe erst sehr spät auf den Zielwert zugehen. Besonders ungenau sind die Ergebnisse bei Daten, die sehr selten erscheinen, z.B. 100er-Serien. Entsprechend kann nach ein paar Millionen Spielen der Wert noch sichtlich abweichen. Das ist der Grund weswegen wir 34 Millionen Spiele pro Strategie machen (sowie 20 Strategien a’ vier Spielsysteme, was derzeit knapp vier und bald knapp 2 Stunden Rechenzeit erfordert). Insbesondere die seltenen Werte erreichen dann eine völlig ausreichende Genauigkeit.


Frage: Entwickelt ihr zusätzlich auch Casinosoftware für reine Online Casinos?

Nein. Wir planen über die nächsten Jahre unser Angebot auszuweiten, wenn auch nicht in den Online-Bereich. Kerngeschäft wird aber das GGSG bleiben.


Frage: Arbeitet ihr nebenbei auch noch in anderen Berufen, da ihr ja Freiberufler seid?

 


Ich nicht, ich bin ausgelastet, meine (freien) Mitarbeiter schon, sie sind Spezialisten auf ihren Gebiet (vor allem Informatik) und können und machen auch andere Dinge.


Frage: Du bist leidenschaftlicher Spieler. Betreibst du als Profi beim Zocken an den Automaten eine Art Moneymanagement oder verballerst du einfach nach Lust und Laune deinen fest vorgenommenen Geldeinsatz?

Nach Lust und Laune, auch wenn ich beruflich gezwungen bin, die ein oder andere Spielweise auszuprobieren, um zu erleben, was hierbei passiert und wie es sich anfühlt. So drücke ich z.B. gar nicht gerne die Ausspielungsschaukeln, weil mir Entweder-Oder lieber ist. Mich ärgert die Schaukelei letztlich: Man schaukelt und schaukelt, muss dann oft mehrmals wieder in die Schaukel riskieren und wird sich zu oft bewusst, dass man ohne Schaukel schon ganz oben gewesen wäre. Ich würde also am liebsten die Schaukeln nicht nützen, muss aber an manchen Geräten die mir unliebsame Strategie „verkosten“.


Frage: Tradest du auch aktiv an der Börse?

Eine Art des Glücksspiels reicht mir völlig aus. Also nein!


Kommentar: Gute Fragen. Es hat mir Spaß gemacht, darauf zu antworten. Aber auch dieses Mal brauche ich einen Urlaub. Ich überlege schon, wo man sich am besten erholen kann. Zur Wahl stünden: Shanghai, Manila oder Capri? (Apropos Capri und weil wir gerade beim Fragen beantworten sind. War da nicht mal ne Frage nach Inseln? Nebenbei: Bahia, davon hab ich mich inzwischen überzeugen lassen, ist keine, sondern ein brasilianischer Bundesstaat).