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Keine Auszahlung (adp)

Reparatur_IconDas kommt alle Tage vor. Ratsuchend wenden sich Automatenaufsteller an ihren Großhändler: „Ein Gerät zahlt nicht aus."
Meistens weiß ich dann schon von vornherein, woran das liegt", sagt Heinz Behrens, Organisator im Fachbereich Technik der Braunschweiger Nova-Niederlassung, zum Reporter des „AutomatenMarkt". „Aber mit Vermutungen wäre dem Kunden nicht gedient. Deshalb wird ihm auch telefonisch dabei geholfen, dem Defekt an Ort und Stelle auf die Spur zu kommen."

(Ein Bericht aus dem Automatenmarkt 3-1982)

Dazu ist ein Schaltplan nötig.

Darauf wird als erstes die Spule ermittelt, die den ausgefallenen Auszahlungsvorgang steuert. Um ein Beispiel zu geben, haben wir den Defekt in der Zwei-Mark-Auszahlung angenommen. Auf dem Schaltplan ist die dazugehörige Spule mit der Bezeichnung,2 AZ` wiederzufinden (siehe Abbildung im Kreis).
An dieser Stelle wird im Gerät nun die erste Messung durchgeführt. Nova-Werkstattleiter Martin Uellner (36) zeigt uns, wie dabei vorgegangen wird. Zunächst muß der Kabelstecker abgezogen werden, damit die betreffende Spule ohne Verbindung zur übrigen Technik im Gerät ist. Dann wird das Ohmmeter (siehe Foto) angesetzt.

1Schlägt es aus, ist die Spule in Ordnung, und die Suche kann weitergehen.
Die Unterbrechung liegt also irgendwo im Stromkreis. Seinen Verlauf haben wir im abgebildeten Schaltplan hervorgehoben, und zwar die positive Spannung oberhalb der Spule durch verstärkte und die negative durch unterbrochene Linie unterhalb. Als nächstes muß nämlich ermittelt werden, in welchem dieser beiden Bereiche die Spannung fehlt.

Auch das führt uns Martin Uellner vor: „Nachdem der Stecker wieder aufgesetzt worden ist, Gerät einschalten. Dann Auszahlungsvorgang in Gang setzen. ..".


Zwischenfrage des Reporters: „Wie setzt man einen Auszahlungsvorgang in Gang, der kaputt ist?"

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Für den Automatenmechaniker nichts Besonderes. Mit Ingangsetzen des Auszahlungsvorganges ist gemeint, daß auf dem Münzspeicher ein Geldbetrag (zum Beispiel 30,- Mark) ist und der Rückgabeknopf betätigt wird. Während dieses Ablaufs wird mit dem Voltmeter (siehe Foto) die Spannung gemessen und festgestellt, ob Plus oder Minus fehlt.

In unserem Beispiel wird an der Spule der Ausfall von Plus festgestellt.

Auf der entsprechenden Strecke müssen jetzt alle Relaiskontakte, Mikroschalter und Nockenkontakte, wie sie auf dem Schaltplan eingezeichnet sind, einzeln durchgeprüft werden, und zwar doppelt, jeweils vor und hinter dem betroffenden Kontakt. Der Fehler ist erst gefunden, wenn zwar vor dem Kontakt Spannung festgestellt wird, dahinter aber keine mehr.

Wieder zeigt es uns Martin Uellner in der Praxis. Dazu hat er die Steuereinheit im Gerät aufgeklappt (Foto).

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Den Minuscommander des Voltmeter klemmt er an die Seite
der gestörten Spule und verfolgt dann mit der Plus-Meßstrippe (oder Meßkabel) Kontakt für Kontakt die gesamte Stromkreisstrecke. Für unser Beispiel gehen wir davon aus, daß die Unterbrechung am Kontakt des Zwei-Mark-Auszahlrelais (Foto) ermittelt worden ist.

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Das läßt eine Fülle von Möglichkeiten offen, den Defekt außerhalb dieses Stromkreises zu suchen, zum Beispiel könnte das 2-DM-Auszahlrelais nicht angesteuert werden.
Als Wegweiser dafür dient der Verdrahtungsplan des betreffenden Geräts. So einen haben wir in stark verkleinerter Ausführung abgebildet. Der darin eingezeichnete Ausschnitt wird darunter in Originalgröße wiedergegeben. Die unterbrochene Linie zeigt, in welche Richtung vom Defekt aus die Suche einzuschlagen ist.
In der Praxis wird das in den wenigsten Fällen erforderlich sein. Wie Heinz Behrens bereits am Anfang dieser Betrachtungen andeutete, liegen einschlägige Ausfälle eines Auszahlungsvorgangs nicht mal an einem defekten, sondern lediglich an einem verschmutzten Relais-Kontakt.

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Solche Verschmutzungen haben wiederum verschiedene, jedoch allesamt gar nicht zu vermeidende Ursachen. Da ist zunächst eine ganz natürliche Abnutzung bei häufiger Benutzung, sogenannter Abbrand. Die ärgsten Widersacher aber sind Nikotin, Staub und Fritierfett, wie sie in winzigen Partikeln nun mal zur „Gaststättenatmosphäre" gehören. Sie dringen trotz Gehäusemantel und Schutzkappen ein und können die winzigen Mikrokontakte sehr leicht unterbrechen, wenn sie darauf niedergehen.
„Abhilfe ist da ganz einfach" sagt Martin Uellner. „Ein mit Leder überzogener Spezialreinigungsstab und ein Kontaktreinigungsmittel gehören dazu. Mehr nicht!"
Auch das haben wir im Foto festgehalten. 

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Ein Bericht aus dem Automatenmarkt 3-1982.