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IQ - Intelligente Quote

Folgender Bericht beschreibt die Einführung variabler Auszahlquoten in 1996, welche die Spieler bis heute interessiert.

1992 entwickelte Bally Wulff das "Platzmarketing", bei dem an verschiedenen Aufstellorten Geräte mit verschiedener Auszahlquote optimal einzusetzen sind, und pflegte das über etwa 5 Jahre. Ohne besondere Resonanz bei den Aufstellern. Die kauften am Liebsten die Niedrigauszahler.

Bally_Platzmarketing

Ein Gerät hatte sogar alle drei Quoten gleichzeitig drin. Der Spielgast konnte wählen, wie viel er in der Stunde durchschnittlich verlieren wollte. Welches Spiel welche Quote hatte, sagte man ihm aber nicht, sondern warb nur für Ausfsteller damit:

Video_Master3

1996 perfektionierte adp die Idee, indem in EIN Gerät unterschiedliche Auszahlquoten eingebaut wurden. Der Aufsteller kann - im gesetzlichen Rahmen - die Auszahlquote in mehreren Schritten beliebig einstellen.

IQ_Logo

Erstes Gerät war der Multi Star, hier im Casino-Gehäuse

Auszug aus Interviews von Paul Gauselmann:

"Nach langem Tauzie­hen mit der Zulassungsbehörde ist es uns gelungen, eine völlig neue Dimen­sion bei Geldgewinnspielgeräten zu setzen: IQ. Als Intelligenzquotient ist dieses Kürzel jedermann geläufig. In unserer Umsetzung heißt das „Indivi­duelle Quote".

In einem anderen Interview interessante Hintergründe zum schwierigen Zulassungsverfahren:

"Trotz der von der PTB in letzter Minute aufgezwungenen Quotenausweisung als A, B, C und D im Display, die er selbst ablehne, nannte er die individuelle Lösung eine zukunftsweisende Idee. Es lägen inzwischen Gutachten vor, wonach anonyme Umsetzung für die Zukunft möglich werden müssten. Trotz des hoffentlich vorübergehenden Nachteils würde IQ ein bedeutendes betriebswirtschaftliches Plus darstellen. Individuelle platzgerechte Aufstellung würde mit einem einzigen Gerät möglich sein, womit sich der Gerätebestand sicher kostensparend verringern lasse. In den Merkur Spielotheken würde allgemein höchstens auf C gespielt. Nicht auf die ausgewiesene Quote käme es dem Spieler an sondern auf die aktuelle Höhe des Jackpots. Für die Zukunft kündigte er an, die Quoten bei 70% zu begrenzen"

Die der eingestellten Quote sollte also unterbleiben und wurde erst von der PTB zur Zulassung gefordert. Erst 10 Jahre später wird Paul Gauselmann seinen Wunsch umsetzen können. Mit der Neuen Spielverordnung 2006 entfällt die lästige Anzeige der Auszahlquote und der umfangreiche Scheibentext. Zudem meinte P.G., die Spieler würden die Auszahlquoten überhaupt nicht erkennen und würden sich lieber von hohen Jackpots blenden lassen. In seinen Spielhallen würden niedrige Quoten eingestellt, da die Spieler durch hohe Einsätze trotzdem zu Erfolgserlebnissen kommen würden, und in schwächeren Plätzen sollten zur Animation der Gäste hohe Auszahlquoten eingestellt werden. Als besonders intelligent hält er seine Kunden also nicht. Wie verärgert muss er über die Goldserie sein, die seit 5 Jahren die Transparenz der eingestellten Auszahlquoten herstellt.

Bally und Löwen sahen dies genau andersherum. Bergmann baute traditionell Geräte mit etwas höherer Auszahlquote. Die noch junge Firma Mega begann, Geräte mit sehr hoher Auszahlquote zu bauen, und begründete damit ihren unter Spielern sehr guten Ruf.

Turbo_Sunny_IQ

Die Antwort von NSM 1996 auf die IQ war der Automat „Volle Pulle", bei dem eine andere Art von Auszahlquotensteuerung verwendet wurde: Der Aufsteller kann entschei­den, ob jeweils jedes 7., 11., 22. oder 33. Spiel zum Freispiel wird.

VollePulle2

Bergmann kam erst sehr spät mit dem „1000" von 2002 mit einstellbaren Auszahlquote, und verwendete dies nur bei wenigen weiteren Automaten.

Nicht jeder Aufsteller konnte sich mit den neuen Möglichkeiten anfreunden. Kurz nach Erscheinen der ersten vier Geräte von adp mit "IQ" wurden wieder Geräte mit Festquote gebaut, u.a. der Super Multi IIII, ansonsten baugleich mit dem Super Multi III mit IQ. Dazu ein Pressebeitrag:

Kein „IQ". Nach Redakti onsschluß flatterte dem »münzautomat« die Meldung über das neue adp-Geldgewinnspielgerät Super Multi IIII auf den Tisch. Im Gegensatz zum „Schwestermodell" des Super Multi III wurde bei der vierten Generation auf die „IQ"-Ausstattung völlig verzichtet. Die Gauselmann-Gruppe ist der Meinung, daß Aufsteller nun ein lückenloses Angebot haben, um die zum Jahresende freiwerdenden Multi-Plätze zu besetzen. Die wichtigen Multi-Features sind erhalten geblieben: Angefangen beim äußeren Eindruck, über die Ringausspielung, die Multi-Spiele, dem markanten Schriftzug auf dem Gerät bis hin zur Gehäuseform ist auch der Super Multi IIII laut adp der „echte" Super Multi II Nachfolger.   

Super_Multi_IIII

Weitere Infos in der demnächst neu erscheinenden Automatenpedia 1996.

Euer Esteka