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Bachmann, Peter J.

Peter J. Bachmann, glückloser Geschäftsführer von Bally Wulff 1999. Ein Artikel aus dem "münzautomate" Ausgabe Februar 1999:

 

Bachmann_Peter_J„Ich bin ein ganz einfacher Verkäufer"

»münzautomat«-Gespräch mit Peter J. Bachmann, Geschäftsführer Bally Wulff

Seit wenigen Wochen ist Peter J. Bachmann neuer Geschäftsführer von Bally Wulff.Als Quereinsteiger in die Branche hat er sich von öffentli­chen Auftritten bislang ferngehalten. „Ehe ich viel sage, muß ich noch viel verstehen", so seine Meinung. Auf derATEI in London entging Peter J. Bachmann dann aber doch nicht dem Reporter des »münzautomat«.

Viel sagen will er noch nicht. Am lieb­sten würde sich Peter J. Bachmann, der neue Chef von Bally Wulff, in der Branchenpresse noch gar nicht äu­ßern. „Jede Regierung hat 100 Tage. Die sollte man mir doch auch lassen", meint er. Unvorsichtigerweise hat er sich nun aber auf einen Termin mit dem »münzautomatitr eingelassen - bezeichnenderweise weit weg von da­heim - in London. Und wenn man schon mal zusammensitzt, dann kann man auch zumindest ein bißchen plaudern.

Auf Schnupperkurs

Wobei plaudern zu wenig gesagt ist. Bachmann weiß genau, daß er derzeit von der Branche abgecheckt wird. Das fängt im eigenen Unternehmen an, zieht sich über den Wettbewerb bis in die Aufstellerschaft. Und die Bran­chenpresse beteiligt sich natürlich auch an diesem Spiel. Schließlich will man ja wissen, mit wem man es in Zu­kunft zu tun hat. Weil Bachmann das genau weiß, hat er offenbar beschlos­sen, von Anfang an den Spieß auch umzudrehen. Freundlich, aber ziem­lich unverhüllt checkt er zurück. Auf die Frage, was er als Marketingmann zu einer Branche sagt, die das Marke­ting noch nicht so richtig entdeckt hat, reagiert er mit der Gegenfrage: „Was verstehen Sie denn unter Marke­ting?" Jedenfalls sind die Signale, die Bachmann mit dieser Strategie setzt, nicht zu übersehen. Signal Nummer eins: so wie mich die Branche im Mo­ment beschnuppert, so beschnuppere ich die Branche. Signal Nummer zwei: bloß kein Geschwätz.

Wie die Branche tickt

Für Bachmann ist dies freilich längst nicht nur die Überlebensstrategie für die ersten Monate. Bei dem neuen Mann auf dem Chefsessel von Bally Wulff hat dieses Verhalten durchaus Methode. In eben diesem Sessel fin­det man ihn nämlich zur Zeit nur recht selten. Er ist derzeit auf Schnupper­Tournee durch den gesamten Bally­Wulff-Vertrieb. „Noch in diesem Frühjahr will ich alle 21 Niederlassun­gen im Bundesgebiet wenigstens ein­mal besucht haben", ist sein erklärtes Ziel. Wie er sagt, ist er auch dabei, „wenn ganz normale Verkaufsgesprä­che geführt werden". Dabei legt er Wert auf die Feststellung, daß er hier nicht als „Johnny Controletti" unter­wegs ist. „Ich will schlicht und ergrei­fend dort sein, wo das Geschäft ist. Das spielt sich nicht in meinem Büro in Berlin ab, sondern draußen, wo Ge­räte verkauft werden. Nirgendwo ver­stehe ich besser, wie die Branche tickt."

Ohne Zweifel lernt Bachmann auf Tournee auch, wie das eigene Unter­nehmen „tickt". Natürlich kommt er aus einer anderen Erfahrungswelt und verhehlt daher nicht, daß er durchaus Dinge sieht und hört, die zu hinterfragen sind. „Aber ganz gene­rell sehe ich uns im Markt gut plaziert. Wir haben gute Produkte und eine Verkaufsorganisation, die j a gerade in der jüngsten Vergangenheit bewiesen hat, was möglich ist. Wenn es kurzfri­stig etwas zu verändern gibt, dann be­wegt sich das aus meiner jetzigen Sicht im Bereich des Feintunings."

Internationalisierung kommt

Mehr als nur Feintuning ist nach Bachmanns Überzeugung allerdings auf lange Sicht nötig. Es ist ihm nicht entgangen, daß Bally Wulff mit dem Hauptprodukt Geldspiel „am Tropf des deutschen Marktes hängt. Und der wird immer enger". Für Bach­mann ergibt sich hieraus die Konse­quenz: „Wir müssen internationaler werden." Was als Aussage so einfach daherkommt, wird allerdings für das Unternehmen selbst Konsequenzen haben. „Um auf internationalem Par­kett erfolgreich zu bestehen, müssen wir langfristig unsere internen Struk­turen wappnen."